Obdachloser stirbt Kältetod Bekannter Kölner Streetworker (56) findet klare Worte

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Franco Clemens (56) ist nebenberuflich Streetworker und kennt die Situation zahlreicher Obdachloser bestens.

Köln – Ein Leben auf der Straße ist hart, im Winter ganz besonders. Franco Clemens (56) bekommt das täglich mit. Er ist nebenberuflicher Streetworker und hat für Kölns Wohnungs- und Obdachlose immer ein offenes Ohr. 

Die traurige Nachricht über den mutmaßlichen Kältetod eines 46-Jährigen in der Nacht zu Sonntag (17. Januar) am Mauritiuswall hat er längst mitbekommen. „Ich weiß bislang aber nur, dass es Bezüge zur osteuropäischen Obdachlosenszene am Wiener Platz geben soll“, erzählt Franco Clemens. „Dort sagten mir Leute, dass sie ihn kannten.“

Der Verstorbene ist inzwischen in die Rechtsmedizin gebracht worden, wo nun zunächst eine Leichenschau erfolgt. Hinweise auf ein Fremdverschulden oder einen Suizid gibt es bislang nicht.

Kölner Streetworker betreut rund 70 Wohnungs- und Obdachlose

Der 46-Jährige hatte sich unter einem Baupavillon eine provisorische Schlafstelle eingerichtet. Als man ihn tot auffand, lag er halb unter dem Pavillon. Auch seinen Schlafsack hatte er nicht genutzt, um sich vor der bitteren Kälte zu schützen. 

„Die Gefahr ist, je nachdem wie groß der Rausch ist, dass sie sich nicht richtig betten“, erklärt Clemens, der gemeinsam mit dem Verein „Heimatlos in Köln“ (HiK) rund 70 Wohnungs- und Obdachlose betreut. Diese würden den Kontakt zum Streetworker sehr dankbar annehmen. Franco Clemens: „Wir kennen die Szene und haben einfache Hilfsangebote, wie zum Beispiel Hygieneartikel.“

Obdachloser stirbt Kältetod: Streetworker aus Köln verteilt Decken

Der 56-Jährige hat jetzt Decken bestellt, um sie so schnell wie möglich zu verteilen. Der Tod des Obdachlosen hat viele betroffen gemacht. „Die Szene am Mülheimer Platz ist sensibilisiert, dass sie aufeinander acht geben“, sagt er. 

Notschlafstellen seien für viele Betroffene keine Alternative. Franco Clemens: „Nicht alle schreien Hurra, wenn sie ein Zimmer angeboten bekommen.“ Wenn sie zum Beispiel einen Hund haben, den sie dorthin nicht mitnehmen dürfen. Auch würden viele „im Graubereich der Legalität“ leben, erklärt der nebenberufliche Streetworker. 

Ihm fiele gerade im Lockdown auf, dass viele Wohnungs- und Obdachlose ständig herumlaufen würden, vor Kälte zitternd – weil sie keine Rückzugsräume haben. So seien sie durch die Maskenpflicht unter anderem am Wiener Platz verdrängt worden. „Sie wissen nicht, wo sie sich jetzt aufhalten können“, erzählt er. Die wenigen Sozialstrukturen, die sie gehabt hätten, seien zerstört. 

Der Lockdown hat die Obdachlosen-Szene in vielen Bereichen getroffen. So werden deutlich weniger Pfandflaschen weggeworfen, die sie sammeln und zu Geld machen können. Sind weniger Passanten zum Anschnorren unterwegs. Auch Toiletten seien nicht mehr geöffnet, beklagt Franco Clemens. (iri)

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