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Meeresbiologin macht Mut Wir können es noch schaffen, die Ozeane zu retten

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Schildkröten leben seit 100 Millionen Jahren auf unserem Planeten. Die Aufnahme von nur 14 Plastikteilchen kann ihren Tod bedeuten.

Köln – Wasser. Gibt’s doch in Hülle und Fülle. 70 Prozent unserer Erde sind Wasser, 30 Prozent sind Land. Und dennoch steht der Weltwassertag 2021 am Montag, 22. März 2021, unter dem Motto: „Wert des Wassers“.

  • Am 22. März ist Weltwassertag
  • Die Ozeane sind in Gefahr, aber noch können wir gegensteuern
  • Was jeder Einzelne jetzt tun kann

Ja, was ist Wasser, was sind vor allem die ganzen Ozeane eigentlich wert? EXPRESS hat nachgehakt. „24 Billionen US-Dollar, umgerechnet 20 Billionen Euro“, rechnet der WWF vor. Fragt sich nur, warum wir dann einen der größten Wirtschaftsfaktoren der Welt mit so viel Dreck beschmeißen?

Ozeane produzieren Güter von unglaublichem Wert

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt der größten Wirtschaftsnationen liegen die Weltmeere auf dem siebten Platz, gleich hinter Frankreich und Großbritannien, ergibt eine WWF-Studie in Zusammenarbeit mit der Boston-Consulting-Unternehmensberatung.

Jährlich „produzieren“ die Meere Güter und Dienstleistungen im Wert von 2,5 Billionen Dollar. Eine der wichtigsten Waren des Ozeans ist natürlich Fisch, mit dem fast drei Milliarden Menschen mehr als 20 Prozent ihres Eiweißbedarfs decken.
Dazu kommen Tourismus, Handel und Transport durch die Schifffahrt.

Die marine Wirtschaft schafft weltweit hunderte Millionen Arbeitsplätze, die Küsten bieten Milliarden Menschen und Tieren einen Lebensraum, in Schiffwracks vermutet man Schätze mit einem Gesamtwert von 30 Milliarden Euro.

Ozeane sind gigantischer Sauerstofflieferant

Wow! Und nicht mit eingerechnet ins Brutto-Meeresprodukt sind dabei die wichtigsten Funktionen wie z. B. das Meer als Klima-Regulierer oder Sauerstoffspender. Die Meere produzieren insgesamt 70 Prozent des gesamten Sauerstoffs!

Doch Meeresgott Poseidon, quasi Chef einer der größten Wirtschaftsmächte der Welt, muss um sein Reich bangen. Viele Menschen vergessen, welch kostbares Gut das Wasser ist. „Wäre das Meer ein Mensch, müsste es dringend ins Krankenhaus, und zwar auf die Intensivstation, weil alle Organe schwer angegriffen sind“, sagt Meeresbiologin und WWF-Direktorin Heike Vesper.

„Noch können wir die Ozeane retten“

Wie lange der Patient noch durchhält? „Schwer zu sagen“, meint sie. Aber sie macht Hoffnung: „Noch können wir es schaffen, noch können wir die Ozeane retten.“ Denn das Meer habe immense Selbstheilungskräfte, es sei bemerkenswert anpassungsfähig.

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Heike Vesper kämpft seit 20 Jahren für saubere Meere. Sie hat das Buch „Wenn wir die Meere retten, retten wir die Welt“ geschrieben. 

In ihrem aktuellen Buch „Wenn wir die Meere retten, retten wir die Welt“ (rororo, 16 Euro), erklärt die leidenschaftliche Taucherin, die schon von Kindheit an fürs Meer schwärmte, wie ein nachhaltiger Umgang gelingt – und jeder Einzelne etwas bewirken kann.

Rettung der Ozeane: Was die Politik tun muss

Aber sie nimmt auch Unternehmen und die Politik in die Pflicht:
Mindestens 30 Prozent der Meeresfläche, verteilt über die ganzen Ozeane, müssten schnellstmöglich unter Schutz gestellt werden und die übrigen zwei Drittel dürften nur noch nachhaltig genutzt werden, fordert sie.

Die Zahl der Schiffe hat sich seit 1950 mehr als verdoppelt. Immer mehr Fischer jagen also immer weniger Fische. „Das wäre ohne Subventionen nicht möglich gewesen. Deshalb brauchen wir schnellstmöglich eine globale Regulierung der Fischereisubventionen.“

Schluss mit dem Beifang. Damit das aufhört, müssten auf den Einsatz von Grundschleppnetzen verzichtet und umweltschonendere Methoden wie das Flexnetz (hat Notausgänge) gefördert werden. Außerdem müsse das Rückwurfverbot endlich umgesetzt werden.

