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Turkish DiningKölner Kult-Lokal kommt ins „Haus der Geschichte“

An fast jedem Haus in einer Straße hängt ein Dönerladen-Schild.

In der Weidengasse war das Restaurant „Bosporus“ über 30 Jahre lang eine gastronomische Institution.

Lecker Türkisch essen gehen in gehobenem Ambiente und das mitten am Eigelstein: Das Restaurant „Bosporus“ gehört zur Kölner Geschichte. Und hat jetzt einen Adelsschlag erfahren.

Jeder kannte die Leuchtreklame: blaue Schrift auf weißem Grund, mit Buchstaben, die das Wellenspiel des Meers stilisieren – Bosporus! Das Restaurant, über 30 Jahre lang Inbegriff gehobener türkischer Gastronomie in Köln, ist fortan Bestandteil der neuen Dauerausstellung im Bonner „Haus der Geschichte“. Die trägt den Titel  „Du bist Teil der Geschichte. Deutschland seit 1945“. Du – das sind wir alle und in diesem Fall Ali und Yasemin Balaban, die das Lokal betrieben und zur Blüte geführt hatten und von der Würdigung zu Tränen gerührt sind.

Die Nachricht habe sie einfach beglückt, sagt Yasemin Balaban – wie schon damals, als die Vorgeschichte spielt. Sie erinnert sich genau, wie Mario Kramp, zu der Zeit Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, an sie und ihren Mann Ali Balaban herangetreten war, weil sie beschlossen hatten, ihr Restaurant „Bosporus“, seit 1980 ein Kölner Hotspot exquisiter türkischer Küche und besonderer Ort westöstlicher Begegnung, zu schließen: „Sie sind ein Teil dieser Stadt. Sie können nicht einfach so gehen.“, hatte Kramp gesagt.

Kölner Restaurant: viele Promis im Gästebuch

Und so kam es   – zwar gab  das Ehepaar nach über drei energiegeladenen, aber auch kräftezehrenden Jahrzehnten das Lokal in der Weidengasse im Jahr 2013 auf, aber niemals ging das „Bosporus“ so ganz. 2016 übergaben Ali und Yasemin Balaban im Beisein ihrer beiden Söhne Teile der Einrichtung und das Gästebuch mit zahlreichen prominenten Namen an das Museum.

Im Jahr darauf zeigte eine Ausstellung 40 Gegenstände, die zur Innen- und Außeneinrichtung des Restaurants gehörten, darunter die aus goldfarbenen Buchstaben bestehende größere Leuchtreklame und die Sammlung von Mokkatassen – bis 1989 hatten Gäste Ali Balaban jedes Jahr ein neues Service geschenkt, danach kaufte er alle zwölf Monate selbst eines.

So ließ sich die Historie des Bosporus auch anhand der Tässchen nachvollziehen. Seit März 2024 sind Accessoires des Lokals auch Teil der neuen Präsentation des Stadtmuseums im Interim in der Minoritenstraße.

Ausstellungsstücke im Museum

Leuchtende Reklame: Das ehemalige Kölner Restaurant „Bosporus“ ist jetzt Bestandteil der Dauerausstellung im „Haus der Geschichte“.

Stefan Lewejohann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadtmuseums, sagte zum EXPRESS: „Wir haben das ältere Schild des Restaurants an das Museum entliehen, es ist dort im Bereich 1970er/1980er Jahre zu sehen. Die Leuchtreklame passt so gut, weil sie für die Konsum- wie auch die Migrationsgesellschaft steht. Mit der Präsentation im Haus der Geschichte ist das Bosporus Teil der bundesdeutschen Geschichte.“

Personen stehen an einer Museumsvitrine.

Familie Balaban bei der Eröffnung der „Bosporus“-Ausstellung 2017 im Stadtmuseum

In einer Nachricht an das Ehepaar Balaban schrieb Lewejohann: „Ich freue mich, dass unsere damalige Übernahme solche Sichtbarkeit erfährt und die Geschichte Ihrer leidenschaftlichen Arbeit eine solche Anerkennung erfährt.“

Aus Istanbul, der Weltmetropole am Bosporus, war Ali Balaban 1976 nach Deutschland emigriert, um eigentlich Architektur zu studieren. Seine spätere Ehefrau Yasemin war bereits im Alter von vier Jahren hierher gekommen. Das Ehepaar Balaban, das auch in der IG Eigelstein/Weidengasse aktiv war, verstand das Lokal nicht nur als gastronomischen Betrieb, sondern auch als Plattform für soziale Zwecke, als einen Raum, „wo man Menschen wunderbar zusammenbringen und etwas für das Gemeinwohl erreichen kann.“ Ali und Yasemin Balaban waren Brückenbauer: „Es war nicht immer alles toll am Eigelstein. Aber wir denken, alle unsere Bemühungen, unser interkultureller Dialog, das wurde gewertschätzt und es hat sich gelohnt.“

Schilder und Baken stehen während einer Sperrung an einer Autobahn-Anschlussstelle.

Nach Unfall

A559 im Autobahnkreuz Köln-Gremberg weiter gesperrt