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„Leute sind weit weg von uns” Kölner Traktor-Demo: Teilnehmer mit deutlichen Worten

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Traktor-Demo am Kölner Dom.

Köln – Schon wieder große Trecker-Demo in Nordrhein-Westfalen: Am Montag demonstrierten hunderte Landwirte in verschiedenen Städten gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Auch in Köln waren viele davon unterwegs.

Traktor-Demo in Köln: Staus und Protestzüge am Montag

„Ohne Landwirtschaft wärst du hungrig, nackt und nüchtern”, stand in großen Buchstaben auf einem der Traktoren, die sich am Montagvormittag auf der Kölner Domplatte platziert hatten. Die Landwirte fordern mehr Mitsprache bei der Agrar- und Klimagesetzgebung des Bundes. „Wir werden zu wenig beteiligt. Ein Umsteuern geht nur zusammen mit den Verbrauchern“, sagte ein Sprecher.

Ab 7.30 Uhr war die Polizei in Köln im Einsatz, es kam zu Verzögerungen, Staus und Verspätungen sowohl auf den Straßen als auch bei den Bahnen der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB).

Köln: Traktor-Demo geht vom Dom aus in Richtung Düsseldorf

Für Köln wurden zwei Demonstrations-Züge zusammengeführt – einer aus Norden, einer aus Süden. Aus Leverkusen-Opladen über Mülheim und die Severinsbrücke fuhr der nördliche Zug.

Die zweite Gruppe aus Landwirten mit Traktoren kam aus Bonn. Die Fahrt ging dann über Wesseling, Godorf, Sürth und Rodenkirchen bis zum Kölner Hauptbahnhof.

Traktor-Demo: Köln und Düsseldorf in Sachen Verkehr betroffen

Von dort aus ging es dann gemeinsam nach Düsseldorf, dort kamen die Teilnehmer zu einer Großkundgebung zusammen. Schon am Morgen kam es in Köln und Düsseldorf zu erheblichen Beeinträchtigungen des Verkehrs. 

Auf der Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf staute sich der Verkehr am Morgen wegen mehrerer hundert Traktoren bis auf die Autobahn A 52. In Köln war die Rheinuferstraße überfüllt, da demonstrierende Traktorfahrer zeitweise dafür sorgten, dass nur eine Spur für den „normalen” Verkehr frei blieb.

EXPRESS sprach mit Teilnehmern der Demo, die ihrem Unmut über die aktuelle Politik nachhaltig Ausdruck verleihen wollen.

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Henning Dahlhaus

Henning Dahlhaus, 24, Hilgen (Burscheid) arbeitet im Familien-Milchviehbetrieb:
„Wir wollen ein Zeichen gegen die aktuelle Politik und die Auflagen, die uns aktuell auferlegt werden, setzen.
Die Leute in der Gesellschaft und am Straßenrand geben uns schon Zuspruch, das finden wir toll und richtig. Jetzt müssen wir nur noch den Zuspruch aus der Politik erhalten. Unsere Botschaft ist nicht, dass wir gegen das Kima oder das Tierwohl sind. Wir sind dafür aber müssen auch die finanziellen Mittel haben, um das umzusetzen und die sind momentan einfach nicht gegeben.“

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Robin Urbahn

Robin Urbahn, 24, hat einen Milchviehbetrieb in Leverkusen mit eigenem Hofladen:
„Wir wollen versuchen, dass man mit uns spricht und nicht einfach über unsere Köpfe hinweg. Wir sind diejenigen, die mit den Auflagen arbeiten und leben müssen. So wie der Plan mit dem Agrarpaket aussieht, ist das schon existenzbedrohend. Wir haben alle genug zu tun auf unseren Höfen, aber das ist die einzige Möglichkeit, um auf uns aufmerksam zu machen.“

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Torsten Mühlinghausen

Torsten Mühlinghausen, 52, hat einen Milchviehbetrieb in Wermelskirchen:
„Wir bitten die Politik zu Tisch, die ihr Agrarpaket abschließen will, ohne mit uns Praktikern da mal drüber gesprochen zu haben. Wenn wir das umsetzen, können wir das nicht mehr zu den gleichen Kosten machen, das bedeutet: Unsere Nahrungsmittel müssen dann auch teurer werden und können nicht mehr zu Weltmarktpreisen produziert werden.“

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Henk Blok

Henk Blok, 48, hat einen Milchviehbetrieb in Meinerzhagen:
„Durch die ganzen Auflagen, wie Düngeverordnung und Spritzmittel immer schwieriger werden, sinkt unser Ertrag und es ist schwierig, diese Standards einzuhalten für weniger Geld. Man merkt, dass die Leute ganz weit weg von der Landwirtschaft sind. Einfach, weil es in deren Leben kein Thema ist. Wir müssen den Draht zur Bevölkerung wiederfinden und die Bevölkerung zu uns. Dadurch könnte man wieder zusammenarbeiten und gemeinsame Ziele erreichen.“

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Jochen Reinartz

Jochen Reinartz, 55, hatte mal eine Schweinezucht und stellt jetzt Biogas in Düren her:
„Die Schweinehaltung haben wir dieses Jahr aufgegeben, schlechte Preise und immer mehr Auflagen haben dafür gesorgt. Wir haben festgestellt, die Fleischproduktion ist für den Landwirt immer schwieriger, das Fleisch wird einfach zu billig verkauft. Wir bekommen jetzt Gülle von Milchviehbetrieben und verarbeiten die in unserer Biogas-Anlage jetzt zu Strom. Mit Scheiße ist in Deutschland anscheinend mehr Geld zu verdienen als mit Tierhaltung.“

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