97. Geburtstag „Es fehlt die kölsche Seele“: Köln-Legende mit klarer Meinung zur Jugend

Ludwig Sebus auf der Bühne der Lanxess-Arena bei „Kölle singt“

Ludwig Sebus, hier 2019 in der Lanxess-Arena, äußert sich mit klarer Meinung zur heutigen Jugend.

Ein großer Kölner feiert in diesen Tagen seinen 97. Geburtstag. Mit EXPRESS.de sprach Ludwig Sebus über das Leben, seine Karriere und „sein“ Köln. In loser Folge reisen wir mit Sebus durch sein Leben. Heute: Warum die Jugend wieder Respekt lernen sollte.

Ludwig Sebus ist ein Freund der Menschen. Wo er auch auftaucht, kann er sich sicher sein: Dem Grandseigneur wird eine Menge Respekt entgegengebracht. Aber er sorgt sich in Köln auch um diejenigen, die nicht im Rampenlicht stehen. „Es gibt beispielsweise viele Menschen, die sich für Senioren und Seniorinnen einsetzen. Aber es gibt sehr viel Manko“, sagt er unumwunden.

„Wenn ich sehe, was manchmal in der Straßenbahn los ist. Wie viele Menschen kommen mit ihrem Rollstuhl gar nicht in die Bahn. Und dann passiert es immer wieder, dass die Rolltreppen ausfallen.“ Für Sebus ein Problem der Infrastruktur, aber auch ein gesellschaftliches Zeichen.

Köln: Ludwig Sebus fordert mehr Respekt für ältere und behinderte Menschen

„Es ist meiner Meinung nach sehr viel zu tun, um eine seniorenfreundliche Stadt zu entwickeln. Man sieht vielfach, dass die Radfahrer und Radfahrerinnen ihre Wege gebaut bekommen. Aber Menschen, die behindert oder alt sind, haben es manchmal doch sehr schwer in Köln.“

Eine Generation, die Köln aufgebaut hat. Und eine Generation, die laut Sebus auch nicht vernachlässigt werden sollte. „Rein gesellschaftlich fehlt es daran, was früher die kölsche Seele ausgemacht hat. Früher, zu meiner Kindheit, war es so, dass du in der Straßenbahn für ältere Menschen aufgestanden bist und deinen Platz freigabst. Das passiert heute nicht mehr.“

Sein Beispiel: „Vor einigen Wochen bin ich in der Linie 5 in Ossendorf eingestiegen. Da kamen die Schüler und Schülerinnen auch rein. An der nächsten Haltestelle stieg dann ein älteres Mütterchen mit Rollator ein.“ Was passierte? „Nichts“, so Sebus. „Alle saßen da und waren mit dem Handy beschäftigt, kein Mensch nahm die ältere Frau wahr.“

Sebus sah sich genötigt, seine kräftigste Stimme aufzulegen und durch die Bahn zu rufen: „Wer steht denn hier für die Dame auf?“ Die Folge: „In diesem Moment standen direkt sechs auf.“ Ludwig Sebus schimpft nicht auf die Jugend, er nimmt auch die Eltern in die Pflicht. „Man muss den Kindern beibringen, dass sie höflich sein sollten.“  Nicht Kindergarten oder Schule – Eltern hätten diese Aufgabe zu übernehmen. „Der Mensch muss wieder geachtet werden.“

Sein Rat: „Der stärkste Erziehungscharakter ist, wenn man selbst Vorbild ist. Das ist stärker als Worte. Man sollte vorleben können.“ Er ist sich sicher: „Man muss die Leute immer ein bisschen drauf aufmerksam machen. Aber ich bin mir sicher, dass dann auch wieder die kölsche Seele zurückkommt.“

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