Hunderte Tiere kommen nachts raus Heftige Rattenplage in Kölner Problem-Veedel

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Ganze Ratten-Kolonien sind am Kölnberg entstanden. Die Tiere sitzen in Gruppen zusammen, haben ein riesiges unterirdisches Tunnelsystem angelegt. Die Situation ist komplett außer Kontrolle. Die Ratten nehmen nicht einmal mehr Gift auf.

Köln – Wenn es dämmert, kommen sie langsam aus ihren Verstecken. Sie haben keine Angst mehr vor Menschen, sitzen überall - Hunderte Ratten. In Meschenich am Kölnberg herrscht eine Invasion der Nager, wie es sie noch nie gab. Die Situation ist eskaliert und außer Kontrolle, bestätigt auch ein professioneller Schädlingsbekämpfer.

  • Rattenplage in Köln-Meschenich
  • Nager werden von wildem Müll angezogen
  • Situation am Kölnberg außer Kontrolle

In Köln gibt es laut Schätzungen pro Einwohner drei Ratten, macht drei Millionen Tiere. Meist leben sie in der „Unterwelt“, der Kanalisation, versteckt und scheu. Doch in Meschenich gibt es Mieter, die ihren Hausmüll auf die Straße werfen - eine fahrlässige „Einladung“ an die Tiere. Sie wissen, dass die Menschen sie nicht jagen - und flüchten nicht mehr.

Als EXPRESS-Reporter am Montag (31. Mai) um 21.30 Uhr die Hochhaussiedlung „An der Fuhr“ erreichen, geht es los: Die Ratten kommen aus den Löchern. Der dortige Kiosk-Betreiber sagt: „Man muss aufpassen, dass man nicht auf sie drauf tritt. Sie sind überall. Sie kommen in die Hausflure, sitzen auf dem Weg, auf den Müllcontainern und es sind Massen.“

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Im Garten des ehemaligen Kindergartens leben nur noch unzählige Ratten. Sie erhalten immer wieder neue Nahrung, die in Tüten von den Balkonen fliegen. Die hygienische Situation ist katastrophal. Überall liegt Kot, die Tiere urinieren auf jeden Gegenstand.

„Meschenich ohne Ratten, das gibt es nicht“, erklärt Franco Clemens, der dort jahrelang als Streetworker tätig war. Als er die Ratten-Plage mit dem EXPRESS in Augenschein nimmt, sagt er: „Ich bin geschockt. Was hier passiert ist, erfordert sofortiges Einschreiten des Gesundheitsamtes und aller anderen Stellen. Das ist eine unkontrollierte Invasion der Ratten, die Gesundheit der Menschen ist in Gefahr.“

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Eine Ratte holt sich Dönerfleisch aus einem Mülleimer in Meschenich, aufgenommen am 31. Mai.

Während der Streetworker sich eine Kippe anzündet, raschelt es neben ihm im Mülleimer. Gemächlich klettert eine dicke Ratte aus dem Müll, hat im Maul ein Stück Dönerfleisch. „Klar, dass die hier prächtig gedeihen. Das ist hier wie im Schlaraffenland. Nahrung im Überfluss“, sagt Clemens.

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In Köln-Meschenich herrscht derzeit eine extreme Rattenplage. Die Tiere werden von Abfall, der von Balkonen geworfen wird, angezogen, wie dieses Foto von 31. Mai zeigt.

Woher der kommt, ist klar. „Die Aufzüge sind sehr eng und oft nicht verfügbar. Also werfen die Menschen oft ihren Müll vom Balkon“, weiß auch Hubertus Tempski, Leiter des Bürgeramtes Rodenkirchen.

Köln: Rattenplage in Meschenich außer Kontrolle

Und er hat recht. Immer wieder fliegen Müllbeutel aus den Fenstern, klatschen auf den Asphalt - wo die Ratten bereits warten, um die aufgeplatzten Tüten zu entern. Dann ein Knall wie eine Explosion: Ein ganzes Sofa fliegt von einem Balkon auf der Rückseite von Haus 5. Danach zwei Sessel, die ebenso jedem Mensch erschlagen hätten. So springen die Ratten kurz zur Seite - und fressen weiter.

Köln: Rattenplage am Kölnberg – Vermieter müssen sich darum kümmern

Doch wie geht es weiter? Was sagt die Stadt Köln? Sprecher Robert Baumanns erklärt: „Die Häuser am Kölnberg sind im Besitz unterschiedlicher Wohnungsgesellschaften – also in Privatbesitz. Für die ordnungsgemäße Entsorgung des Mülls müssen die Hauseigentümer sorgen, um Schädlingsbefall zu verhindern. Bei Auftritt von Schädlingsbefall müssen die Hauseigentümer für die Beseitigung sorgen.“ EXPRESS erhielt von der größten Gesellschaft keine Stellungnahme.

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