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„Kommen mit Chips und Cola“Neuerung an Schule in Hürth ist in NRW fast einzigartig

Die Turnhalle der Realschule Hürth: Friedrich-Ebert Schule

Hier gibt es ab dem Sommer Sport als Hauptfach

Damit sich die Schülerinnen und Schüler der Realschule Hürth mehr bewegen, wird hier jetzt Sport als Hauptfach angeboten. Wer dieses Fach wählt, hat dann das Wahlpflichtfach Sport- und Gesundheitslehre und zusätzlich auch das Fach Sport im Klassenverband. 

Mehr Bewegung, mehr Gesundheit: Die Friedrich-Ebert-Schule in Hürth geht für diese Ziele einen ganz neuen Weg.

von Alexandra Miebach (mie)

Die Zahlen des Robert Koch-Instituts sind erschreckend: Etwa jedes sechste Kind in Deutschland ist übergewichtig oder adipös (fettleibig). Unter den 11- bis 13-Jährigen ist es sogar jedes fünfte.

Besonders stark betroffen sind Kinder aus sozial- und einkommensschwachen Familien, in denen ausgewogene Ernährung einfach hinten ansteht. Die Friedrich-Ebert-Schule in Hürth startet deswegen im kommenden Schuljahr mit einem neuen Projekt.

An der Realschule haben Schülerinnen und Schüler, die nach den Sommerferien in die siebte Klasse kommen, erstmals die Möglichkeit, Sport als viertes Hauptfach zu wählen. Das gibt es in NRW bisher nur an zwei Realschulen.

„Die Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sekundarstufe I sieht an Realschulen kein Wahlpflichtfach Sport vor. Gleichwohl wird an bislang zwei Realschulen in Nordrhein-Westfalen Sport als Wahlpflichtfach ab Klasse 7 erprobt. Grundlage dieses sogenannten Schulentwicklungsvorhabens ist der Erlass ‚Mehr Freiräume für innovative schulische Vorhaben‘“, heißt es aus dem Schulministerium.

Realschule Hürth startet nach den Ferien mit neuem Konzept

„Die Schülerinnen und Schüler kommen morgens zum Teil schon mit einer Tüte Chips und einer Dose Cola in der Hand in die Schule“, schildert Schulleiter Carsten Balvin (51) die Situation im Gespräch mit EXPRESS. „Von unseren Kindern gehen die wenigsten in ihrer Freizeit in einen Sportverein. An vielen Gymnasien in einkommensstärkeren Gegenden ist das anders.“

Daher hat sich die Lehrerschaft der Friedrich-Ebert-Schule, allen voran Sportlehrerin Diane Franzky (39), als Ziel gesetzt, an ihrer Schule den Kindern zu ermöglichen, Sport auch als Hauptfach zu belegen und so das Interesse an Bewegung und gesunder Ernährung zu steigern. Mehr als ein Jahr Planung liegt hinter dem Team.

Diane Franzky erklärt: „Wir haben ein Konzept und einen Lehrplan entworfen, da es das so bisher nicht gibt.“ Damit musste sich die Schule dann auf Regierungsebene die Genehmigung einholen. Auch die Ausrüstung der Turnhalle spielt hierfür eine große Rolle. „Die Halle lässt sich teilen, kann aber auch als eine große Halle genutzt werden. Wir haben unter anderem eine Kletterwand und Geräte wie große Trampoline, mit denen wir arbeiten können. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir eine so gut eingerichtete Halle haben. Das haben viele Schulen nicht“, sagt Diane Franzky.

Realschule in Hürth: Sport- und Gesundheitslehre soll für viele Schüler attraktiv gestaltet sein

Und wie wird der Unterricht in Sport- und Gesundheitslehre so hat die Schule das neue Fach genannt aussehen? Franzky erklärt: „Uns war es wichtig, dass das Fach nicht einfach Sport heißt, damit es sich von dem Sportunterricht, der im Klassenverband weiter stattfindet, abgrenzt. Wir kombinieren praktische und theoretische Einheiten miteinander, versuchen, die beiden Ebenen sinnvoll untereinander zu verflechten. Es werden auch Klassenarbeiten geschrieben. Ebenso zählen die mündliche Mitarbeit und der Einsatz im praktischen Unterricht.“

Im theoretischen Teil lernen die Schüler dann zum Beispiel etwas über den menschlichen Bewegungsapparat, über das Herz-Kreislauf-System und auch etwas zum Thema „Gesunde Ernährung“. In der Praxis gibt es nicht nur Ballsport, sondern eben auch Turnen, Gymnastik, Tanz, Ausdauersport und Leichtathletik.

Die Sportlehrerin: „Das Fach soll für Jungen und Mädchen attraktiv sein. Wir möchten möglichst viele ansprechen.“ Die Resonanz der Schülerschaft sei bisher gut. „Viele haben schon gesagt, dass sie Interesse haben“, erzählt Franzky. „Ich leite selbst eine siebte Klasse. Die waren traurig, dass es erst ab kommendem Schuljahr möglich ist und sie daher Sport- und Gesundheitslehre nicht wählen konnten.“

Ungefähr 20 Schülerinnen und Schüler starten dann mit dem neuen Hauptfach. Als andere Wahlpflichtfächer bietet die Schule Französisch, Biologie, Sozialwissenschaften, Kunst und Informatik an. „Wie hoch der Andrang für Sport- und Gesundheitslehre sein wird, können wir noch nicht sagen. Die Wahlen für das vierte Hauptfach stehen noch aus.“ Diane Franzky fügt hinzu: „Wir sind gespannt und freuen uns, dass wir den Schülerinnen und Schülern das ermöglichen können.“