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Unter der Erde Lost Places: Im Nazi-Bunker vom Reichenspergerplatz

Mittendrin und doch gut versteckt: Robert Schwienbacher in der Einstiegsluke zum Röhrenbunker am Reichenspergerplatz.

Mittendrin und doch gut versteckt: Robert Schwienbacher in der Einstiegsluke zum Röhrenbunker am Reichenspergerplatz.

Köln  – Knapp zwanzig Treppenstufen geht es unter die Erde. Gänsehaut überkommt den Körper beim Betreten der Anlage. Kommt das vom Gedanken an die Szenen, die sich hier im Krieg abgespielt haben mögen, oder liegt es doch nur an den Temperaturen um zehn Grad, die herrschen? Hier, im Röhrenbunker unter dem Reichenspergerplatz.

Es geht durch eine Luftschutztür, die aus dem Jahre 1940 stammt, in einen verwinkelten Raum.

„Das ist eine Gasschleuse. Man nahm damals an, dass sich die Druckwelle durch den verwinkelten Bau verringert“, erklärt Robert Schwienbacher (49), Forscher für Festungsarchitektur.

Weiter geht es rechts in den langen Gang, der wie eine Röhre wirkt. „Angstbunker“ nannte man diese Luftschutzräume damals. Nur 30 Zentimeter Betonstärke hätten einem direkten Bombeneinschlag nicht standgehalten.

„Technisch gesehen ist es ein Deckungsgraben“, sagt Schwienbacher. Gebaut wurde dieser Bunker circa 1942, Platz für 180 Menschen gab es hier offiziell, doch es waren weitaus mehr, die bei Bombenangriffen Schutz suchten.

Auf der Wiese vor dem Oberlandesgericht sind nur die Gitter der Einstiegsluken zu sehen. Ahnungslose gehen davon aus, dass es sich bloß um Lüftungsschächte der U-Bahn handelt.

Kaum vorstellbar, was sich hier in den Stunden der Bombenangriffe abgespielt haben muss. Im Inneren des Bunkers ist der Straßenverkehr zu vernehmen. „Die Flieger, die Explosionen, das alles war hier drinnen deutlich hörbar“, meint der Forscher.

Reste von Bänken sind anhand von Holzresten an den Wänden erkennbar. „Die wurden wahrscheinlich aufgrund von Brennholzmangel rausgerissen“, meint Schwienbacher.

Zwei Heizkörper und zwei Luftschutzraumbelüfter mit Handbetrieb stehen hier noch, eine original Glühbirne rettete der Verein nach der Entdeckung des Bunkers vor sieben Jahren. „Aufgrund des recht öffentlichen Platzes hat sich hier wohl kaum jemand runtergetraut“, freut er sich.

Dass man sich auch bei Stromausfall hier orientieren konnte, davon zeugen die vergilbten Farbflecken an den Wänden, die sich bei Dunkelheit in Pfeile verwandeln. Es ist radioaktive phosphoreszierende Leuchtfarbe, die mittlerweile verboten ist: „Solange man nicht dran leckt, passiert aber nichts.“

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Die Kriegsrelikte um die Ecke

Sie haben sich schon mal gefragt, was es mit den weißen Punkten oder Pfeilen auf Mauern ihrer Nachbarschaft auf sich hat? Glauben Sie, dass Gitterroste im Boden einfach nur Lüftungsschlitze sind?

„Das sind Relikte des Zweiten Weltkriegs“, erklärt Robert Schwienbacher. In seinem Buch „LSR-Luftschutz-Relikte des 2. Weltkrieges im Kölner Stadtgebiet“ hat der Kölner 330 Objekte dieser Art gesammelt und dokumentiert.

„Die Markierungen sind meist in weißer Farbe gehalten, und es gibt sie in verschiedenen Formen. Ein »S« deutet zum Beispiel auf einen Schutzraum hin“, so der Experte.

Auch Vermauerungen an Kellerwänden seien ein Indiz. „Es gibt viele Varianten, wie gemauerte Splitterschutzvorbauten und zugemauerte Kellerfenster, mit lediglich einem Ziegel Luft, die jetzt noch von außen sichtbar sind“, meint Schwienbacher.

Dazu gehören auch Notausstiegsluken, die heute als Luftgitter gesehen werden. Auf Kellerhöhe sind eiserne Türen zu entdecken. „Viele der eisernen Läden sind heute mit Lüftungslöchern und Ausschnitten versehen, damit die Keller wieder Luft bekommen“, weiß Schwienbacher.

Doch die Relikte drohen durch neue Anstriche und Wärmedämmungen, wegsaniert zu werden: „Unwissenheit scheint hier ebenso oft eine Rolle zu spielen, wie auch das Abschließen mit der Vergangenheit“.

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