Protz-Leben der Leverkusener Großfamilie Warum schauten die Behörden jahrelang zu?

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Die Polizei beschlagnahmte unter anderem mehrere Luxus-Autos.

Leverkusen – Sie posieren in sozialen Netzwerken in Luxusautos von Rolls-Royce, Porsche und Mercedes, tragen Gucci-Kleidung und schwere Rolex-Uhren am Handgelenk.

Niemals machte der Leverkusener Clan einen Hehl aus seinem Reichtum. Doch warum haben die Behörden erst nach Jahrzehnten eingegriffen und die Razzia durchgeführt?

Es muss ein Schlag für die Opfer sein, die durch die Betrüger-Bande (47 Beschuldigte der Großfamilie) ihr Vermögen verloren haben. Hunderte Senioren, die ihr sauer Erspartes durch einen Trickbetrug an die fast ausschließlich als kriminell bekannte Bande, die ursprünglich aus Südosteuropa stammt, verloren haben.

Reue zeigt die Großfamilie keine Sekunde. Im Gegenteil. Sie verhöhnt die Opfer. Beispiel: Ein Tatverdächtiger hat ein Geldbündel in der Hand, drückt auf einem Foto einen Senior an sich und kommentiert: „Das Geld unser liebsten Kundschaft.“

Familie hat rund 600.000 Euro Sozialleistungen bezogen

Der Name der Familie, die europaweit aus über 1.000 Mitgliedern besteht, ist allen Behörden im Rheinland bekannt. Aber warum hat man die Gruppierung so lange Straftaten begehen lassen? Rund 600.000 Euro Sozialleistungen hat die Familie bezogen. EXPRESS fragte bei der Stadt Leverkusen nach.

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Die Polizei beschlagnahmte gleich mehrere Luxus-Karossen.

„Wir können uns derzeit nicht dazu äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt“, so Sprecherin Julia Trick. Zum Glück, sonst hätte man erklären müssen, warum Familienmitglieder Mietzahlungen erhielten – und in der eigenen Luxusvilla wohnten, die sie mit erbeutetem Geld aufwendig umbauten. Offensichtlich standen Bauaufsichtsamt und Sozialamt nicht in Kontakt, sonst hätte man gewusst, wem das jetzt gestürmte Luxusobjekt gehört.

Finanzamt will Steuerschulden mit Geld aus Straftaten eintreiben

Beim Jobcenter Leverkusen will man aus Datenschutzgründen nicht konkret antworten. Sprecher Andreas Backes: „Jeder Kunde wird nach einheitlichen Richtlinien behandelt und hat Anspruch, solange wir keine Zweifel an seinen Angaben haben.“

Razzia in Leverkusen: Hier lebte die Familie in Saus und Braus – und kassierte Hartz IV (hier mehr lesen)

Unfassbar: Die sichergestellten Luxusautos tragen bereits einen Kuckuck. Das Finanzamt will nun Steuerschulden bei dem Clan eintreiben für „Einkommen“, das aus Straftaten stammt.

Erst jetzt wurde gegen das gesamte Konstrukt ermittelt

Zwar ermittelten Staatsanwaltschaft und Polizei immer wieder gegen einzelne Clan-Mitglieder, die auch verurteilt wurden. Aber warum erst Mittwoch die Großrazzia? Staatsanwalt Dr. Rene Seppi erklärt: „Wir haben jetzt den Fokus auf das gesamte Konstrukt gelegt und über ein Jahr intensiv ermittelt, dabei Geldströme überwacht.“

Die Stadt Leverkusen feierte übrigens ihr „Projekt“ zur Integration der Familienmitglieder – sie zahlte Vermietern Geld, wenn sie Wohnraum für den Clan bereitstellten.

(exfo)

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