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Satelliten liefern alarmierende Daten Lage in Deutschland schlimmer als gedacht – auch in NRW

Bodensee aus der Satellitenperspektive. Landesumweltämter arbeiten in zwei Leuchtturmprojekten mit Copernicus-Daten Satelliten im Einsatz für den Umweltschutz Credit: ESA

Das von der ESA zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Bodensee aus der Satellitenperspektive. Informationen von Erdbeobachtungssatelliten haben große Vorteile: Sie liefern wesentlich detailliertere Daten mit ihren verschiedenen Instrumenten aus der „Vogelperspektive“. Davon wollen auch vermehrt die Behörden profitieren. Jüngste Satellitendaten liefern nun alarmierende Daten zum Waldsterben in Deutschland.

Die deutschen Wälder leiden – und zwar erheblich. Wie stark sie leiden, zeigen nun die Satelliten Sentinel-2 und Landsat-8. Erstmals machen sie das Ausmaß der Schäden sichtbar – und wo sie am schlimmsten sind.

Deutschen Spaziergängern ist es längst aufgefallen: Immer mehr kahlgeschlagene Flächen sind in den Wäldern hierzulande zu sehen. Immer mehr grüne Dächer verschwinden, die Kronen scheinen lichter zu werden. Unsere grüne Lunge – unser Lebensraum und unser Schutz, etwa vor Überflutungen – leidet.

Dürre, Hitze, Insekten – seit Jahren beobachtet auch die Forstwirtschaft mit Sorge die Entwicklung in den Wäldern. Doch wie groß die Verluste genau sind, konnte bislang nur geschätzt werden. Die Satellitenaufnahmen machen nun erstmals den genauen Schaden sichtbar.

Wie das Deutsche Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) jetzt mitteilt, sind Forschende der Frage mithilfe von Erdbeobachtungsdaten der beiden Satelliten auf den Grund gegangen. Erstmals wird für ganz Deutschland sichtbar, wie viel Baumbestand verloren gegangen ist, heißt es dort. Und die Ergebnisse sind alarmierend.

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Vor allen Dingen die Borkenkäferplage sorgt dafür, dass Nadelwälder leiden – unser Archivfoto von 2018 zeigt die Insekten in der Rinde einer Fichte in der Schweiz.

Vor allen Dingen die Borkenkäferplage sorgt dafür, dass Nadelwälder leiden – unser Archivfoto von 2018 zeigt die Insekten in der Rinde einer Fichte in der Schweiz.

Denn von Januar 2018 bis April 2021 seien auf rund 501.000 Hektar Fläche Baumbestände zerstört worden – das entspreche fast fünf Prozent der gesamten Waldfläche, erklärt das DLR. Der Verlust sei damit erheblich höher, als bisher angenommen. Die Gründe für diese furchtbare Entwicklung sind vor allem die ungewöhnlich starken Hitze- und Dürreperioden in den vergangenen Jahren. Und die wiederum haben dafür gesorgt, dass vermehrt Insekten die Bäume befallen – Borkenkäfer zum Beispiel.

Waldsterben in Deutschland: Forschende des DLR beziffern Schaden

Mithilfe der beiden Satelliten Sentinel-2 des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus sowie des US-amerikanischen Satelliten Landsat-8 konnte der Baumverlust genau beziffert werden, so das DLR. Die Daten machten nicht nur Verluste im Oberstand von Wäldern deutlich, sie würden auch komplett abgestorbene Bestände sehr gut sichtbar machen, heißt es weiter.

Und dieser sehr genaue Blick aus dem All zeigt eben auch, wo das Baum-Sterben in Deutschland am schlimmsten ist: Überwiegend die Mitte Deutschlands mit ihren Nadelwäldern sei betroffen. Von der Eifel über das Sauerland bis in die Sächsische Schweiz sterben die Wälder.

Waldsterben in NRW: Mehr als ein Viertel der Fichtenwälder verloren

Auch in Nordrhein-Westfalen ist die Lage dramatisch: Innerhalb von drei Jahren habe das Bundesland mehr als ein Viertel seiner Fichtenwälder verloren. In einigen Landkreisen gar mehr als zwei Drittel. Viele Bäume starben ab, fielen großflächigen Notfällungen zum Opfer, erklärt das DLR. Der Kahlschlag ist oft die letzte Chance bei massivem Schädlingsbefall – etwa beim Borkenkäfer – seine Ausbreitung weiter zu verhindern.

Nadelbäume sind deshalb so gefährdet, weil sie sich nach solch einem Befall oft wesentlich schlechter erholen können als Laubbäume wie etwa die Eiche. Die Monokulturen von Fichten etwa – wichtiger Holzlieferant, aber oft nicht an die Umgebung angepasst – sind weit weniger widerstandsfähig.

Und als die Hitze-Wellen kam und mehrere Dürreperioden über das Land hereinbrachen, waren vor allem die Nadelbäume geschwächt.

DLR: „Schäden der letzten Jahre beispiellos“

Aber nicht nur sie erwischt es: „Unsere Analysen zeigen, dass auch Eiche, Buche und Kiefer – neben der Fichte die häufigsten Baumarten in Deutschland – starke Schäden aufweisen. Dasselbe gilt für seltenere Arten wie Bergahorn oder Lärche“, sagt Dr. Frank Thonfeld vom Earth Observation Center (EOC) des DLR.

Die jährlichen Waldzustandsberichte der Behörden machten bereits deutlich, „dass sich der Zustand der deutschen Wälder schon seit längerer Zeit kontinuierlich verschlechtert. Aber die Schäden der letzten wenigen Jahre sind beispiellos“, sagt Thonfeld weiter.

Interessant: Die Methode lasse sich laut DLR auch auf andere Regionen und Länder anwenden, denn das Waldsterben ist in ganz Europa ein Thema. Es werde Jahrzehnte dauern, bis die wirtschaftlichen Schäden eingeholt sind. „Bis sich das Ökosystem Wald erholt, kann es noch länger dauern“, so das DLR.

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