Schon gewusst?1839 erbaut – Kölner Gebäude mit geheimnisvoller Geschichte

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In Köln-Müngersdorf befindet sich ein Stück Eisenbahn-Geschichte. Ein altes Stationsgebäude, das seit 2010 leer steht. Das soll sich ändern!

von Antonia Raabe (ra)

In Köln-Müngersdorf versteckt sich ein echter Schatz – und eine Rarität im deutschsprachigen Raum. Und die hat nichts mit dem Stadion des 1. FC Köln zu tun, falls eingefleischte Fans das aufgrund des Stadtteils vermutet hätten.

In der Belvederestraße 147 steht das älteste, original erhaltende Stationsgebäude Deutschlands. 1839 fuhr die erste Eisenbahn in Köln vom Bahnhof „Am Thürmchen“ (am Trankgassentor) nach Müngersdorf – und läutete damit das Eisenbahnzeitalter in Köln ein.

Wusstest du, dass es in Köln-Müngersdorf ein altes Stationsgebäude von 1839 gibt?

Etwas später starteten dort weltweit die ersten Bahnen, die eine internationale Grenzen passierten: Von Köln am Rhein ging es zum Seehafen nach Antwerpen in Belgien. 

Aus der Attraktion des neuen Verkehrsmittels Eisenbahn wurde in Verbund mit dem Stationsgebäude Belvedere und dem angelegten Restaurationsgarten rundherum ein beliebtes Ausflugsziel in Köln. Da der Bahnhof etwas erhöht stand, konnten die Kölnerinnen und Kölner dort die Aussicht über ihre Stadt genießen.

Obwohl der Halt in Köln-Müngersdorf in den 1850er-Jahren entfiel, blieb der Standort als Ausflugsziel und Veranstaltungsstätte noch lange erhalten.

1890 ging das Gebäude schließlich an die Stadt Köln über, die es an Privatleute vermiete. Bis 2010 lebten Künstler darin. Seitdem steht es leer. Die Stadt Köln wollte es damals verkaufen, doch der örtliche Bürgerverein und der Rheinische Verein für Denkmalschutz und Landschaftspflege (RVDL) schritten ein und initiierten die Gründung des Förderkreis Bahnhof Belvedere e.V. unter dem Vorsitz von Sebastian Engelhardt.

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Der Verein kämpft seit über einem Jahrzehnt dafür, dass das Objekt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Als öffentlicher Ort für Kultur, Bildung und Begegnung. „Wir wollen nun an die Zeit vor 180 Jahren wieder anknüpfen: Ein attraktiver Ort für die Kölner Bürgerinnen und Bürger“, sagt Engelhardt im Gespräch mit EXPRESS.de.

Bei diesem Vorhaben ist die Stadt Köln natürlich mit von der Partie. Doch der Weg zum Ziel ist steinig. „Es hat lange gedauert, bis wir die richtigen Ansprechpartner bei der Stadt gefunden hatten. Geholfen hat uns dabei letztlich Ex-Oberbürgermeister Jürgen Roters, der ein offenes Ohr für uns hatte“, erzählt Engelhardt und erwähnt lobend die Politik, die das Vorhaben sehr unterstützt habe.

Ältestes Stationsgebäude in Köln-Müngersdorf soll Begegnungsstätte werden

Geklemmt habe es zum Teil bei den Ämtern der Verwaltung. „Bei dem Projekt sind unterschiedliche Ämter eingebunden“, erklärt Engelhardt. Die Zusammenarbeit in den vergangenen zwölf Jahren habe je nach Amt mehr oder weniger gut funktioniert.

Mittlerweile seien – obwohl von außen nicht unbedingt sichtbar – sehr umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt worden. Neben dem eigentlichen Gebäude steht seit kurzem unübersehbar ein Zusatzbauwerk. Eine Bedingung der Landesbauordnung, ohne die das Projekt gescheitert wäre.

„Laut Bauordnung müssen Brandschutzwege da sein und Barrierefreiheit muss gegeben sein. Und die waren nicht anders zu erfüllen, als durch das Zusatzbauwerk“, erklärt Engelhardt.

Mittlerweile fehle noch der Innenausbau. Es sei momentan schwer abzusehen, wann der fertig wird. Den Fachkräftemangel spüre man an einigen Stellen gewaltig. „Es geht aktuell zäh voran. Wir hoffen aber, dass wir in zwei Jahren fertig sind“, so Engelhardt.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann für einen geringen Jahresbeitrag Mitglied im Förderkreis werden. „Wir freuen uns immer über Unterstützung“, appelliert der Vorsitzende. Über einen virtuellen Stein kann man sich online beteiligen.

Förderkreis Bahnhof Belvedere arbeitet seit 13 Jahren mit Stadt Köln am Projekt

Die Stadtverwaltung betonte auf EXPRESS.de-Anfrage: „Die Stadt bewertet das Projekt und die Zielsetzungen positiv und ist dankbar für die Initiative, das Denkmal zu erhalten und die Liegenschaft für die Stadtgesellschaft zu nutzen.“

Weiter wurde in der Stellungnahme auf ein Problem hingewiesen: „Da der Bahnhof Belvedere in einem geschützten Landschaftsbestandteil mit alten wertvollen Platanen liegt, ergeben sich bei der Sanierung Konflikte zwischen Denkmal- und Naturschutz. Die Stadtverwaltung hat sich sehr um tragfähige Kompromisse zwischen den beiden Belangen bemüht. Hierzu gab es gestern (19. September 2023, Anm. d. Red.) eine Sitzung des Petitionsausschusses des Landtages NRW.“ Es bleibe abzuwarten, welche Auswirkungen die Entscheidung auf das Verfahren habe.