Horror-Video aus Hürther SchlachthofSkandal weitet sich aus – neue Strafanzeige

Der Hürther Schlachthof „Mezbaha“ wurde wegen illegaler Schlachtungen geschlossen. Auf die Verantwortlichen könnten nun aber noch weitere Konsequenzen zukommen.

von Niklas Brühl (nb)

Es waren grausige Szenen, über die EXPRESS.de vor gut zwei Monaten berichtet hat: In einem Schlachthof in Hürth wurden Tiere auf brutale Weise – und teilweise gänzlich ohne Betäubung – getötet.

Das Fotomaterial aus dem „Mezbaha“-Schlachthof machte betroffen, nachdenklich und wütend zugleich. Der Betrieb wurde vom Veterinäramt dicht gemacht, nun drohen den Verantwortlichen aber noch weitere Konsequenzen. Vorsicht: Die Fotos und folgenden Schilderungen könnten auf einige Menschen verstörend wirken.

Schlachthof in Hürth dicht: „Szenen gleich einem Horrorfilm“

Schafe wurden ohne Betäubung brutal auf den Boden gedrückt und dann die Kehle durchgeschnitten, Rinder mit Mistgabeln unter anderem in die Augen gestochen, ein Mitarbeiter des Schlachthofs pinkelte mit einer Zigarette im Mund in einen Wartestall für die Tiere.

Vielen blieb bei diesen unfassbar grausamen Szenen die Sprache weg – auch Jan Peifer, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Tierschutzbüros, das die Fotos veröffentlichte und an die Behörden weitergab. „Die Zustände in dem Betrieb gleichen einem Horrorfilm“, sagte Peifer damals, der in seinem Beruf bereits einige Grausamkeiten zu Gesicht bekam.

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Aber: „Die Tierquälerei in dem Schlachthof in Hürth ist kaum in Worte zu fassen. Es ist sicherlich mit das Schlimmste, was ich jemals gesehen habe.“ Die veröffentlichten Szenen wurden zwischen dem 25. Dezember 2022 und dem 4. Januar 2023 aufgenommen.

In dieser Zeit wurden 13 betäubungslose Schlachtungen durchgeführt, was in Deutschland einzig und allein Hessen erlaubt ist – und das auch nur mit einer Sondergenehmigung. Kein Wunder, dass das Veterinärsamt in Hürth nach Sichtung der Fotos und Videos schnell handelte und den Schlachthof zu machte.

Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Hürther Schlachthof

Damit jedoch nicht genug, denn das Deutsche Tierschutzbüro hat am 12. Januar 2023 zusätzlich eine Strafanzeige bei der Staatsanwalt Köln gestellt. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt das Kriminalkommissariat 11 in Hürth mit der Auswertung des Materials beauftragt. Für Jan Peifer steht fest: „Wer Tiere so misshandelt und quält, muss hart bestraft werden.“ Was auf die Verantwortlichen des Schlachtbetriebes zukommt, liegt nun erst einmal in den Händen der Ermittlerinnen und Ermittlern.

Am Mittwoch (29. März 2023) wurde bekannt, dass das Deutsche Tierschutzbüro eine weitere Strafanzeige gegen den Betreiber des Schlachthofes gestellt hat. Nach weiterer Sichtung des Bildmaterials fiel nämlich auf, dass es zu Anlieferungen von Schafen und Rindern kam, die direkt geschlachtet worden sind, ohne dass die sogenannte Lebendbeschau stattgefunden hat.

Dabei sieht der Gesetzgeber aber eigentlich vor, dass jedes Tier vor der Schlachtung von einer Veterinärin oder einem Veterinär sowie einer Tierärztin oder einem Tierarzt durchgecheckt werden muss, um die Schlachtfähigkeit zu attestieren. Dies geschah in einigen Fällen offenbar nicht.

„Auf dem Videomaterial sind mehrere Anlieferungen von Tieren zu sehen, die ohne Begutachtung geschlachtet worden sind. In einigen Fällen ist dabei auch der Betreiber des Schlachthofes zu sehen“, so Peifer. Das Veterinäramt in Bergheim wurde in Kenntnis gesetzt und teilt laut Aussagen der Tierrechtsorganisation die Einschätzung der Schwarzschlachtung in dem Betrieb.

Die Staatsanwaltschaft hat nun auch dazu die Ermittlungen aufgenommen. „Wir hoffen, dass der Betreiber bestraft wird“, sagt Jan Peifer abschließend.