Skandal-Trend wird ignoriert Weltfrauentag: Kölner Firma wird zum Vorbild

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Die beiden Kölnerinnen Dilek Özkaya (im Vordergrund) und Sigrid Ketzer bei der Arbeit. 

Köln – Frauen werden immer noch viel zu oft schlechter bezahlt als Männer. Das ist eines von vielen Problemen, an die am Weltfrauentag (8. März) erinnert werden soll. Vielen ist dabei nicht klar, dass es diese Probleme auch bei körperlich beeinträchtigen Frauen im Job gibt. Zwei Kölnerinnen mit Behinderung erklären gegenüber EXPRESS, was sich jetzt dringend ändern muss.

  • Weltfrauentag am 8. März
  • Studie zu Gehaltunterschieden zwischen Frauen und Männern
  • Kölnerinnen mit Behinderung sprechen über Benachteiligung

Kölner Firma beschäftigt Frauen mit Behinderung

Der Kölner Hans Jürgen Mosbach beschäftigt in seinem inhabergeführten Logistik- und Lieferunternehmen „Quick Line Transport“ rund 30 Mitarbeiter, sechs von ihnen haben eine Behinderung.

Für den Chef stehen die Fähigkeiten seiner Beschäftigten im Vordergrund, nicht deren Einschränkungen. Vorhandene Barrieren gleicht er mit individuellen Lösungen aus.

Zwei seiner Mitarbeiterinnen mit Behinderung erklären, warum ihr Chef damit immer noch nicht die Mehrheit der Arbeitgeber abbildet.

Kölnerin: „Frau mit Behinderung und alleinerziehend, mehr muss man nicht sagen“

Die Kölnerin Dilek Özkaya (43) hat seit ihrer Geburt mit einer Behinderung zu kämpfen. Sie wurde an den Beinen aus dem Geburtskanal herausgezogen, seither sind ihre Hüftgelenke ausgehakt. Die 43-Jährige wurde nie operiert und hat infolge dessen Schwierigkeiten beim Gehen und Stehen. Sie ist in der Kölner Firma für die Abrechnung und Buchhaltung zuständig.

Doch bis sie diese Chance bekommen hat, mussten erst sieben Jahre vergehen. „Ich bin eine Frau mit Behinderung, alleinerziehend und Ausländerin. Mehr muss man glaube ich nicht dazu sagen“, sagt Dilek Özkaya gegenüber EXPRESS.

Auch 2021 hätten immer noch zu viele Firmen generell Vorbehalte, Mitarbeiterinnen mit Behinderungen einzustellen und würden stattdessen lieber Strafen zahlen, so Özkaya weiter. „Das muss sich ändern“, sagt die 43-Jährige.

Außerdem habe sie selbst bereits bei früheren Arbeitgebern erfahren, wie es ist, wenn der Mann mehr verdient als man selbst. Auch ihr früherer Ehepartner habe mit einer Behinderung gearbeitet und im gleichen Job mehr verdient als sie, erklärt sie verständnislos.

„Frauen verdienen weniger als Männer, auch mit Behinderung ist das oft so“, stellt Özkaya klar.

Drastische Ergebnisse: Studie bestätigt Erfahrung von Kölnerin

Tatsächlich bestätigt eine aktuelle Studie der Aktion Mensch die persönliche Erfahrung der Kölnerin. Die drastischen Ergebnisse zeigen: Frauen mit Behinderung verdienen den niedrigsten Lohn. Ein Drittel von ihnen bekommt sogar weniger als 1000 Euro netto pro Monat.

Durchschnittlich verdienen Frauen mit Behinderung 667 Euro weniger als Männer mit Behinderung. Und: Gerade einmal jede zehnte Frau mit Behinderung arbeitet in einer leitenden Position. Der niedrigste Wert im Gruppenvergleich. Etwa die Hälfte von ihnen hat außerdem Erfahrungen mit Diskriminierung im Arbeitsleben gemacht.

Weltfrauentag: Kölnerin bleibt trotz schwerer Erkrankung positiv

„Ich glaube, dass es diese ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen in verschieden Bereichen immer noch gibt. Doch ich bin froh darüber, dass zumindest ich persönlich diese Erfahrung bisher noch nicht wissentlich gemacht habe“, sagt Özkayas Kollegin Sigrid Ketzer (55).

Auch sie arbeitet mit einer Schwerbehinderung in der Kölner Logistik-Firma. Bei einem Reitunfall vor sieben Jahren hat sich die Kölnerin einen Wirbelsäulen-Schaden zugezogen. Sie arbeitet nun hauptsächlich am Stehtisch. Hinzu kam 2017 bei Sigrid Ketzer die Diagnose chronische lymphatische Leukämie.

Weltfrauentag: Kölnerinnen mit humorvollem Vorschlag 

„Ich muss die Behandlung in der Kölner Uniklinik loben, ich kann mit der Krankheit leben“, sagt Ketzer, trotz allem mit einem Lächeln auf den Lippen.

Dann pflichtet sie ihrer Kollegin Dilek Özkaya bei und beide präsentieren eine Idee, wie sich Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen in Luft auflösen könnten.

„Alle Frauen sollten am Weltfrauentag nicht zur Arbeit gehen und einfach mal frei machen! Spätestens dann würden die Männer sehen, wie viel unsere Arbeit wert ist“, lacht Ketzer.

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