Umstrittene Kolumne EXPRESS checkt Adenauers Klima-Thesen: Hier ist das Ergebnis

Adenauer_Klima-Thesen

Konrad Adenauer, Enkel des ersten Kanzlers der Bundesrepublik

Köln – Er sorgte mit seinem Gastbeitrag im EXPRESS für Gesprächsstoff: Konrad Adenauer, Kanzler-Enkel und Präsident des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins, wetterte gegen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg (16). 

Hier können Sie den Text von Konrad Adenauer nochmal nachlesen.

Auf Social Media häuften sich die Kommentare. EXPRESS hat Adenauers Thesen mit Hilfe des Umwelt-Bundesamtes, der WDR-Sendung „Quarks“ und des Deutschen Wetterdienstes gecheckt.

Die Aussagen Adenauers legten den Verdacht nah, dass er in die Kategorie „Klimawandel-Leugner“ fällt. Aber was sagen die Fakten?

„Ich bin mir gar nicht sicher, ob das (der heiße Sommer, d. Red.) mit dem sogenannten Klimawandel zu tun hat oder ihn geradezu darstellt.“

Einzelne Extreme, wie der Sommer 2019, auf den Klimawandel zurückzuführen, ist problematisch. Klimaforscher sehen einen Trend der Zunahme von Extremtemperaturen in den vergangenen Jahrzehnten. Diese Häufung könne man durchaus mit dem Klimawandel begründen. Daten des Deutschen Wetterdienstes belegen, dass Mitte des 20. Jahrhunderts im Schnitt rund vier Tage im Jahr verzeichnet wurden, an denen es über 30 Grad waren. 2018 waren es bereits 20 solcher Tage.

„Nach den langfristigen Klimaaufzeichnungen haben sich die Mittelwerte nicht so sehr verändert.“

Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 haben sich die Mittelwerte der Temperatur zwar nur gering verändert, dennoch steigen sie zunehmend an. So lag der Wert 1881 noch bei 7,6 und mittlerweile liegt er bei 9,7 Grad Celsius. In 140 Jahren sind zwei Grad zu viel, wie Experten bestätigen.
„Auf jeden Fall brauchen wir kühlen Sachverstand und nicht die Aufregung, die an Massenhysterie grenzt. Statt Rationalität herrschen Emotionen vor, zu denen wir Deutsche neigen.“ Den Menschen wird immer mehr bewusst, wie wichtig das Thema ist. Es gebe ein Bewusstsein für die Dringlichkeit der Klimaprobleme, sagt die Generalsekretärin der UN-Klimakonferenz, Patricia Espinosa. „Das Tempo des Handelns bleibt aber zu langsam und muss beschleunigt werden“, sagt sie. „Die gute Nachricht ist, dass viel von dieser Arbeit bereits begonnen hat“, so Espinosa. Die bisherigen Anstrengungen der Länder reichten jedoch nicht aus, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Die kommenden beiden Jahre böten ein wichtiges Zeitfenster, um die Veränderungen herbeizuführen, „die wir so dringend brauchen“. Das hat nichts mit Hysterie zu tun, sondern die Situation erfordert schnelles Handeln! Viele Menschen seien allerdings zu bequem, wie Michael Kopatz vom Institut für Klima, Umwelt und Energie in Wuppertal gegenüber EXPRESS sagt: „Jeder von uns legitimiert sein Verhalten. Auch SUV-Fahrer legitimieren ihren Wagen. Wer so einen Wagen besitzt, sagt damit eigentlich, »die Klimakrise ist mir egal«. Doch wenn man die Menschen darauf anspricht, hört man die tollsten Erklärungen. Die sogenannten Klimaskeptiker helfen auch dabei, das Gefühl zu haben, dass das, was ich mache, in Ordnung ist.“

„Das Kohlendioxid (CO2) beträgt 0,038 % der Atmosphäre und ist daher zu vernachlässigen. Der Mensch verursacht nur 0,00152 % des Kohlendioxids. Daran ist Deutschland wiederum mit 3,1 % beteiligt, das sind 0,0004712 %.“

Das mag mathematisch richtig sein, aber allein der Wert sagt nichts darüber aus, wie sehr Kohlendioxid mit dem Klimawandel zusammenhängt. „Quarks“ erklärt, dass der Wasserdampf dabei den größten Effekt hat. Wir nehmen ihn als Wolken wahr. Er trägt zum natürlichen Treibhauseffekt bei. Das Problem dabei ist aber, dass der Anteil von Wasserdampf in der Atmosphäre von der Temperatur abhängt. Mehr CO2 führt also zu steigenden Temperaturen und das führt wiederum zu mehr Wasserdampf und verstärkt damit den Treibhauseffekt. In Deutschland sinken die Emissionen zwar kontinuierlich, aber in den nächsten Jahrzehnten müssen sie deutlich drastischer reduziert werden. 

