Urteil nach Raub Kerpener Tankstellen-Mitarbeiter ließ sich zum Schein überfallen

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Die Angeklagten El-Hadj R. (22, l.) und Bilal M. (23)  überfielen in Kerpen zwei Tankstellen und drei Bäckereien.

Köln/Kerpen – Mit einem vergleichsweise milden Urteil ist am Donnerstag der Strafprozess die Kerpener El-Hadj R. (22) und Bilal M. (23) vor dem Kölner Landgericht zu Ende gegangen.

Staatsanwalt forderte mehr

Für eine Raubserie auf Tankstellen und Bäckereien erhielten sie jeweils eine Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. Damit blieb das Urteil weit unter dem Strafantrag des Staatsanwalts, der in seinem Plädoyer sieben Jahre bzw. sieben Jahre und neun Monate Gefängnis für die Täter gefordert hatte.

Seit ihrer Kindheit kannten sich die Angeklagten, wie der Vorsitzende Richter Harald Helmes in seiner Urteilsbegründung ausführte. Der Lebenslauf der Beschuldigten verlief ähnlich. Beide machten nach dem Hauptschulabschluss ihre mittlere Reife nach, beide fanden keinen Ausbildungsplatz und lebten noch zu Hause und vom Taschengeld der Eltern. Das wollten sie sich auf kriminelle Weise aufbessern.

Erster Überfall war fingiert

Die  Serie von Überfällen startete im Oktober des Vergangenen Jahres kurios. Denn der zunächst als Raub auf eine Tankstelle in der Sindorfer Straße angeklagte Fall entpuppte sich als fingiert. Die beiden Täter hatten gemeinsame Sache mit einem ihnen bekannten Mitarbeiter gemacht, ihn zum Schein bedroht. Der Mann gab bereitwillig Geld und Zigaretten im Wert von 3.000 Euro heraus.

Erst vor dem Richter hatte er seine Rolle bei dem Überfall offenbart. Ihn erwartet nun ebenfalls ein Strafverfahren. Anderthalb Monate später überfielen die Räuber die gleiche Tankstelle. Diesmal war niemand eingeweiht und die Beute, vor allem Zigaretten, behielten die Täter komplett für sich.

Raub auf Bäckereien

Im neuen Jahr verlagerten die beiden Angeklagten ihren Fokus auf Bäckereien in der Kerpener City. Mit Sturmhauben maskiert und echt wirkender Plastikpistole überfielen sie eine Filiale in der Hahnenstraße, erbeuteten 1520 Euro. Zwei Tage später machte sich der älter Angeklagte alleine auf, in unmittelbarer Nähe zum ersten Tatort nötigte er Verkäuferinnen einer weiteren Bäckerei, ihm 2900 Euro auszuhändigen.

Drei Wochen später wollte er dort mit seinem Komplizen erneut zuschlagen. Er verschlief seinen Einsatz aber. „Es hätte sich eh nicht für zwei Leute gelohnt“, schrieb ihm der 22-Jährige, der alleine 1047 Euro erbeutet hatte, nach der Tat per Kurznachricht aufs Handy.

Nach Zeugen-Hinweis festgenommen

Das Räuber-Duo wollte laut gemeinsamen Tatplan am 18. Februar diesen Jahres eine weitere Bäckerei in der Nähe überfallen. Sie schlichen früh morgens aber so verdächtig auf einem Grundstück umher, dass eine besorgte Anwohnerin die Polizei rief. Die Beamten konnten einen der Angeklagten noch am Tatort festnehmen.

Ihr frühes Geständnis habe die Beweisaufnahme erheblich abgekürzt, sagte der Vorsitzende Richter. Auch hätten sich die Angeklagten aufrichtig entschuldigt. Über seine Familie habe der 22 Jahre alte Täter zudem schon insgesamt 3000 Euro an sechs teilweise traumatisierte Opfer gezahlt. Auch der Mitangeklagte will Schmerzensgeld aufbringen.

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(exfo)

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