Sohn vor 15 Jahren auch Opfer Wut über Totraser-Urteil - was Alt-OB Schramma dazu sagt

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Fritz Schramma steht am 16.4.2002 im Verhandlungssaal des Kölner Amtsgerichts neben seiner Frau Ulla.

Köln – Eine junge Frau ist tot. Totgerast von Erkan F. (23), der in seinem BMW mit 98 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer und Stoßstange an Stoßstange mit dem Mercedes-Cabrio von Firat M. (22) über den Auenweg raste, die Kontrolle verlor und auf dem Fahrradweg gegen die 19-jährige Studentin schleuderte.

Beide Raser kamen mit Bewährungsstrafen davon. Ein Urteil, das viele Menschen empört – und bei Alt-Oberbürgermeister Fritz Schramma (67, CDU) schlimme Erinnerungen wachruft.

„Mein Sohn Stephan wurde am 31. März 2001 am Rudolfplatz als unbeteiligter Fußgänger tödlich verletzt, er wurde Opfer von Rasern“, sagt Schramma dem EXPRESS.

Die Maßnahmen gegen illegale Rennen und Raserei seien immer noch nicht ausreichend. „Diese Art zu fahren, ist kein Kinderspiel, sondern kriminell“, sagt der Alt-OB.

„Zu den Bewährungsstrafen sind – im Gegensatz zu damals – Sozialstunden hinzugekommen. Ich hoffe, dass sie etwas tun müssen, was mit der Sache zu tun hat – an die typischen Strecken zu gehen und Rasern zu sagen: "Leute, wir haben die Erfahrung gemacht, das ist unheimlich gefährlich, lasst das sein." Aber das bringt uns Stephan auch nicht zurück.“

Kontrollen und lebenslanger Führerscheinentzug

Schramma fordert verschärfte Tempo-Kontrollen auf den neuralgischen Strecken, im Wiederholungsfall Führerscheinentzug auf Lebenszeit und könnte sich eine PS-Bremse für Fahranfänger und junge Autofahrer vorstellen, wie sie auch der Kölner Verkehrsexperte und Landtagsabgeordnete Arndt Klocke (Grüne) oder Susana dos Santos, verkehrspolitische Sprecherin der Kölner SPD-Ratsfraktion, ins Spiel gebracht haben.

Digitalisierung für mehr Sicherheit nutzen

Schramma sieht auch TV-Serien wie „Cobra 11“ kritisch: „Das wird ja immer völlig übertrieben dargestellt: Da gibt es wilde Raserei und Verfolgungsjagden – aber nie passiert einem Menschen was.“

Der Alt-OB regt an, die Digitalisierung der Autos zu nutzen. „Verkehrszeichenerkennung gibt es ja. Die müsste nur mit dem Tempomat vernetzt werden – und schon könnte ein Fahrer in einer Tempo-50-Zone nicht mehr schneller fahren.“

Reue der Täter würde helfen

Für Schramma und seine Familie aber nimmt das alles den Schmerz und die Trauer über den Verlust ihres Sohnes nicht weg. „Am schlimmsten für uns ist, dass es von den Tätern damals keine Entschuldigung, kein Zeichen der Reue gab. In dem aktuellen Fall hat sich offenbar wenigstens einer der Täter entschuldigt und gezeigt, wie leid ihm der Tod der jungen Frau tut. Die Reue der Täter hilft den Angehörigen. Wir werden seit damals von den Rasern allein gelassen, übrigens auch von deren Eltern.“

Viel Unverständnis über Auenweg-Urteil

Ob er die Strafe für Erkan F. (23) und Firat M. (22) im aktuellen Fall für gerecht hält, will Schramma nicht sagen. Klaus Voussem (45), Verkehrsexperte der NRW-CDU schon: „Testosteron-gesteuerte PS-Protze nehmen immer wieder bei illegalen Rennen den Tod von Unbeteiligten in Kauf. Es ist schwer zu ertragen, dass die Täter nahezu ungeschoren davonkommen sollen. Ich hätte mir ein abschreckendes Urteil gewünscht.“

Und Gregor Golland (41), Innenexperte der CDU-Landtagsfraktion, sagt: „Unfassbar. Das Urteil ist ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen. Die jungen Männer haben ihr Auto als Waffe eingesetzt – und dafür darf es keine Bewährungsstrafen geben!“

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