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Kaum jemand kennt ihnKölner erfand die Israel-Fahne mit dem Davidstern

Eine israelische Flagge hängt an der Fassade des Kölner Rathauses.

Eine israelische Flagge hängt am 10. Oktober 2023 an der Fassade des Kölner Rathauses.

Die Fahne Israels – was die wenigsten wissen, die Idee entstand in Köln. EXPRESS.de begab sich auf Spurensuche.

von Ayhan Demirci (ade)

Tote, Raketen, Explosionen – die Bilder aus Israel erschüttern derzeit die ganz Welt. Im Mittelpunkt die symbolträchtige Landesfahne mit dem Davidstern, die aktuell auch am Kölner Rathaus hängt.

Was viele, auch viele Juden und Jüdinnen, nicht wissen: Die Idee zur Fahne Israels entstand in Köln! EXPRESS.de begab sich auf Spurensuche.

Kölner Gedenktafel erinnert an David Wolffsohn

Auf dem jüdischen Friedhof in Köln-Deutz ist der Grabstein des Mannes zu entdecken, der als „Designer“ der Flagge in die Geschichte einging: der Kaufmann David Wolffsohn (1855 bis 1914).

Ebenso erinnert eine Gedenktafel im Bürgersteig in der Richmodstraße an die Jahre, als Köln neben Basel die Hauptstadt der Zionisten-Bewegung war.

Im Haus mit der Nummer sechs befand sich das Büro der Organisation, in der Wolffsohn neben dem jüdischen Rechtsanwalt Max Bodenheimer, der hier seine Kanzlei hatte und dem auch die Gedenkplatte namentlich gewidmet ist, agierte.

„Die Gedenkplatte sollte eigentlich am Haus angebracht werden, aber das wollte der Besitzer nicht“, erzählt Aaron Knappstein (52), Präsident der Karnevalsgesellschaft „Kölsche Kippa Köpp“ und nebenher als Stadtführer durch das jüdische Köln unterwegs.

Eine Gedenkplatte auf der Richmodstraße in Köln erinnert an den jüdischen Rechtsanwalt Max Bodenheimer.

Die Gedenkplatte auf der Richmodstraße in Köln erinnert an die Zionisten von Köln.

Er erzählt die Geschichte von Wolffsohn als die eines „Imis“, der aus Litauen stammte und über das damalige Ostpreußen und über Friesland 1888 nach Köln kam und sich als Holzhändler niederließ.

In Köln schloss sich der jüdische Kaufmann der zionistischen Bewegung an und gründete 1893 mit Bodenheimer den „Kölner Verein zur Förderung von Ackerbau und Handwerk in Palästina“. Drei Jahre später lernte er Theodor Herzl kennen, Urvater des Zionismus und erster Präsident des Jüdischen Weltkongresses – sie wurden Weggefährten.

Blau und weiß sind die Farben jüdischer Ritualkleidung

Wolffsohn begleitete Herzl als Berater auf dessen Verhandlungsreisen beispielsweise zum Sultan des Osmanischen Reiches, der damals über Palästina herrschte.

Die Flagge entwarf David Wolffsohn aus Anlass des zionistischen Weltkongresses 1897 – in Anlehnung an den jüdischen Gebetsschal, den Tallit. Blau und weiß sollte die Fahne sein, dies sind die Farben jüdischer Ritualkleidung.

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Wolffsohn erklärte damals, wie die Idee ihn durchfuhr; „Der Tallit, den wir um uns wickeln, wenn wir beten: Das ist unser Symbol. Lass uns diesen Tallit hervornehmen und vor den Augen Israels und aller Völker entrollen. Also bestellte ich eine blauweiße Flagge, auf die der Davidstern gezeichnet sein sollte. Und so entstand die Nationalflagge, die über der Kongresshalle wehte.“

Knapp 50 Jahre später, im Zuge der Staatsgründung Israels im Mai 1948, als weder Herzl noch Wolffsohn, der ihm als Präsident des Weltkongresses nachgefolgt war, noch lebten, wurde der Entwurf des Kölners zur Nationalflagge.

David Wolffsohn starb 1914 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Köln-Deutz neben seiner zwei Jahre zuvor verstorbenen Frau Fanny bestattet.

David Wolffsohn auf dem Jüdischen Friedhof in Köln-Deutz begraben

Vier Jahre nach der israelischen Staatsgründung wurden seine sterblichen Überreste und die seiner Frau nach Jerusalem überführt und neben denen Theodor Herzls, auf dem Herzlberg, beigesetzt – im Staat seiner Träume.

Der Leiter der Verwaltung der jüdischen Friedhöfe in Köln, Daniel Lemberg, hatte das Grab an dem ausgewählten Ort 2017 besucht – dem EXPRESS.de stellte er Fotos zur Verfügung. Die Lebensgeschichte des David Wolffsohn bewegt bis heute.