Kölns Pracht-Kaufhaus Der größte Raubzug der Nazis: Mahnmal in der Innenstadt

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Der Kaufhof, Kölns bekanntestes Kaufhaus

Köln – Der Kaufhof: das ist Kölner und auch deutsche Geschichte, das ist Triumph, Terror und Tragik.

Vor dem Flaggschiff des in Turbulenzen geratenen Konzerns (hier mehr lesen),am Kaufhof an der Hohe Straße, wird man bald des dunkelsten Kapitels der Unternehmensgeschichte gedenken: Eines skrupellosen Raubzuges. Der Enteignung der jüdischen Kaufhaus-Besitzer durch die Nazis. 

Hetze, Sabotage: Alfred L.Tietz wird zum Rückzug gedrängt

Alfred L. Tietz, ältester Sohn des Firmengründers Leonhard Tietz, trat auf Druck der im Januar an die Macht gekommenen Nationalsozialisten 1933 von seinem Vorstandsposten zurück.

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Schon zuvor hatte es Hetzkampagnen gegeben. Filialen waren von terrorisierenden SA-Trupps überfallen worden. Deutsche Großbanken hatten die Aufkündigung von Krediten angedroht. 1930 hatte der Konzern einen Gesamtumsatz von 206 Millionen Reichsmark ausgewiesen. Die Zahl der Beschäftigten lag bei 15000.

Kaufhof historisch

Die damals so genannte Tietz-Ecke an der Gürzenichstraße. Dieses Foto erschien im Sommer 1930 in der Hauszeitung.

Kölner Alpenverein regte die Stolpersteine an

„Damit begann die beispiellose systematisierte Enteignung der jüdischen Familie Tietz“, so die Kölner Forscher Dr. Andre‘ Postert und Reinhold Kruse (Archivar des Vereins), die die Tietz-Geschichte für den Kölner Alpenverein aufgeschrieben haben. Tietz war seit 1910 Mitglied des Vereins.

Kruse regte auch die Verlegung der Stolpersteine an, die der Alpenverein in Koordination mit dem Kölner NS-Dokumentationszentrum durch den Künstler Gunter Demnig durchführen lässt. Sie werden am Kaufhaus wie auch am früheren Wohnort der Familie Tietz in der Parkstraße 61 in Marienburg verlegt. Dort für Alfred L., Margarete, Wolfgang L., Herta Gabriele und Ulrich Albert L. Tietz.

Tietz saß auch im Vorstand des Kölnischen Kunstvereins

Aus den Archiven des Vereins geht hervor, dass Tietz die Allgäuer, Zillertaler und Ötztaler Alpen bestieg, den Piz Buin oder auch den Piz Kesch. Der Kaufhaus-Magnat galt als fortschrittlich, linksliberal und weltoffen. Er hatte an der Kölner Handelshochschule studiert, wurde 1914 Soldat. Er kehrte erst 1919 zurück, um die Nachfolge seines Vaters als Generaldirektor anzutreten. Tietz war Mitglied der Rotarier und saß im Vorstand des Kölnischen Kunstvereins.  Er gab dem Alpenverein 1929 ein Darlehen für den Bau ihres „Kölner Hauses“ oberhalb von Serfaus in Tirol/ Österreich.

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Alfred L. Tietz: 1933 trat er als Vorstandsvorsitzender der Leonhard Tietz AG zurück. 

Das Kölner Kaufhaus Tietz: 1914 das spektakulärste Deutschlands

Sein Vater Leonhard hatte den Sitz seines Unternehmens 1891 nach Köln verlegt. 1914, da hatte das Unternehmen schon 18 Geschäfte in Deutschland und acht in Belgien, eröffnete das neue Stammhaus an der Hohe Straße.

Neoklassizistische Architektur, vier Etagen, 40 prall gefüllte Schaufenster. Ein triumphaler Bau. „So etwas gab es bis dahin in Deutschland nicht“, so Ulrich Soénius, Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs. 

Aus Tietz wird die „Westdeutsche Kaufhof AG“

Zwei Jahrzehnte später regierte der Hass. Unter dem Druck der Nazis musste die Familie Tietz ihre Aktien, die stark an Wert verloren hatten, an die neuen Eigentümer (Commerzbank, Deutsche Bank, Dresdner Bank) veräußern. Das „arisierte“ Unternehmen wurde umbenannt: es hieß ab Juli 1933 „Westdeutsche Kaufhof AG (vorm. Leonhard Tietz AG)“. 1936 verschwand der letzte Hinweis auf den Firmengründer.

Eröffnung Tietz 1914

Unter riesigem Gedränge eröffnet 1914 das Stammhaus an der Hohe Straße.

Das Ehepaar Tietz zog mit seinen Kindern und der Mutter von Alfred Tietz ins Saarland, dann nach Holland. 1940, kurz vor dem Einmarsch deutscher Truppen, flüchtete die Familie nach Palästina. Alfred L. Tietz starb bereits 1941 in Jerusalem.

Ehefrau Margarete ging 1948 in die USA. Sie kehrte nach dem Krieg nur noch einmal nach Köln zurück, auf Einladung der Kaufhof AG. Margarete Tietz starb 1972 in London. Ihre Nachkommen leben heute überwiegend in den USA. 

Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren von 40 Warenhäusern 35 durch Bomben zerstört. Wenige Jahre später einigte sich das Unternehmen mit den alten Eigentümern auf eine Entschädigungsregelung.

Die Tietz-Villa in Marienburg nach dem Krieg: Der Sender BFBS zieht ein

In die 1909 erbaute Villa Tietz in Marienburg (hier mehr lesen) war nach dem Weggang der Familie ein Konsul eingezogen. Am 24. Oktober 1944 war das Anwesen bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Es wurde wieder aufgebaut. Seit Februar 1954 beherbergte das Haus die Studios des britischen Armeesenders BFBS, Plattenarchiv und Sendetechnik bis Oktober 1990.

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Die ehemalige Villa Tietz in Marienburg

So ging es weiter mit dem Kaufhof

Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren von 40 Warenhäusern 35 durch Bomben zerstört. Nach Wiederaufbau und Währungsreform expandierte das Unternehmen dann in der ganzen Bundesrepublik. Von 1953 an unter dem Namen: Kaufhof AG. 2008 folgte die Umbenennung in Galeria Kaufhof GmbH. Besitzer ist die Metro AG.

Am 1. Oktober 2015 beginnt für die Galeria Kaufhof GmbH eine neue Zeitrechnung: Das deutsche Warenhausunternehmen mit seinen Filialen in Deutschland und Belgien ist jetzt die Tochter der kanadischen Hudson’s Bay Company (HBC). 

Vor kurzem folgte die nächste Zäsur in der Firmengeschichte: Die Hudson’s Bay Company (HBC) und die SIGNA Holding GmbH (Besitzer von Karstadt) gaben den Zusammenschluss ihrer Warenhausunternehmen in Europa bekannt. 

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