„So ist es für uns eklatant wichtig, was die viel größeren CO2-Erzeuger tun, nämlich China (9839 Millionen Tonnen CO2), die USA (5270 Millionen Tonnen CO2), Indien (2467 Millionen Tonnen CO2) und Russland (1693 Millionen Tonnen CO2) gegenüber Deutschland mit 799 Millionen Tonnen CO2.“

Die Zahlen stimmen, allerdings sind sie ein Stück weit Augenwischerei. Denn in Sachen CO2-Ausstoß pro Kopf liegt Deutschland nach Statistiken der UNO mit 8,88 Tonnen weltweit auf Platz 24, deutlich vor China (6,57 Tonnen, Platz 40). Die USA (14,95 Tonnen, Platz 10) oder Russland (9,97 Tonnen, Platz 20) sind starke Umweltbelaster, haben ihren Pro-Kopf-Ausstoß in den letzten Jahrzehnten aber um jeweils ein Drittel verringert. Vor allem in Indien (1,57 Tonnen, Platz 104) hängt der hohe Gesamtausstoß aber mit der großen Menschenmenge zusammen. Dort leben derzeit knapp 1,4 Milliarden Menschen. In dieser Hinsicht kann sich Deutschland keinesfalls besser stellen als die übrigen Länder.

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Niedrigwasser am Rhein: ein Bild, an das wir uns in Zeiten des Klimawandels gewöhnen müssen?

„Also, liebe Greta Thunberg, fahr doch bitte nach China, Indien und die USA und sing dort dein Klagelied. Dann würdest du dir den sicheren Friedensnobelpreis wirklich verdienen. Unsere Bemühungen helfen weder der Welt noch uns.“

Keine Frage: Wenn sich nur in Deutschland etwas ändert, wäre das zu wenig. Immerhin lag der deutsche Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß 2016 „nur“ bei 2,23 Prozent. Aber: Das bedeutet Platz sechs im Gesamt-Ranking. Und durch den hohen Pro-Kopf-Ausstoß ist in Deutschland durchaus Einsparpotenzial vorhanden, im Gegensatz zu Indien (6,24 Prozent). Und: China (28,21 %) spuckt zwar zwölfmal so viel CO2 aus wie Deutschland, beherbergt aber auch 17 Mal so viele Menschen. In den USA (sieben Mal so viel CO2, vier Mal so viele Menschen) sieht es etwas anders aus. Aber: Dass Greta Thunberg bei den aktuellen Machtverhältnissen um Klima-Leugner Donald Trump („Wenn er nicht bereit ist, der Wissenschaft und Experten zuzuhören, wie soll ich ihn dann überzeugen?“) nicht in die USA geht, wer kann ihr das ernsthaft verdenken?

„Darüber hinaus ist gar nicht einmal sicher, ob das Kohlendioxid wirklich unser Klima verändert. Forscher sagen, dass die Steigerung des Kohlendioxids erst einem Erwärmungsplus folgt, nicht umgekehrt.“

Diese Verwirrung ist aus der Tatsache entstanden, dass in der geschichtlichen Abfolge von Eis- und Warmzeiten (siehe unten) der CO2-Anstieg dem Temperaturanstieg immer um ca. 1000 Jahre verzögert folgte, wie Studien zeigen. Aber: WENN die Erde wärmer wird, entsteht mehr CO2 in der Atmosphäre. Weil dann mehr CO2 aus dem Wasser in die Atmosphäre entweicht. Aber DASS die Erde wärmer wird, ist auch eine Folge von mehr CO2 in der Atmosphäre. Dass der Effekt von mehr Kohlendioxid auf das Weltklima nicht erforscht bzw. sicher ist, stimmt so also nicht. Stattdessen ist klar: Wenn sich CO2- und Temperatur-Anstieg gegenseitig verstärken, hat das nur negative Folgen.

„Und: Wie sind die früheren Klimaveränderungen mit Eiszeiten und Warmzeiten zu erklären, als der Mensch noch keine Industrien besaß?“

Das Weltklima wechselt seit etwa drei Millionen Jahren zwischen zwei Extremen, Eis- und Warmzeiten. Allerdings beträgt der Zeitraum für den Wechsel zwischen den Perioden etwa 100000 Jahre, die Schwankungen vollziehen sich also sehr langsam. Das ändert sich durch den aktuellen Klimawandel, der schnell voranschreitet. Studien gehen von bis zu fünf Grad Erderwärmung bis zum Jahr 2100 aus, wenn der aktuelle Trend anhält. Laut Umweltbundesamt steigt die Temperatur in Deutschland zwischen 2070 und 2100 teilweise um 2,5 Grad. Gleichzeitig wird das Wetter auch extremer: Weniger Niederschlag im Sommer (bis 30 Prozent), dafür deutlich mehr im Winter (bis zu 80 Prozent). Solche extremen Schwankungen sind mit den „normalen“ Veränderungen des Klimas (die tausende von Jahren dauern und vor allem mit der geometrischen Form der Erdumlaufbahn zu tun haben) nicht zu erklären. 

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