Seit 30 Jahren ein echtes Beispiel Auf den Spuren der Erika Mustermann

Berlin – Sie bekam massenweise Heiratsanträge, eine Flut von Fanpost. Als vor 30 Jahren erstmals ihr Schwarz-Weiß-Foto den Muster-Personalausweis zierte, waren viele Männer ganz heiß auf diese blonde, grünäugige Frau.

Auf Erika – oder besser bis 1987 Renate – Mustermann, geborene Gabler. Dabei gab es die Dame gar nicht, jedenfalls nicht mit diesem Namen, und seitdem ranken sich Mythen um das Pin-up-Girl sämtlicher Amtsstuben. Wir begaben uns auf Spurensuche.

Erika Mustermann – der Name begleitet uns seit Jahren. Jeder, der schon mal einen Ausweis oder Führerschein beantragt hat, kennt die Phantom-Blondine von den Beispieldrucken. Max Mustermann ist ihr Gatte, den muss sie wohl nach ihrem Leben als Ordensschwester (zeitweise stand als Ordensname Schwester Agnes auf dem Ausweis) geehelicht haben.

Es gibt auch noch andere „Familienmitglieder“. Aber die schöne Eva ist die Berühmteste, weil sie die Begehrteste ist, die Attraktivste. Sie hat ihr Styling und die Adresse über die Jahre oft und gerne geändert. Erst kam sie mit einer biederen Ponyhaarfrisur daher. Nummer zwei gab es dann ab 1997 digitalisiert und in Farbe – hübsch gefönt, bebrillt und etwas heiterer als ihre Vorgängerin.

Auch die nächste Durchschnittsmusterfrau war blond, die Frisur aber etwas weniger akkurat. Sie blieb von 2001 bis November 2005. Die aktuelle Erika sieht erwachsener aus, mit glatten, blonden Haaren, immer noch sehr attraktiv.

Mit jedem neuen Bild zog die Dame von der Plastikkarte um – nur auf dem Pass, versteht sich. 1981 wohnte sie in München, Heidestraße 17, (Fantasiestraße, 1995 aber „unbekannt verzogen“), 2007 wieder in der Heidestraße 17, allerdings diesmal in Köln, 2008 in Berlin.

Auch Erikas Geburtsdaten wechselten. Die älteste Erika müsste jetzt um die 67 Jahre alt sein. Die aktuelle ist 48 Jahre alt. Doch wer nach der schönen Erika sucht, hat Pech.

Zwar heißen in Deutschland etwa 100 Menschen Mustermann. Einer sogar Max Mustermann. Der heute Neunjährige ist 2003 im niedersächsischen Quakenbrück geboren. Seine Eltern wussten angeblich nicht, dass sie den bekanntesten Ausweisvordrucknamen gewählt haben.

Im Telefonbuch stehen genau zwei Erika Mustermann. Doch auch dort – Fehlanzeige, es ist nicht die vom Pass. Allerdings bedienten sich mal Hippies aus der Nähe von Augsburg des Namens, weil sie es leid waren, ständig neue WG-Teilnehmer zu benennen.

Die Fluktuation in ihrer Aussteiger-Kommune war groß, da gaben sie als Meldenamen Erika Mustermann an – und die Post war glücklich. Nur eine Episode in Erikas Biografie.

Irgendwann gab sich die schöne Unbekannte mal bei einer Pressekonferenz der Bundesdruckerei zu erkennen, glaubten jedenfalls viele.

Plötzlich trat eine zierliche Blondine in den Raum und stellte sich als „Mustermann“ vor. Plauderte, sie sei „eine gute, anständige Bürgerin“ und fügte lächelnd hinzu: „Wenn mich jemand auf der Straße wiedererkennen würde, wäre ich stolz.“

Jeder echter Erika-Fan wurde allerdings nachdenklich: Die Frau, die da stand, hatte blaue Augen. Die auf dem Pass grüne. War das etwa ein Double, um die Verehrer kurzzeitig zu beruhigen? Doch wer ist die wahre Erika? Das ist ein bestens gehütetes Geheimnis, und das kennt nur die Bundesdruckerei. Sprecher Martin Gosen: „Seit 1987 ist es ein und dieselbe Person, die für uns als Mustervorlage zur Verfügung steht. Sie ist eine sehr nette, entspannte Frau, die bei uns arbeitet.“

Und auch das dürfen wir wissen: Sie legt keinen Wert darauf, auf der Straße erkannt zu werden. Die richtige Erika wohnt aber in Berlin und dürfte inzwischen um die 50 Jahre alt sein.

Die Fanpost an sie ging übrigens auch immer an die Adresse der Bundesdruckerei und landete tatsächlich auf Erikas Schreibtisch – genauso wie die Liebesbriefe für ihre Vorgängerin, die inzwischen in Rente ist. Wenigstens ein Trost für Erikas Verehrer ...

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