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Empörung über AbrissKölner Innenstadt-Flughafen verschwindet für immer

Bauarbeiten am Basketball-Platz an der Venloer Straße in Köln. Im Hintergrund ist der Colonius zu sehen.

Die Sportanlagen an der Venloer Straße werden saniert. Hier wurde früher ein Hubschrauber-Landeplatz mit geschichtlicher Bedeutung betrieben. Das Foto entstand am Mittwoch (12. Juli 2023).

Der Basketball- und Tennis-Court im Kölner Grüngürtel werden saniert. So kommt auch der geschichtliche Kontext des Areals wieder ins Gespräch.

von Thomas Werner (tw)

Es war ein Hin und Her über Jahre: Lange Zeit war unklar, was mit dem Tennis- und dem Basketballplatz („Nike Court“) im Kölner Grüngürtel passiert. Abriss? Sanierung? Neuaufbau an anderer Stelle? Seit dieser Woche wird direkt an der Venloer Straße fleißig gearbeitet. Die Plätze werden saniert.

Doch die Entscheidung gefällt nicht allen. Denn: Mit dem Asphalt, der auf beiden Plätzen abgetragen (und später erneuert) wird, verschwindet auch ein Stück Kölner Geschichte. Luftfahrt-Geschichte, um es ganz genau zu sagen.

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„Die reiche Geschichte des Grüngürtels wird nicht beachtet und immer mehr zerstört“, sagt Werner Müller vom Historischen Luftfahrtarchiv in Köln auf Nachfrage von EXPRESS.de. „Obwohl Köln weltweit die reichste Luftfahrtgeschichte hat, legt man in Politik und Verwaltung darauf also keinen Wert.“

Die Asphaltflächen waren die letzten Überreste des historischen Hubschrauberflughafens („Heliport“), den die belgische Fluggesellschaft Sabena dort von 1953 bis 1966 betrieb.

Der geschichtliche Kontext: Nach dem 2. Weltkrieg durfte die Lufthansa nicht von Deutschland in die USA fliegen. Wer nach Amerika wollte, musste das von anderen Ländern aus machen. Deswegen installierte Sabena einen „Helikopterzubringerdienst“, der Menschen aus Westdeutschland nach Belgien brachte, von wo aus sie in die USA fliegen konnten.

Ein großer Hubschrauber auf dem Landeplatz in Köln. Das Foto ist in schwarz-weiß zu sehen.

Ein Sikorsky S55 der Sabena auf der Landeplattform in Köln. Im Hintergrund das Flughafengebäude. Links der Chef des Kölner Hubschrauberflughafens, Franz Knapp. Das Foto stammt aus den späten 1950er-Jahren.

Die Lösung für Köln: ein Hubschrauber-Landeplatz mitten im Grüngürtel (der spätere Basketball-Court) inklusive eines großen Flughafen-Gebäudes (stand auf dem späteren Tennisplatz). Der diagonale Fußweg zwischen den beiden Betonplatten ist noch heute zu sehen. Die Geschichte der Örtlichkeit erklärt auch die ungewöhnliche Form des Basketball-Courts (quadratisch, nicht länglich wie ein Spielfeld).

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Der erste Flug der Lufthansa von Köln-Wahn nach New York wurde 1961 gestartet, der Flugplatz am Grüngürtel wurde immer unwichtiger. 1966 wurde der Betrieb eingestellt, kurz darauf das Gebäude abgerissen. 1995 wurden Basketball-Körbe angebracht.

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Schon 2020, als die Sanierung der Flächen im Raum stand, hatte sich Werner Müller in einem offenen Brief an OB Henriette Reker gewandt. Seine Auffassung: Die Betonflächen sind in Ordnung. Sie müssten auch bei einer Sanierung der Basketball-Anlage nicht ausgetauscht werden, gerade vor dem historischen Kontext.

Bauarbeiten an den Sportplätzen an der Venloer Straße sollen drei Monate dauern

Die Stadt sieht das anders, spricht von einem „nicht optimalen Zustand“. Auch eine Infoplatte „zu Ehren“ der dortigen Luftfahrt-Historie, die Müller vorgeschlagen hatte, wurde abgelehnt. Der Beschluss zur Sanierung ging Ende 2022 einstimmig durch den Kölner Stadtrat.

Die Kosten der Sanierung belaufen sich laut Stadt auf rund 835.000 Euro, davon kommen 500.000 Euro aus dem Förderprogramm der NRW-Bank „Moderne Sportstätte 2022“. Das Kölner Familienunternehmen Ralph Krämer führt die Arbeiten durch, etwa drei Monate Bauzeit sind eingeplant.