Demo gegen Iran-Präsidenten Kölner schildert Folter und Hinrichtungen im Gefängnis

Ebrahim Raisi, Kandidat der Präsidentenwahl im Iran, bei der Stimmabgabe in einem Wahllokal am 18. Juni 2021.

Ebrahim Raisi bei der Wahlabgabe am 18. Juni in Teheran: Gegen den designierten Präsidenten soll am 10. Juli in Berlin demonstriert werden.

Großer Protest nach der Präsidentschaftswahl im Iran angekündigt: In Berlin wollen tausende Iraner gegen das designierte Staatsoberhaupt Ebrahim Raisi demonstrieren. Darunter der Kölner Ali Sajadi, der die Gräueltaten des ultrakonservativen Raisi am eigenen Leib erfahren hat.   

Köln. Für viele Iraner war die Wahl des neuen Präsidenten am 18. Juni ein Schlag ins Gesicht. Denn der Sieg des designierten ultrakonservativen Staatsoberhaupts Ebrahim Raisi (60), bisheriger Justizminister, war nur eine Formsache. Er gilt als Mitverantwortlicher des Massenmordes an Tausenden politisch Gefangenen in den 1980ern. Der Kölner Taxifahrer Ali Sajadi (70) hat die Gräueltaten des Regimes als junger Mann im Gefängnis miterlebt. Im EXPRESS erzählt er, warum er am 10. Juli in Berlin mit Tausenden gegen Raisi protestieren will.

Der Kölner Taxi-Fahrer Ali Sajadi hält ein Plakat mit Bezug auf die Demo gegen den iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi am 10. Juli in Berlin.

Ali Sajdi erinnert sich im EXPRESS an die Zeit im iranischen Gefängnis. Er will am 10. Juli auch zur Demo gegen den iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi.

Für Ali Sajadi ist klar: An Ebrahim Raisis Händen klebt das Blut von unzähligen unschuldigen Menschen. Raisi – schon als 20-Jähriger Generalstaatsanwalt – war nach dem Aufstand der reformorientierten Bevölkerung zuständig für die „Säuberung“ von Gefängnissen. Er war Teil des sogenannten „Gremium des Todes“, das im Auftrag von Ayatollah Chomeini Tausende Gefangene hinrichten ließ.

Köln: Taxi-Fahrer Ali Sajadi schildert Folter und Hinrichtungen in iranischem Gefängnis

„Viele Menschen wurden wahllos getötet. Unzählige Jugendliche, sogar der damalige Kapitän der Nationalmannschaft Habib Khabiri, der mein guter Freund und Mitspieler war“, erinnert sich der Kölner Taxi-Fahrer, der von 1970 bis zu seiner Verhaftung 1981 Profifußballer gewesen ist. Er spielte als Libero bei dem Erstligisten „Homa“ in Teheran und habe vor seiner Haft „ein gutes Leben“ geführt.

Seit 2000 lebt er mit seiner Familie als Exilant in Deutschland, heute in Leichlingen. „Solange die Mullahs an der Macht sind, kommt für uns eine Rückkehr nicht in Frage“, sagt er.

Ein Mannschaftsfoto mit Ali Sajadi und seinem Team Homa für das im Iran als Profifußballer in den 1970ern aktiv gewesen ist.

Ein Mannschaftsfoto aus den 1970er Jahren: Ali Sajadi (obere Reihe, 2.v.r.) war elf Jahre Profifußballer, bevor er im Iran verhaftet wurde. Drei seiner Mitspieler wurden hingerichtet. Darunter auch der damalige Kapitän der Nationalmannschaft, Habib Khabiri (untere Reihe, 2.v.r).

Der unscheinbare ältere Mann hat die unmenschlichen Zustände in den Gefängnissen selbst erlebt. „Ich war als Gegner des Regimes fünf Jahre im Gefängnis. Folter und Hinrichtungen waren an der Tagesordnung. An manchen Tagen wurden bis zu 200 Menschen hingerichtet. Alles auf Anordnung von Raisi. Die Wärter haben uns mit brutalen Methoden misshandelt und sich daran erfreut. Ich wurde mit dicken Kabeln verprügelt und lebe bis heute mit den Folgen.“

Seine Verurteilung bei einem Scheinprozess, bei dem er eine Augenbinde getragen habe, soll fünf Minuten gedauert haben. „Wenn man einmal drinnen gewesen ist, war es ungewiss, ob man wieder rauskommt. Ich hatte schlicht Glück, dass ich überlebt habe“, schildert er.

Aus Sicht des Regimes gelten die iranischen Volks-Mujaheddin, also die reformorientierten Iraner wie Ali Sajadi, als „Feinde Gottes“, die vom Regime „schlimmer als Terroristen“ angesehen werden, wie der Kölner erklärt. Zwei Jahre verbrachte er im berüchtigten „Evin-Gefängnis“ in Teheran, wo derzeit die Kölnerin Nahid Taghavi seit dem 16. Oktober 2020 als politische Gefangene festgehalten wird.

Ali Sajadi als aktiver Fußballer in den 1970ern au dem Feld.

Ali Sajadi als aktiver Fußballer: Er hatte elf Jahre als Profi gespielt, bevor er verhaftet wurde.

Die Wahl von Raisi zum Präsidenten habe bei ihm „Hass und Ekel“ ausgelöst. Bei einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung von 48,8 Prozent gewann Raisi gegen den reformorientierten Abdolnaser Hemmati. Sajedi glaubt, wie viele andere Iraner, dass Raisi „der letzte Trumpf“ der Mullahs ist und hofft auf eine bessere Zukunft für den Iran.

Berlin: Tausende zu Demo gegen iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi am Brandenburger Tor erwartet

„Wir sind von Anfang an für einen freiheitlich demokratischen Iran gewesen, der dem Land, dem Nahen Osten und der ganzen Welt gut tun wird. Dafür werden wir in Berlin demonstrieren“, sagt er.

Berlin: Tausende zu Demo gegen iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi erwartet

Zu der Demo am Brandenburger Tor werden am Samstag (10. Juli) laut Veranstalter 8000 Teilnehmer erwartet. Mitorganisator ist die deutsch-iranische Gesellschaft. Deren Kölner Mitglied Simin Manafi fordert die Bundesregierung und die EU, auch im Namen des Nationalen Widerstandsrats Iran (NWRI), auf, sich der Forderung von Amnesty International anzuschließen.

Die Forderung von Amnesty-Generalsekretärin Agnes Callamard: „Gegen den jetzt ernannten Mullah-Präsidenten Ebrahim Raisi müssen strafrechtliche Ermittlungen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufgenommen werden. Der landesweite Wahlboykott hat die Forderung der iranischen Bevölkerung und seines legitimen Widerstandes nach Freiheit und Demokratie unterstrichen. Die Bundesregierung und die EU müssen sich an die Seite der iranischen Bevölkerung stellen und die Illegitimität dieses Regimes benennen.“

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