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Zum 30. Todestag Sie hatte auch dunkle Seiten: Das bewegte Leben einer Kölner Ikone

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Trude Herr, ein kölsches Original, auf der Severinsstraße in Köln. Dort betrieb sie ihr eigenes Theater.

Köln – Als der Herrgott Trude zu sich geholt hatte, am Dienstag (16. März) vor auf den Tag genau 30 Jahren, ging ein Schmerz durch Köln. Ohne sie war die Stadt ärmer. Aber mit dem Tod von Trude Herr ist seitdem auch ein Trost verbunden, er steckt in den Zeilen ihres unsterblichen Hits: „Niemals geht man so ganz – irgendwas von dir bleibt hier”. Was blieb von Trude Herr?

  • 30. Todestag von Trude Herr
  • Sie hatte eine Karriere, die Ihresgleichen sucht
  • Ihre Schattenseiten kamen erst später ans Licht

Die Erinnerung an eine geniale und kreative, aber auch sehr eigenwillige und anstrengende Schauspielerin, Sängerin, Produzentin – Mensch, Trude! Diese Frau war einfach unerhört!

30. Todestag von Trude Herr – ein kölsches Original

„Selbst der alte Willy Millowitsch hat am Telefon geweint, als ich ihm gesagt habe: Trude ist tot”, erinnert sich Regisseur Jürgen Flimm (79) in der Biographie „Trude Herr – ein Leben”.

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Trude Herr hatte eine bewegte Biografie. Sie wollte „sehr gerne“ Kinder haben, aber sie habe „Pech gehabt“, sagte sie im Tischgespräch mit Gerd Courts. Ihre Beziehungen wie die Ehe mit dem Tunesier Ahmed M’Barek endeten unglückllich.

Das vor 25 Jahren veröffentlichte Buch, in dem sich Weggefährten, Freunde und Kritiker an die Volksschauspielerin erinnern, wurde gerade vom Emons-Verlag neu aufgelegt.

Im Millowitsch-Theater, erzählt Willy im Buch, sei Trude schon 1947 aufgetaucht. Zurechtgemacht als junge Dame sei sie ins Büro gekommen: „Tag, meine Herren, ich bin die 'Komische Alte'. Ein junges Mädchen mit irgendwelchen Fahnen und Pelzen an. Sie sah saukomisch aus.”

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Die Schlagzeile des Sonntag-EXPRESS vom 17. März 1991. Trude Herr war im Alter von 63 Jahren überraschend gestorben.

Ihre frühen Engagements bei ihm habe sie aber später leider geleugnet. Fest steht: Trude Herr spielte ab 1970 in umjubelten Vorstellungen wie „Die Perle Anna” oder „Die Familie Pütz”.

Trude Herr führte ihr eigenes Theater im Vringsveedel

Aber so, wie sie dem wegen seiner Funktionäre „humorlosen” Karneval, wie sie meinte, naserümpfend den Rücken gekehrt hatte (nach sensationell guten Nummern in der Bütt in den 50er/60er Jahren) brach sie auch mit dem in ihren Augen zu bürgerlichen Volkstheater á la Millowitsch. 1977 machte sie ihr eigenes Bühnenprojekt wahr, das „Theater im Vringsveedel” – ein Wahnsinns-Projekt!

Fast alle Freunde und Bekannten rieten ab – zu groß das finanzielle Risiko, zu strapaziös die künstlerische Belastung. Denn Trude schrieb die Komödien selbst, spielte die Hauptrollen und führte zum Teil auch Regie. Aber sie war unbeirrt und warf ihr ganzes Kapital hinein.

Biographie zeigt: Trude Herr hatte nicht nur gute Seiten

Kritische Töne, zum Beispiel darüber, wie Trude Herr mit Kollegen umsprang, drangen zu ihren Lebzeiten selten nach außen. Aber die wieder aufgelegte Biographie dokumentiert auch Trude Herrs dunkle Seiten.

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Als Hauptdarstellerin und Regisseurin ihres eigenen Theaters hat Trude Herr nicht immer nur gute Seiten von sich gezeigt.

Zum Beispiel ihren Umgang mit Nichte Gigi, die unter Wally Bockmayer später zur festen Bühnengröße wurde. Bei den Proben zu „Der große Hit” im Theater im Vringsveedel kam es zum großen Krach. Während Trude über ihre Nichte anfangs noch sagte: „Das Kind ist göttlich und hochbegabt”, meinte sie bald, sie sei „eine unbegabte Kuh” und erteilte Gigi Herr Hausverbot.

Daraufhin trat das Ensemble in Streik. Trude gab nach. Heute ist Gigi Herr darüber hinweg, wie sie EXPRESS erzählte. Sie sagt aber auch: „Wir haben danach nie mehr zusammen auf der Bühne gestanden.”

Trude Herr hasste einen ihrer größten Hits

Ihr eigenes Theater sollte das Schlusskapitel des prallen Künstlerlebens der Trude Herr werden. Schon in den 1950er Jahren hatte sie als Schlagersängerin Erfolg (aber ihren Mega-Hit „Ich will keine Schokolade” hasste sie inbrünstig), sie war Dauergast in den angesagtesten TV-Shows von Peter Frankenfeld, Vico Torriani und Lou van Burg.

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Die junge Trude Herr an der Seite von Komikerlegende Heinz Erhard.

Sie sang mit Bill Ramsey, spielte Sketche mit Heinz Erhard, der sie für ihr erstklassiges Timing bewunderte. Und sie stand in über 30 Filmen der Güteklasse „Maskenball bei Scotland Yard”, „Unsre tollen Tanten in der Südsee” oder „Drei Liebesbriefe aus Tirol” vor der Kamera. Eine Kölnerin, ein Knaller!

Trude war ein Kind aus ärmlichen Verhältnissen, aufgewachsen in Köln-Mülheim. Der Vater ein Kommunist, der im Zuchthaus und im KZ inhaftiert war. Der Kölner Historiker Thomas Deres erklärt: „Dies alles trübte ihre Kindheit. Aber ihre Eltern waren heitere Menschen – die ihr Schicksal nur mit Komik aushalten konnten. Meines Erachtens ging diese Heiterkeit und Komik auf Trude Herr über.”

Deres war mit dem Leben Trude Herrs befasst, als die „11. Gesamtschule” in ihrem Heimatviertel beantragte, sich nach der Schauspielerin benennen zu dürfen und die Stadt die obligatorische Überprüfung der namensgebenden Person anordnete. Der Name wurde 2020 genehmigt. Und: Gerade hat die „Trude-Herr-Gesamtschule” in einem bundesweiten Schreibwettbewerb einen ersten Preis geholt. Gewonnen hat die Theatergruppe der 8. Klasse – Trude Herr hätte das gefallen.

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