Prozess in Köln Angeklagte gab ihrem Baby Kuss auf die Stirn – als es schrie, schlug sie zu

Eine 22-Jährige sitzt auf der Anklagebank im Kölner Landgericht.

Am Dienstag (12. Oktober 2021) begann in Köln der Prozess gegen eine 22-Jährige aus Kerpen. 

Nach dem gewaltsamen Tod eines Säuglings muss sich eine 22-Jährige seit Dienstag (12. Oktober) vor dem Kölner Landgericht verantworten. Über ihre Verteidiger hat sie sich zu den schweren Vorwürfen geäußert.

Köln/Kerpen. Es sind schreckliche Anschuldigungen, die einem die Tränen in die Augen treiben ... Die Kölner Staatsanwaltschaft hat eine 22-Jährige aus Kerpen wegen Totschlags angeklagt. Sie soll ihre neugeborene Tochter getötet haben.

Beim Prozessauftakt am Dienstag (12. Oktober 2021) weint die junge Frau bereits, als sie von Wachtmeistern in den Gerichtssaal geführt wurde. Das Medieninteresse ist groß. Zahlreiche Foto- und Filmkameras sind auf sie gerichtet. Die kleine, zierliche Frau scheint in ihrem großen Kapuzenpulli zu verschwinden. Zwei Verteidiger sitzen an ihrer Seite. 

Köln: Angeklagte hatte angeblich Angst vor Reaktion ihres Vaters

Die 22-Jährige hatte die Schwangerschaft erfolgreich verheimlicht. Aus Angst vor der Reaktion ihres Vaters, wie sie im Prozess dann erklärt. Den beschreibt sie als äußerst dominant, sie behauptet, er sei jemand, der andere Meinungen nicht zulässt. 

Die Angeklagte, die ein Einzelkind ist, war mit 18 das erste Mal von ihrem damaligen türkischen Freund ungewollt schwanger. Nach einem Gespräch mit ihren Eltern trieb sie ab. Darüber kam sie nur schwer hinweg, berichtet sie. Sie habe daher den festen Entschluss gefasst, nicht noch mal abzutreiben.

Ihr Vater soll dann gesagt haben, dass sie nie wieder so einen Türken mit nach Hause bringen soll. Womöglich auch, weil dieser gegenüber seiner Tochter gewalttätig geworden sein soll. Dann wurde die Angeklagte im Sommer 2020 erneut ungewollt schwanger – und wieder war der Vater des Kindes türkischstämmig. 

Köln: 22-Jährige wollte Kind anonym im Krankenhaus zur Welt bringen

„Die Schwangerschaft wurde von ihr von Anfang an als Krise betrachtet“, erklärt ihr Anwalt in ihrem Namen beim Prozessauftakt. „Sie empfand es als Schatten auf ihrer Seele und beschloss, es erstmal geheim zu halten.“ Die Angeklagte habe versucht, den Eindruck der Normalität zu wahren und weiter eine perfekte Tochter zu sein. Nur nachts, wenn sie allein war, habe sie geweint. 

Im Januar 2021 informierte sich die Angeklagte über die Möglichkeit einer von ihr favorisierten anonymen Geburt im Krankenhaus beziehungsweise über Babyklappen. Weil sie noch immer fast keinen Babybauch hatte, habe sie aber den Fortschritt ihrer Schwangerschaft von Anfang an falsch eingeschätzt, erklärt sie. Sie sei nicht wirklich vorbereitet gewesen und habe gedacht, sie hätte noch Zeit. 

Angeklagte bracht ihr Kind bei Eltern in Kerpen heimlich zur Welt

Am 18. April bekam sie Bauchschmerzen, in der Nacht erneut. Diesmal viel stärker. „Sie hatte Schmerzen, wie sie sie noch gefühlt hat“, so der Anwalt. Dennoch habe seine Mandantin sich nicht getraut, auch nur einen Laut von sich zu geben. Denn die Eltern haben ihr Schlafzimmer auf derselben Etage. Und die Wände sind dünn. Seine Mandantin habe blanke Verzweiflung gespürt, auch als ihr klar wurde, dass sie es nicht mehr bis ins Krankenhaus schafft. 

Die 22-Jährige brachte in ihrem Kinderzimmer ihr Kind zur Welt, durchtrennte die Nabelschnur mit einem Cuttermesser. Sie habe ihre Tochter dann auf den Arm genommen, gesehen, dass die Form ihrer Nase der ihren gleicht. Und habe ihr einen Kuss die Stirn gegeben. 

Schockvorwurf: Als Baby schrie, schlug sie mit der Faust zu

Als das Neugeborene an zu Schreien fing und sich nicht beruhigen ließ, schlug sie der Kleinen mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Es sei wie in einem Film gewesen, lässt die 22-Jährige über ihren Verteidiger erklären. „Ich sah eine Person, die aussah wie ich, die ich aber nicht stoppen konnte.“ Als das Baby lauter schrie, stülpte sie ihm eine Mülltüte über den Kopf, wickelte ein Ladekabel um seinen Hals und erdrosselte es. 

Dass sie das Ladekabel zugezogen habe, daran könne sie sich aber nicht erinnern, sagt sie. Sie sei neben dem Leichnam eingeschlafen. Am nächsten Morgen habe sie das Gefühl gehabt, alles sei nur ein Traum gewesen. Dann habe sie das tote Kind gesehen. Sie wickelte es in einen Pullover und versteckte es unter ihrem Bett. Dann habe sie es noch bis ins Bad geschafft und sei dort umgekippt. 

Die 22-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht, wo sie gegenüber den Ärzten die Tat gestand. Ihr Anwalt: „Sie bereut das Vorgefallene zutiefst, empfindet tiefe Scham und Reue.“ 

Prozess in Köln: Angeklagte räumt Vorwürfe im Wesentlichen ein

Die junge Frau räumte die Vorwürfe im Wesentlichen ein. „Es ist ihr unbegreiflich, wie das passieren konnte“, so einer ihrer Verteidiger beim Prozessauftakt vor dem Gericht in Köln weiter. Seine Mandantin beschäftige sich täglich damit. Und auch nachts. Die 22-Jährige sitzt seit dem 20. April 2021 in U-Haft. Dort wurde sie zwei Monate lang streng überwacht, weil bei ihr Suizidgefahr bestand. 

Der beisitzende Richter hakt beim Prozessauftakt nach: „Mir erschließt sich noch nicht richtig, wo vor sie Angst hatten?“ Und warum sie sich denn nicht der Mutter offenbar hätte? Die Angeklagte erklärt daraufhin, dass sie Angst gehabt hätte, dass die zum Vater rennt und der sie aus dem Haus schmeißt. (iri)

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