Entsetzen beim Praktikum Astronautin prangert Zustände bei Kölner Feuerwehr an

KÖ Astronautin Nicola Baumann

Pilotin Nicola Baumann hat ein Praktikum bei der Kölner Feuerwehr absolviert. Was sie dort erlebte, veranlasste sie dazu, einen Brandbrief an die Stadt zu schreiben.

Köln – Es brennt bei der Feuerwehr. Luftwaffen-Major und Bomberpilotin Nicola Baumann hatte 2017 im Rahmen ihrer Ausbildung zur Astronautin ein vierwöchiges Rettungsdienst-Praktikum bei der Feuerwehr gemacht.

Sie war offenbar so traurig und verstört über das Erlebte, dass sie jetzt einen Brief an die Ratsmitglieder schrieb. Der könnte sich zum Flächenbrand entwickeln.

Es geht um Arbeitszeiten, die hohe Zahl an Rettungsdienst-Einsätzen, die Qualität der Ausbildung – und Demotivation bis hin zu Depressionen bei den Feuerwehrleuten. Der Brandschutzdezernent, Stadtdirektor Dr. Stephan Keller (46, CDU), ist alarmiert.

Baumann schreibt, die Feuerwehrleute brächten zum Teil „sehr hohe persönliche Opfer“, was „auf Dauer kontraproduktiv für Motivation und Einsatzbereitschaft“ sei und zu einer „prekären Lage für die Kölner Bürger führen“ könne.

„Brandschutz kommt zu kurz“

So seien die Feuerwehrleute sowohl im Brandschutz als auch im Rettungsdienst eingesetzt. Aber vor allem junge Kollegen würden bis zu 70 Prozent ihrer Arbeitszeit Rettungsdienst fahren, der Brandschutz komme zu kurz.

Die Folge, so Baumann, sei ein niedriger Erfahrungsstand im Brandschutz, der sich gefährlich auswirken könne. „Der Beinahe-Tod dreier Kölner Feuerwehrleute wird im Jahresbericht 2016 auf den niedrigen Ausbildungsstand und die Belastung im Regeldienst zurückgeführt“, schreibt die Soldatin.

Unzufriedenheit, Frustration, Ausfallerscheinungen

Aktuell rund 40 Feuerwehrleute berichten von Unzufriedenheit, Frustration sowie physischen und psychischen Ausfallerscheinungen.

„Was in dem Brief steht, zeigt, dass wir bestimmte Mitarbeiter kommunikativ nicht erreichen“, sagt Feuerwehrchef Johannes Feyrer auf Anfrage des EXPRESS. „Es gibt Mitarbeiter, die mit der  dynamischen Entwicklung der letzten Jahre überfordert sind. Die müssen wir mitnehmen.“

Das Problem sei die Konkurrenz zwischen Mitarbeitern, die auf Löschzügen eingesetzt sind und 24-Stunden-Dienste schieben dürften und denen, die im Rettungsdienst sind und nur 12-Stunden-Dienste machen dürften. Die einen müssen zweimal die Woche zum Dienst, die anderen vier Mal.

Stadtdirektor: „Ich nehme das sehr ernst“

Stadtdirektor Keller ist alarmiert. „Grundsätzlich kann man sagen, dass von derzeit 950 Stellen nur 75 nicht besetzt sind.  Feuerwehrleute sollen maximal 50 Prozent Rettungsdienst-Einsätze machen. 70 oder 80 Prozent sind zuviel. Ich nehme das, was da vorgebracht wird, sehr ernst. Ich will mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen.“

Den ursprünglichen Plan, diese Gespräche in der Feuerwehr-Zentrale in Weidenpesch unter Beteiligung von Feyrers Leuten zu führen, hat Keller über den Haufen geworfen. „Die Gespräche finden bei mir statt. Ich will, dass sich die Mitarbeiter frei äußern können.“

(exfo)

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