Ein eigenes kleines Restaurant – damit hat sich Kerim Akpinar einen Traum erfüllt. Doch wegen eines Schwarzbaus kämpft der Kölner jetzt um seine Existenz.
Kölner Gastronom am BodenHiobsbotschaft nach 70.000 Euro-Investition

Copyright: Kerim Akpinar
Kerim Akpinar musste die Terrasse seines Restaurants „Kafes grill & chill“ in Longerich schließen. Die Terrasse (links) hat den Stil eines Wintergartens.
Autor
Aktualisiert
Als Kerim Akpinar (26) vor drei Jahren eine Gastro im Longericher Gewerbegebiet übernahm, hatte er große Pläne. Die Räumlichkeiten waren zwar in keinem guten Zustand, aber er war bereit, Zeit, Arbeit und Geld zu investieren.
„Im Außenbereich gab es zudem bereits eine Terrasse. Daran habe ich mich orientiert und auch sie modernisiert und schöner gestaltet“, erklärt Akpinar gegenüber EXPRESS.de. Doch dann der Schock. Nachdem er sich wegen einer Nutzungsänderung an die Stadt gewandt hatte, endete das mit einer Hiobsbotschaft.
Kölner Jung-Gastronom investiert, ohne vom Schwarzbau zu wissen
„Es ist herausgekommen, dass es für die Terrasse gar keine Baugenehmigung gibt. Ich habe den Laden so übernommen, wie er war“, erzählt Kerim Akpinar. Nie im Leben habe er gedacht, dass etwas damit nicht stimmen könnte. Der Laden sei schon seit Jahren da, behauptet er. „Der ist älter als ich.“
Laut Akpinar befand sich vor seinem „Restaurant Kafes grill & chill“ über mehrere Jahre ein Imbiss in den Räumlichkeiten. „Da gab es die Terrasse auf jeden Fall schon“, meint er. Unklar ist allerdings, seit wann die überdachte Terrasse überhaupt existiert und wer sie angebaut hat.
Der 26-Jährige ist sich bewusst, dass er die schlafenden Hunde selbst geweckt hat. „Ich wollte eine kleine Nutzungsänderung machen, damit ich als Café gelte – erst da ist das Ganze herausgekommen“, erklärt der Kölner frustriert. Nun hat er den Schlamassel. Die illegale Terrasse hat er schließen müssen – und das, nachdem er nach eigenen Angaben bereits mehr als 70.000 Euro in das Lokal samt Terrasse gesteckt, Küche und Toiletten saniert hat.
Ein harter Schlag. „Für meinen Betrieb hat das massive wirtschaftliche Folgen. Seitdem fehlt ein großer Teil meiner Sitzplätze, was zu einem starken Umsatzeinbruch geführt hat. Wenn sich keine Lösung findet, muss ich ernsthaft befürchten, dass ich den Betrieb nicht mehr lange halten kann“, so der Gastronom.
Gastronom übernimmt illegale Terrasse: Das sagt die Stadt Köln
EXPRESS.de hakte bei der Stadt nach. „In 2024 wurde dem Bauaufsichtsamt der Stadt Köln bekannt, dass möglicherweise ein Anbau mit Gastroplätzen keine Baugenehmigung haben könnte. Das bestätigte sich, und daher wurde seitens des Bauaufsichtsamtes im Mai 2024 per Anhörung ein Ordnungsverfahren zu einem ‚wintergartenähnlichen Anbau‘ gestartet“, erklärt Robert Baumanns vom städtischen Presseamt.
Seitdem sei dem Inhaber bekannt, dass eine Nutzungseinstellung dieses Anbaus seitens des Bauaufsichtsamtes verfügt werden könnte. Baumanns: „Mit Datum 27. Januar 2026 ist dann diese Ordnungsverfügung durch das Bauaufsichtsamt erstellt worden.“

Copyright: Kerim Akpinar
Kerim Akpinar hat an die Scheibe der Anbaus einen Zettel geklebt, auf dem er darüber informiert, dass die überdachte Terrasse derzeit nicht genutzt werden kann.
Über mehr als anderthalb Jahre habe das Bauaufsichtsamt dem Inhaber also Zeit gegeben. Selbst als im Juni 2025 wegen Unterlagenmängel ein Bauantrag zur Legalisierung nicht zum Erfolg geführt habe, sei dem Inhaber mehr als ein halbes Jahr Zeit für Überlegungen und Handlungen gegeben worden.
Robert Baumanns: „Es ist nun einmal so, dass die behördlichen Konsequenzen eines baurechtswidrigen Zustandes den aktuellen Gastrobetreiber treffen, auch, wenn ein Vornutzer den rechtswidrigen Zustand hergestellt hat.“
Kölner Gastronom kämpft um Legalisierung der Terrasse
Kerim Akpinar erklärt enttäuscht, dass er schon seit Wochen versucht hätte, gemeinsam mit einem Architekten eine Lösung zu finden. Jedoch vergeblich. Jetzt hat er einen anderen Architekten mit ins Boot geholt.
Finanziell sieht es für den jungen Gastronomen allerdings nach den hohen Investitionen mehr als knapp aus. Doch er will und muss alles daran setzen, damit die Terrasse legalisiert wird. Denn sonst müsste er seinen Traum vom eigenen Café aufgeben und im schlimmsten Fall Insolvenz anmelden.