Ozeane retten: Schutz vor illegaler Fischerei ist Pflicht

Aber vor allem gilt: „Noch immer werden 30 Prozent der Fischbestände überfischt – das muss ein Ende haben. Stattdessen muss eine Fischereiüberwachung greifen und vor illegaler Fischerei geschützt werden.“

Machbar? Die WWF-Direktorin sagt zum EXPRESS: „Absolut. Man muss es nur wollen – und in der Vergangenheit hat es da oft an politischem Willen gemangelt. Dabei würde gerade die Fischereiindustrie von gesunden Meeren und großen Fischbeständen profitieren.“

Ozeane retten: Einwegplastik muss weg

Erfolgsgeschichte: „Durch den Protest vieler Menschen ist eine Lawine losgetreten worden, wie ich es in 20 Jahren Umweltschutz noch nicht erlebt habe“, sagt Heike Vesper. Die deutsche Regierung habe das Thema 2015 auf die Agenda des G7-Gipfel genommen, innerhalb einer Rekordzeit wurden EU-Gesetzes zum Verbot von Einwegplastik erlassen.

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Plastik-Geschirr verschmutzt die Ozeane. 

Hier tut Hilfe noch Not: Noch immer landen pro Stunde bis zu 400 Tonnen Plastikmüll im Ozean. Die Plastikproduktion wird subventioniert, weil auf das zur Herstellung benötigte Rohöl keine Steuern erhoben werden. „Ein Witz“, so Vesper. „Wir brauchen eine funktionierende Kreislaufwirtschaft statt immer mehr Abfall und Verpackungen.“

Rettung der Gewässer: Wieder Lachse im Rhein

Erfolgsgeschichte: Auch bei Seen und Fließgewässern tut sich was. Die Anstrengungen um einen verbesserten Schutz der Wanderfische und ihrer Lebensräume zeigen Wirkung – beispielsweise beim Lachs. Nordrhein-Westfalen ist das Rheinanliegerland, in dem die meisten zurückkehrenden Lachse gezählt werden.

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Die Wiederansiedlung des Ostsee-Störs in der Oder erreicht die Millionengrenze. Hier kippt Michael Trautenhahn, stellvertretender Leiter vom Nationalpark Unteres Odertal,  am 21. Mai 2016 einen Behälter voller Störe in die Oder nahe Criewen.

Hier tut noch Hilfe Not: 16 von 51 untersuchten heimischen Fischarten sind nach der Roten Liste des Landes NRW gefährdet. Dazu gehören Äsche, Aal, Quappe, Steinbeißer und Co. Zu den Hauptursachen des Artenschwunds zählen Wasserkraftwerke, Staudämme, Verschmutzungen und Pestizideinsatz in der Landwirtschaft. Da geht noch viel!

Das Bikini-Atoll lebt wieder

Erfolgsgeschichte: Im Bikini-Atoll im Pazifischen Ozean wurden zwischen 1946 und 1954 zwanzig Atombomben getestet, ein furchtbarer Eingriff ins Meer. Wissenschaftler, die 2017 erstmals wieder auf einer Tauchexpedition in dem Gebiet waren, staunten hingegen nicht schlecht: Riesige Korallen, Krabben, Schildkröten, Thunfische und Haie bekamen sie vor die Linse. Zur Genesung hat beigetragen, dass der Mensch sich bis heute insgesamt fast 70 Jahre komplett aus dem Gebiet zurückgezogen hat und dort nicht fischen wollte.

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Im Bikini-Atoll im Pazifischen Ozean wurden zwischen 1946 und 1954 zwanzig Atombomben getestet, ein furchtbarer Eingriff ins Meer. Aber weil der Mensch dann hier nicht mehr fischen wollte, erholte sich die Natur überraschend schnell.

Hier tut noch Hilfe Not: In den vergangenen 25 Jahren hat das Weltnaturerbe Great Barrier Reef mehr als die Hälfte seiner Korallen verloren. Hier hilft leider die Errichtung des Schutzgebietes nicht weiter. „Nur wenn die Pariser Klimaziele doch noch erreicht werden – also die konsequente Bekämpfung der Erderhitzung (wir müssen unter 2 Grad bleiben ) – könnten sich die Korallen möglicherweise wieder regenerieren.“

Ozeane retten: Der Walbestand wächst

Erfolgsgeschichte: Der Buckelwal kann wieder Freudensprünge machen. In den 70er Jahren war die Zahl der Tiere durch kommerziellen Walfang stark zurückgegangen. Man einigte sich international darauf, die Wale weltweit zu schonen, damit sich die Bestände erholen können. Inzwischen schätzt man den Bestand wieder auf 115000 Tiere – eine echte ökologische Erfolgsgeschichte.

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Der Walbestand wächst wieder. Hier sieht man einen Buckelwal in der Jervis Bay, südlich von Sydney. 

