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Schlammschlacht im KarnevalMusste Präsident zurücktreten, weil er schwul ist? Verein wehrt sich

Gabriel Geishüttner steht in Montur vor einem Schloss.

Gabriel Geishüttner liebt das bunte Treiben und war bis vor wenigen Tagen noch Präsident beim Ründerother Karnevalsverein.

Zu einer waschechten Schlammschlacht ist es im beschaulichen oberbergischen Ründeroth gekommen, wo der Präsident des Karnevalsvereins zurückgetreten ist.

von Niklas Brühl (nb)

Am Samstagabend (28. Januar 2023) findet im beschaulichen Ründeroth, einem Ortsteil von Engelskirchen im oberbergischen Kreis, die große Kostümsitzung statt – organisiert vom Ründerother Karnevalsverein (RKV). Ob an diesem Tag aber allen Gästen so wirklich zum Feiern zumute ist, ist äußerst fraglich.

Denn: Vor wenigen Tagen ist der gerade einmal 19-jährige Präsident Gabriel Geishüttner zurückgetreten. Allerdings nicht in beiderseitigem Einvernehmen, wie es so oft so schön heißt. Voran gegangen sind schwere Vorwürfe – und mutmaßliche Aussagen, die skandalös klingen.

Karneval: 19-jähriger Präsident soll zurücktreten

Der 19-jährige Geishüttner wuchs in einer Karnevals-verrückten Familie auf. Umso weniger musste er nachdenken, als im Ründerother Karnevalsverein im Juni 2022 ein neuer Präsident gesucht wurde und er sich kurzerhand in seinem jungen Alter aufstellte – und schließlich auch gewählt wurde.

In der Zeit sei es laut Geishüttner immer mal wieder zu Unstimmigkeiten innerhalb des Vereins gekommen – „aber das ist ja normal“, betont der 19-Jährige gegenüber EXPRESS.de.

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Auch nach einem Termin am 4. Januar 2023 seien Unklarheiten aus der Welt geschafft worden und auf Geishüttners Frage, ob es noch weitere Anmerkungen gebe, sei es beim RKV still geblieben. Am 11. Januar folgte im beschaulichen 3400-Seelen-Örtlichen dann aber der Knall – und dem 19-Jährigen wurde der Rücktritt nahegelegt.

Rücktritt als Präsident: Haarsträubende Anschuldigungen an Karnevalsverein

Aber wieso? Geishüttner lebt offen homosexuell, ist dazu Verfechter des sogenannten Pupplays (Englisch für „Menschliches Hundespielen“) – Menschen verkleiden sich dabei als Hunde und der Lebensstil gilt als Fetisch.

Der 19-Jährige postete ein Foto auf einem Instagram-Account, welches ihn mit Hundemaske und Narrenkappe zeigte. Allerdings war darauf weder sein Gesicht noch sein Klarname zu erkennen. Geishüttner rechnet mit einer Intrige. „Das auszuleben ist für mich so etwas wie Urlaub im Kopf. Man ist für die Außenwelt unkenntlich und es ist vollkommen nonsexuell. Ich wurde aber in die verschiedensten verdorbenen Schienen geschoben. Es reicht“, sagt der 19-Jährige.

Der RKV wurde auf das Foto aufmerksam und legte dem Präsidenten nahe, sein Amt niederzulegen. Bei einem Gespräch mit Geishüttner und dem geschäftsführenden Vorstand am 12. Januar sollen dann haarsträubende Sätze in Richtung des 19-Jährigen gefallen sein, die er in einem Statement an die Mitglieder offenlegte und nun auch EXPRESS.de zur Verfügung stellte.

