Seiltänzerin über Köln in Trümmern Das ist die traurige Geschichte hinter diesem Foto

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Das Foto mit der Seiltänzerin Rosanna über Köln stammt aus dem Buch „Köln und der Krieg. Leben, Kultur, Stadt. 1940 -1950“.

Köln – Es ist ein Foto, das  Köln begeistert, aber auch erschüttert. Begeistert, weil es so atemberaubend ist. Erschüttert, weil es das kriegszerstörte Köln 1946 zeigt. Und eine Seiltänzerin, die hoch über den Trümmern der Stadt auf einem millimeterdünnen Drahtseil balanciert. EXPRESS hat herausgefunden, wer sie war.

„Das ist die Rosanna“, sagt Johann Traber (64), Seniorchef der weit verzweigten Artistenfamilie Traber, die als Artisten urkundlich erstmals vor mehr als 500 Jahren erwähnt werden. „Sie war meine Cousine.“

Bürgerlich hieß sie Margot Bügler, sie wurde 1918 geboren. Wie alle Traber-Kinder wurde auch die kleine Margot früh aufs Seil gehoben. Und reiste mit der Familie um die Welt, immer auf der Jagd nach neuen Rekorden – schneller, weiter und vor allem höher.

Kölner sehnten sich nach Ablenkung

„Nach dem Krieg sehnten sich die Leute nach Ablenkung, nach Unterhaltung“, sagt Johann Traber. „Und die haben die Trabers geboten, schon kurz nach Kriegsende 1945 waren wir wieder unterwegs. 1946 spannten wir die Drahtseile über dem Heumarkt in Köln.“

Man sieht nur Trümmer, die Reste von Klein St. Martin, es ist schwer, den Heumarkt auszumachen. Die Türme, die die Traber-Familie aufgestellt hat und zwischen denen das Hauptseil in 24 Meter Höhe gespannt ist, stehen ungefähr da, wo heute das Reiterstandbild des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. seinen Platz hat.

Das traurige Schicksal der Seiltänzerin

„Tausende Menschen waren da, um unsere Show zu sehen“, berichtet Johann Traber stolz aus der Familienchronik. „Auf dem Seil waren meine Cousins, Tanten, Onkel, Eltern, es waren Alfonso, Sonja, Liane, Anna und Familienoberhaupt Johann Traber. Mein Bruder René wurde auf dem Seil getauft, sein Taufpate war der berühmte Schauspieler René Deltgen. Aber Rosanna war einer der Stars der Truppe, eine grazile Tänzerin, bei der man immer dachte, sie schwebe einfach durch die Luft.“

Doch sie ereilte das Schicksal vieler Hochseilartisten: „Bei einem Auftritt in Herford, wenige Wochen nach der Show in Köln, ist sie 1946 abgestürzt“, sagt Clan-Oberhaupt Johann Traber. Er hat seine Cousine nie kennengelernt.

Das Buch mit dem Foto

Das Foto (Fotograf unbekannt) ist erschienen im Buch „Köln und der Krieg. Leben, Kultur, Stadt. 1940 -1950“ (Greven Verlag, 288 Seiten, 312 Abbildungen, 39,90 Euro). Jetzt im Buchhandel, z.B. hier bei Amazon oder  versandkostenfrei hier im EXPRESS-Shop

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