Wer rettet den Stadionschatz? Alte VfL-99-Tribüne rottet in Weidenpesch vor sich hin

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Tausende Besucher kamen zu den Spitzenspielen in Weidenpesch. Hier in den 50er Jahren VfL 99 Köln gegen Essen. 

Köln – Es ist ein trauriger Anblick: Die alte Fußballtribüne im Weidenpescher Park, gleich neben der Rennbahn.

Die kleinen Seitenfenster zerstört, die Sitzbänke kaputt und mit einer dicken Schicht Schmutz und Spinnweben überzogen. Aus dem Dach wächst Moos, darauf sogar schon Birken. Wer rettet Kölns Stadionschatz?

Bis zu 16.000 Menschen standen ums Spielfeld herum

Kaum zu glauben, dass hier einmal 1600 Zuschauer saßen und das Finale um die deutsche Fußball-Meisterschaft verfolgten. Insgesamt standen bis zu 16.000 Menschen um das Spielfeld herum. Dort wo jetzt ein Aschenplatz ist, war früher feinster englischer Rasen. „Diese Tribüne ist so geschichtsträchtig – sie muss erhalten bleiben“, sagt Bert Ewald-Roesrath (50). Er hat die Initiative „Altes Stadion“ ins Leben gerufen und will die Tribüne mit Hilfe von Sponsoren wieder aufbauen.

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Er möchte die Tribüne retten: Bert Ewald-Roesrath.

Erlaubnis von der Stadt muss her

„Ich hätte Leute, bei denen ich weiß, sie würden hier investieren“, sagt Ewald-Roesrath. Das Problem: Der erste Schritt – die Erlaubnis von der Stadt (als Eigentümer) und dem Rennbahn-Verein (als Pächter) loszulegen.

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Ein trauriger Anblick. Die älteste Tribüne Deutschlands verrottet...

Ewald-Roesrath: „Mit einem Architekten habe ich schon gesprochen. Als erstes müsste man das Dach erneuern und die Wände trocken legen. Dann wird der Verfall gestoppt und man könnte die Tribüne wieder richtig schön machen.“ Jetzt will er endlich alle Parteien an einen Tisch bringen.

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... so sind beispielsweise die Fenster alle zerstört, aus dem Dach wächst Moos.

Sein Plan: Erhalt durch Nutzung. „Wenn hier wieder eine Sportanlage steht, die regelmäßig genutzt wird, ist auch der Erhalt gesichert. Aber wer soll sich jetzt hier hinsetzen und ins Nichts gucken?“

Hier passierte schon einmal ein (Film-)Wunder

Regisseur Sönke Wortmann drehte 2002 in Weidenpesch Szenen seines Films „Das Wunder von Bern“ über den deutschen Sieg bei der Fussball-WM 1954.

Die Aufnahmen von der Kölner Tribüne zeigen zum Beispiel die Arbeit des Sportreporters Herbert Zimmermann während des Endspiels. Seit dem wurde die Tribüne nicht mehr genutzt. Die kleine Mauer, die Wortmann hochziehen ließ, zerfällt bereits.

Denn klar ist: Die Tribüne soll in Weidenpesch bleiben. Alle bisherigen Ideen, sie ins Freilichtmuseum Kommern oder nach Müngersdorf zu versetzen, wurden verworfen. Aber: „Wenn das Dach einmal durch ist, wird der Denkmalschutz wohl schnell aufgehoben und alles abgerissen“, befürchtet Ewald-Roesrath.

Kleine Trainingseinheiten mit Kindern hat er – mit Erlaubnis des Renn-Vereins – schon abgehalten. Nun hofft er auf eine möglichst baldige Lösung für den Stadionschatz.

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In den Katakomben steht noch der alte Vereinsname.

Älteste erhaltene Stadiontribüne Deutschlands

Der VfL Köln 1899 (heißt heute nach einer Fusion „1. FSV Köln 1899“) gilt als ältester Fußball-Verein der Stadt. Gegründet wurde er am 6. Mai 1899 als Internationaler Fußball-Club Cöln. Zum VfL wurde er 1937.

In den Jahren 1903 und 1906 wurden auf dem Platz die Endspiele um die deutsche Fußball-Meisterschaft ausgetragen. Internationale Bekanntheit erlangte der Verein durch seine Karfreitagsspiele gegen englische und französische Topclubs.

Auch der Verein machte sich einen Namen. So soll im Jahr 1904 in Paris ein Spiel gegen die Franzosen gewonnen worden sein, woraufhin Kaiser Wilhelm II. ein Glückwunschschreiben in Richtung Köln schickte. Ein wichtiger Schritt zur Anerkennung des Fußballs.

Zudem kickten hier auch Nationalspieler wie Jupp Röhrig oder Leo Wilden. Die Gerling-Brüder standen nicht nur auf dem Platz, sondern verkauften hier auch ihre ersten Versicherungen an Zuschauer und Spieler.

Die Tribüne wurde im Jahr 1920 überdacht und ist die älteste erhaltene Stadiontribüne Deutschlands.

(exfo)

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