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„Man hört die Angriffe“Kölner Ehepaar sitzt in Katar fest – Wut auf Außenminister

Autofahrer fahren am 1. März an einer Rauchwolke vorbei, die nach einem iranischen Angriff im Industriegebiet von Doha aufsteigt.

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Autofahrer fahren am 1. März an einer Rauchwolke vorbei, die nach einem iranischen Angriff im Industriegebiet von Doha aufsteigt. 

Warten, hoffen und im Hotel ausharren. Für Reisende in der Krisenregion am Golf ist der Traumurlaub zum Albtraum geworden. Ein Kölner Paar berichtet.

Es sollte der perfekte Abschluss einer Traumreise werden. Doch am letzten Samstag ahnten Wera und Hans-Jürgen A., ein Paar aus Köln, im Taxi zum Doha International Airport noch nichts von dem Drama.

Nach ihrem Urlaub in Sri Lanka hatten sie einen dreitägigen Aufenthalt in der Hauptstadt von Katar geplant. Ihr Plan: ein Hotel im Herzen der Metropole. Der Zwischenhalt sollte für Sightseeing genutzt werden. Auf der Liste standen das Nationalmuseum, der historische Markt Souq Waqif sowie die Corniche. Das ist die berühmte Uferpromenade, die sich an der sichelförmigen Bucht entlangzieht.

Drama am Airport: „Wir waren kurz vor dem Ziel“

Hans-Jürgen A. schildert den Schockmoment im „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Wir waren kurz vor dem Ziel, da sagte uns der Taxifahrer, dass der Flughafen gerade geschlossen worden sei“. Trotzdem fuhren sie weiter. „Wir sind trotzdem noch hingefahren und warteten dort mit Hunderten von Gestrandeten, bis uns mitgeteilt wurde, dass nichts mehr geht, der Luftraum aufgrund des Iran-Konflikts geschlossen ist.“ Das Kölner Paar hatte bis zu diesem Zeitpunkt von den Militäraktionen der USA und Israels nichts mitbekommen.

Obwohl die beiden schon viel von der Welt gesehen haben, ist diese Situation für sie und alle anderen Betroffenen komplett neu. Die Angst ist groß. „Natürlich haben wir uns ziemlich bedroht gefühlt, weil der Iran ja sofort gedroht hat, dass er zurückschlagen wird.“

Als dem Paar bewusst wird, dass der Airport auf unbestimmte Zeit geschlossen bleibt, handeln sie überlegt. Sie nehmen sich ein Hotel etwas außerhalb. Der 77-Jährige erklärt dazu: „Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Das Zentrum erschien uns doch zu unsicher.“

Angst vor Angriffen: „Zum ersten Mal in meinem Leben muss ich die Erfahrung machen“

„Zum ersten Mal in meinem Leben muss ich die Erfahrung machen, was es heißt, unter Beschuss zu sein.“ In der Nähe liegt die Al Udeid Air Base, der größte US-Militärstützpunkt im Mittleren Osten. „Man hört die Angriffe und sieht manchmal etwas am Himmel. Dass die Region mal von außen bedroht werden könnte, hätte sich hier nie jemand vorstellen können.“

Ihre Unterkunft, das Hotel Souq Al Wakra, ist komplett ausgebucht mit festsitzenden Urlaubern. Hier hatte bei der WM 2022 das englische Nationalteam gewohnt. „Wir tauschen uns aus. Jeder hat ständig irgendwelche neuen Informationen, die sich zum Teil widersprechen. Zum Glück haben wir hier einen stabilen Internetzugang.“

Das Kölner Paar hat per E-Mail das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft kontaktiert. Doch es kamen nur zwei Antworten mit allgemeinen Ratschlägen. „Wir sollen uns ruhig verhalten und auf keinen Fall versuchen, eine individuelle Ausreise zu organisieren. Sie würden sich kümmern.“

Besonders wütend macht Hans-Jürgen A. eine frühe Aussage von Johann Wadephul (CDU), dem deutschen Außenminister. „Als ich gelesen habe, wir seien im Grunde selbst schuld, weil wir trotz Warnung in die Region gereist seien. Die erste Warnung kam am Samstag, da waren wir schon auf dem Rückweg.“

30.000 Deutsche warten in der Krisenregion

Der Deutsche Reiseverband meldet, dass insgesamt circa 30.000 deutsche Urlauber in dem Krisengebiet ausharren. Einige Veranstalter haben bereits erste Rückholflüge durchgeführt. Das Paar aus Köln hat sich vorsichtshalber E-Visa für Saudi-Arabien beschafft. Es gab das Gerücht, eine Busfahrt von Doha zum Airport in Riad – acht Stunden quer durch die Wüste – könnte eine Option sein. Wera A. (64) ist da aber skeptisch. „Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir einfach abwarten müssen und rechnen mindestens noch mit einer Woche. Eigentlich sind wir ganz gelassen, wir wollen aber nur noch nach Hause.“

Ein kleiner Trost: Ihre Unterkunft befindet sich direkt am Meer. In der Nachbarschaft gibt es einen Basar, der allerdings wegen des Ramadans erst bei Dunkelheit seine Tore öffnet. „Da kann man abends mal hingehen.“

Unter den deutschen Gästen im Hotel macht sich zunehmend Frust über die deutschen Behörden breit. „Die Österreicher haben bereits Sammeltransporte organisiert und ihre Landsleute ausgeflogen“, berichtet Hans-Jürgen A. und fügt hinzu: „Das macht einen schon ein wenig ärgerlich.“

Völlig offen ist, wer am Ende die Hotelrechnung begleicht. „Die ersten Nächte haben wir bezahlt. Jetzt kursiert das Gerücht, dass der Emir von Katar das übernehmen könnte.“ (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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