Darf man das sagen? Kölner Anwalt würde auch Hitler und Stalin vertreten

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Der Kölner Medienanwalt Ralf Höcker.

Köln – Er selbst nennt es „Klartext“, doch es klingt nach hartem Tobak, was der bekannte Kölner Medienanwalt Ralf Höcker (46) da in einem Interview mit dem Deutschlandfunk (DLF) von sich gegeben hat. Auf seine bunte Mandantschaft angesprochen, äußerte Höcker, dass ein Rechtsanwalt sogar bereit sein müsse, Hitler oder Stalin zu vertreten. Wie bitte?

„Vollkommen schmerzfrei“

„Wir sind da vollkommen schmerzfrei. Wir vertreten jeden, der sich an uns wendet, egal welche politische Gesinnung er hat“, sagte Höcker im Interview. Doch nicht allen seiner Klienten dürfte es schmecken, dass Höcker sich in jüngster Zeit immer wieder mit Erfolgen schmückt, die er für die „Alternative für Deutschland“ (AfD) ausgefochten hat. „Frau Dr. Alice Weidel muss sich Beleidigung als »Nazi-Schlampe« nicht bieten lassen“, steht etwa im News-Bereich seiner Kanzlei-Homepage. Höcker vertrat nicht nur die AfD-Spitzenkandidatin, sondern auch Ex-Parteichefin Frauke Petry (42) und  diverse weitere Funktionäre.

Keine AfD-Präferenz

Alles zum Thema Recep Tayyip Erdogan

Einer Präferenz für die AfD erteilt Höcker aber eine klare Absage: Er vertrete weitaus mehr Politiker aus den Reihen von SPD und CDU. Dann diese Hammer-Aussage gegenüber dem Deutschlandfunk: „Ein Anwalt mit Berufsethos muss bereit sein, Hitler gegen Stalin und Stalin gegen Hitler zu vertreten, und zwar je nachdem, wer als Erster anruft.“  Massenmörder Hitler und Stalin als mögliche Mandanten? Ernsthaft?

„Sollten solche Typen etwa von Anwälten vertreten werden, die selber Nazis oder Stalinisten sind? Sollten Nazis überhaupt als Anwälte arbeiten dürfen? Ich meine nein“, sagt Höcker zum EXPRESS. In den USA habe er die „Devil“s Rule“ gelernt: „Ein Anwalt muss im Interesse des Rechtsstaats auch bereit sein, den leibhaftigen Teufel zu vertreten, selbst wenn die Bauchschmerzen noch so groß sind.“ Wer sich nur die Rosinenmandanten herauspicken wolle, sei in dem Job fehl am Platz.

Das sagt die Anwaltskammer

Höckers Hitler-These – was sagt die Anwaltskammer Köln dazu? „Jeder Rechtsanwalt hat das Recht auf freie Meinungsäußerung und ist auch frei Mandate zu übernehmen. Die Aussage des Kollegen ist nicht zu beanstanden, insbesondere auch aufgrund der liberalen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts“, sagt deren Sprecher, Rechtsanwalt Martin W. Huff.

Eine Einschränkung macht Jürgen Sauren, Vorstandsmitglied des Kölner Anwaltsvereins: „Der Rechtsanwalt hat keine Pflicht zur Annahme eines Mandates, er kann über die Annahme frei entscheiden. Die eigene Moral bzw., für welche Interessen sich ein Rechtsanwalt einsetzen will, muss jeder für sich selbst bestimmen.“

Auch Erdogan als Mandant

Tatsächlich wäre es nicht fair, Höcker nur auf seine AfD-Mandate  zu reduzieren. Für Wetterfrosch Jörg Kachelmann (59) etwa erzielte er eine Rekord-Summe an  Schadensersatz für diffamierende Presseberichte. Top-Model Heidi Klum (44), die Fußball-Legenden Günther Netzer (73) und Felix Magath (64), sogar der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (63) sicherten sich die Dienste des Medienanwalts.

Erdogan hatte Höcker beauftragt, gegen Beleidigungen des deutschen Regisseur Uwe Boll (52) vorzugehen.  Höcker vergleicht sich in dem Zusammenhang mit einem Mediziner: „Ein Arzt muss im Krankenhaus auch jeden behandeln – egal ob Nazi, Terrorist oder Salafist.“

(exfo)

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