Drama um zwangsgeräumte GroßfamilieKölner Stadtrat beschäftigt sich mit wichtigem Thema

Menschen stehen um Sozialdezernent Harald Rau herum, ein Kameramann filmt ihn.

Sozialdezernent Harald Rau sprach am 17. Januar 2023 vor dem Historischen Rathaus mit der zwangsgeräumten Familie. Der Fall hatte für großes Medieninteresse gesorgt. 

Nach dem Drama um eine sechsköpfige Familie aus Köln, die zwangsgeräumt wurde, geht es jetzt im Kölner Rat um das Problem. Thema ist die passende Wohnraumversorgung für Familien in Wohnungsnot. 

von Iris Klingelhöfer (iri)

Der Fall von Jacqueline Winands (34) und ihren fünf Kindern (2 bis 10) hat hohe Wellen geschlagen. Die Familie aus Köln-Gremberghoven wurde Mitte Januar zwangsgeräumt. Die Stadt bot ihr zunächst eine Unterbringung in einem Hotel für Obdachlose an.

Mutter Jacqueline reagierte entsetzt. Und auch viele andere fragten sich, warum die Stadt für solche Fälle keinen familiengerechten Wohnraum anbieten konnte. Jetzt schlagen die Wellen bis in den Stadtrat – am Dienstag (16. Mai 2023) steht das Thema auf Antrag der SPD-Fraktion auf der Tagesordnung. 

Kölner Rat: Passende Versorgung für Familien in Wohnungsnot

Demnach soll die Verwaltung eine ämterübergreifende Fallkonferenz einrichten, bei der alle relevanten Akteurinnen und Akteure gemeinsam Wohnungsnotfälle von Familien besprechen und die passgenaue Wohnraumversorgung für die Betroffenen festlegen. 

Dabei soll unter anderem die besondere Situation von Familien in Wohnungsnot stärker in den Fokus des Kölner Wohnungslosen-Hilfesystems gerückt werden. Das Kindswohl müsse dabei vorrangig berücksichtigt werden. 

Auch sei das Instrument der Beschlagnahmung und Wiedereinweisung unter Ausnutzung aller rechtlichen Spielräume zu nutzen, um den betroffenen Familien ein Dach über dem Kopf und den Kindern das Verbleiben in ihrem gewohnten Umfeld zu sichern, wenn geeignete Ersatzwohnungen nicht verfügbar sind. 

Kölner Großfamilie bekam Obdachlosenunterkunft angeboten

Die SPD begründet ihren Antrag damit, dass es der Fachstelle Wohnen zwar immer wieder erfolgreich gelänge, drohenden Wohnraumverlust zu verhindern – gehe es jedoch nicht bloß um die Begleichung von Mietschulden und kämen weitere mietwidrige Umstände hinzu, werde die Beibehaltung der Wohnung oder die Vermittlung in ein Normalwohnverhältnis schwieriger. Das sei bei der sechsköpfigen Familie der Fall gewesen. 

„Der Fall erregte in Köln Aufsehen, weil der Familie kein familiengerechter Wohnraum angeboten werden konnte“, so Christian Joisten, SPD-Fraktionsvorsitzender.

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Die ihr zugewiesenen Unterkünfte hätten entweder den Weg zur Kinderbetreuungsstätte erheblich verlängert oder in einer in einem angemieteten Hotel betriebenen Obdachlosenunterkunft gelegen oder seien sehr klein gewesen.

Rainer Kippe vom Verein „Sozialistische Selbsthilfe Mülheim“ (SSM): „Heute Nachmittag schlägt der Rat der Stadt Köln eine neue Seite der Kölner Ratsgeschichte auf: Er verhandelt, auf Antrag der SPD-Fraktion wohl zum ersten Mal, die Geschichte einer Familie, die mit ihren fünf kleinen Kindern zwangsgeräumt wurde und von der Stadt bis heute nicht angemessen untergebracht wurde.“ 

Dass ein obdachlos gewordene Familie eine vollwertige Mietwohnung in der gewohnten Umgebung erhält, sei eigentlich selbstverständlich. „Das sollte man meinen, und das war auch mal so, als die städtischen Wohnungsversorgungsbetriebe noch über genügend Wohnungen und Mitarbeitende verfügten und bei den stadteigenen Gesellschaften wie GAG und GruBo ausreichend Belegwohnungen zur Verfügung standen“, erklärt Kippe. (iri)