Hier tut noch Hilfe Not: Andere Walarten haben sich leider noch lange nicht so gut erholt. Die WWF-Direktorin: „Wir eruieren mittlerweile ziemlich genau, wo sich Wale aufhalten. Hier müssen Schutzkorridore errichtet werden, denn Wale kann man nicht umlenken, Schiffe schon.“

So wirkt die Geisternetz-App

Erfolgsgeschichte: Herrenlose Netze, die auf offener See treiben, machen 30 bis 50 Prozent des Meeresplastiks aus. Sie brauchen über 600 Jahre, um zu verrotten. Der WWF sucht mittlerweile sehr effektiv mit einem Seitensicht-Sonargerät den Ostseeboden nach verlorenen Netzen ab. „Bisher haben wir mit Tauchern und Fischern über 18000 Tonnen Geisternetze geborgen. Neuerdings gibt es auch eine App „WWF Geistertaucher“, mit deren Hilfe Taucher, Fischer und Wassersportler Netze melden können, die dann von Berufstauchern geborgen werden. Funktioniert gut.

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Geisternetze werden vielen Meeresbewohnern zum Verhängnis.

Hier tut noch Hilfe Not: Das Engagement der Helfer in Ehren, aber langsam muss man sich auf den Staat verlassen können, dass er die Netze
wieder einfängt.

Was wir selbst tun können, um die Ozeane zu retten

Nie wieder Garnelen? Bloß kein Kreuzfahrtschiff mehr betreten? Nein, es geht der Meeresbiologin gar nicht darum, uns alles mies zu machen. Denn manchmal sind es nur kleine Stellschrauben, an denen man drehen muss, um dem Meer etwas Gutes zu tun.

Volle Waschmaschinen sparen nicht nur Wasser, sondern verringern den Faserabrieb von unseren geliebten Flauschpullis, der so fein ist, dass die Partikel schnell ins Ökosystem gelangen. „Ich reinige das Fusselsieb über dem Mülleimer – und nicht im Waschbecken“, erklärt Expertin Heike Vesper.

Stolze 8000 Liter Wasser sind zur Herstellung einer Jeans nötig. Wir Deutschen kaufen im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr – die Hälfte tut’s doch auch.

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Pinguine und Wale ernähren sich von Krill. Der Mensch braucht die Nahrungsergänzung nicht.

Der Bestand an Krill ist stark gesunken. „Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich sehe, wie manche Produkte, die Krillöl enthalten, beworben werden – mit einem Kaiserpinguin. Dabei nehmen wir dem die Nahrung weg. Wer sich gesund ernährt, deckt seinen Bedarf an Omega-3-Fettsäure in der Regel ab und braucht kein Krill. Wer mehr Bedarf hat, kann auf Leinöl oder Mikroalgen zurückgreifen.“

Fisch bitte nur nachhaltig und in Maßen kaufen. Wer es schaffe, nur einmal in der Woche Fisch zu essen, würde seinen jährlichen Verbrauch auf sieben Kilogramm senken – und damit gleichzeitig die Grenzen des Ozeans respektieren.

Nicht jeder Fisch gehört noch auf den Teller. „Europäischer Aal ist vom Aussterben bedroht, auch der Hai, der unter Deckmäntelchen wie Schillerlocke gern auf Wochenmärkten angeboten wird.“ Den aktuellen Ratgeber gibt’s unter WWF.de/Fischratgeber.

Wenn es denn eine Kreuzfahrt sein muss, dann mit umweltschonendem LNG-Antrieben. Slow cruisen, kürzere Fahrstrecken und längere Liegezeiten helfen, weniger Treibstoff zu verbrennen.

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Wenn schon Kreuzfahrt, dann am besten auf Schiffen mit LNG-Treibstoff-Antrieb.

Die Nachfrage nach kostengünstigen Garnelen steigt weiter, Abertausende von Mangrovenwälder wurden deshalb für Zuchtanlagen vernichtet. Dabei sind sie so wichtig fürs Ökosystem und fürs Klima. Deshalb: „Bio-Shrimps kaufen.“ Gibt sogar welche aus Zuchtanlagen in Deutschland.

Allein im Smartphone befinden sich 30 Metalle und sogenannte seltene Erden. Da die Rohstoffe immer knapper werden, geht’s demnächst in die Tiefsee, um Kobaltkrusten, Massivsulfide und Manganknollen zu gewinnen. Auch Deutschland hat zwei Lizenzen. Vesper: „Das wird brachial. Was in der Tiefsee zerstört wird, regeneriert sich sehr lange nicht. Deshalb: Smartphones schützen und länger benutzen. Wenn’s ein Neugerät sein muss, dann auf Umweltzeichen wie Blauer Engel oder EPEAT achten.“

Dem Wasser im Urlaub etwas zurückgeben! Aufräumaktionen an Strand und Flussufern werden von Costal-Clean up-Verbänden organisiert. Entweder man schließt sich an oder nimmt eine Tasche mit und sammelt am Strand alles ein, was da nicht hingehört – und macht dem Meer ein Geschenk.