Laut seinen Angaben sollen unter anderem folgende Sätze des RKV-Vorstands gefallen sein:

  • „Wir sind im oberbergischen Kreis dazu nicht tolerant.“
  • „Ich möchte nicht, dass ich bei einer Sitzung angebellt werde, wenn ich auf die Bühne gehe.“
  • „Bitte sei schlau, trete zurück, ich habe keinen Bock den ganzen dummen Mitgliedern zu erklären, was da gelaufen ist, damit sie dich abwählen.“
  • „Wir möchten nicht angerufen werden, warum du immer noch auf der Bühne stehst. Wir stehen nicht hinter dir.“

Im Folgenden sah sich Geishüttner immer wieder Bedrohungen ausgesetzt, da er die Vorgehensweise des Vereins nicht akzeptieren wollte. Ihm sei geraten worden, mit Polizeischutz zur Mitgliederversammlung zu kommen.

Ihm wurde gesagt, dass solche Probleme „damals“ anders gelöst worden wären. Außerdem sei er auf einer Veranstaltung von einem hochrangigen Vereinsmitglied als „abartig“ bezeichnet worden und als jemand, „der hier nicht erwünscht ist“.

Grünen-Politiker unterstützt Gabriel Geishüttner

Gabriel Geishüttner ist mittlerweile eigenständig zurückgetreten. Laut eigenen Angaben, weil er sich im Umfeld des Vereins nicht mehr sicher gefühlt habe. „Diese unglaubliche Intoleranz bestürzt mich zutiefst. Es ist einfach zu extrem, was meine Familie und ich mit 19 Jahren in den letzten Tag für ein Ausmaß an Hass, Beleidigungen und Anfeindungen erfahren haben“, sagt der 19-Jährige gegenüber EXPRESS.de.

Zur Seite springt ihm unter anderem Niclas Ehrenberg (28), Grünen-Politiker aus Düsseldorf, der ebenfalls für seine Pupplay-Vorliebe bekannt ist: „Es ist beschämend, wie man mit ihm umgeht. In einer Zeit, wo Toleranz eigentlich kein Thema mehr sein sollte, ist dies mehr als verwunderlich. Dass ein Karnevalsverein behauptet tolerant zu sein und dann so handelt, zeigt für mich, dass wir noch nicht am Ziel sind – und wir daher weiterhin CSD und Aufklärung brauchen.“

Schwere Anschuldigungen: Ründerother Karnevalsverein wehrt sich

Gegenüber EXPRESS.de stellt sich Hans-Jürgen Merten, Vorsitzender des RKV, entschieden gegen die schwerwiegenden Vorwürfe: „Wir stehen in unserem Verein sehr wohl für Vielfalt und Toleranz und das weiß Herr Geishüttner eigentlich auch. Vielmehr haben uns immer wieder missachtete Absprachen und Alleingänge zu diesem Schritt bewogen.“ Das Foto sei dann nur die Spitze des Eisbergs gewesen – obwohl es eigentlich gar nicht um das Foto an sich ging.

„Jeder darf in seiner Freizeit machen, was er möchte. Sich mit so einer Maske und unserer Präsentationsjacke ablichten zu lassen, geht allerdings nicht. Das wäre auch in einem heterosexuellen Swingerclub nicht gegangen“, sagt Merten.

Geishüttner sei nie ein Teamplayer gewesen, habe immer seinen eigenen Weg im Verein verfolgt – nun sei das Fass einfach übergelaufen. Der Vorsitzende Merten weiter: „Wir hatten bereits einen schwulen Prinzen bei uns, stehen alle mitten im Leben und machen das alles hier ehrenamtlich. Dass unsere Mitglieder und der Verein derzeit so in den Dreck gezogen werden, tut mir im Herzen weh.“

Auf die Zitate, die in der Sitzung am 12. Januar 2023 mit Gabriel Geishüttner gefallen sein sollen, wollte Hans-Jürgen Merten nicht eingehen. Es ist eine Schlammschlacht im Karneval im beschaulichen Ründeroth vor den Toren Kölns, bei der das letzte Wort wohl noch lange nicht gesprochen ist.