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Neun Jahre Kampf Kölns Kinder feiern: Politiker korrigieren unsinnige Entscheidung

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Das ehemalige Heimkind Monika Huth (l.) auf dem Platz des ehemaligen Heimgeländes in Köln-Sülz, dem neuen „Platz der Kinderrechte“.

Köln – Es ist der Triumph der Kinder! Fast genau eineinhalb Jahre nach dem ersten EXPRESS-Bericht über die umstrittene Benennung des ehemaligen Sülzer Kinderheimgeländes nach dem Kölner Oberstadtdirektor Heinz Mohnen (1914 bis 2005) hat die Politik den Platz umbenannt – und nun allen Kindern gewidmet!

Köln: Heinz-Mohnen-Platz wird zum Platz der Kinderrechte

Der neue Name: „Platz der Kinderrechte“! Damit hat die Bezirksvertretung Lindenthal mit Bürgermeisterin Helga Blömer-Frerker (CDU) ihre Entscheidung aus dem Jahr 2011 korrigiert – der Beschluss fiel einstimmig mit den Stimmen von CDU, Grünen, SPD, FDP und Die Linke.

Anstatt das Andenken an die Geschichte des Ortes, Standort des einst größten Kinderheims Deutschlands, zu wahren, war das Areal dem früheren Kölner Amtsgerichtsdirektor und Verwaltungschef Heinz Mohnen (SPD, Oberstadtdirektor von 1965 bis 1978) gewidmet worden. Und das gegen den Rat der Stadtverwaltung, die einen Namen mit Bezug zu Kindern und Pädagogik empfohlen hatte.

Platz der Kinderrechte: Ex-Heimkind konnte Brief von Heinz Mohnen vorweisen

Zufall, bittere Ironie oder einfach Fügung: Ein Ehemaliger des Heims, der als Kind in den 60er Jahren mehrere Jahre in Obhut einer Nonne lebte und unter ihren Erziehungsmethoden litt, konnte einen Brief des Oberstadtdirektors aus dem Jahr 1966 vorweisen.

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Eines von rund 22.000 Kindern aus der fast 100-jährigen Geschichte des Heims in Köln-Sülz.

Mohnen, als Chef der Verwaltung in letzter Instanz auch mit Dienstbeschwerden konfrontiert, hatte die Mutter des damals fünfzehnjährigen Jungen, die über die schlechte Behandlung ihres Sohnes klagte, abgekanzelt: Ihre Vorwürfe seien haltlos, sie entbehrten jeder Grundlage – zudem sei der Wert von Kinderaussagen generell zweifelhaft.

Heinz Mohnen: EXPRESS hatte NS-Vergangenheit aufgedeckt

Als Mitglied im Verein „Feks“ (Förderverein Erinnerungsorte Kinderheim Köln-Sülz) hatte das frühere Heimkind, der heute 69-Jährige Peter Halberkann, erreicht, dass diese Aussage Mohnens auf einer Gedenktafel kritisch erwähnt wird. Mohnen war nun auf „seinem“ Platz gleichzeitig geehrt und geächtet.

Heinz Mohnen

Heinz Mohnen (1914-2005) war Jurist und zwischen 1965 und 1977 Oberstadtdirektor von Köln.

Im Zuge der EXPRESS-Recherchen stellte sich dann heraus: Mohnen war früher Mitglied der NSDAP und SA sowie als Blockwart aktiv gewesen.

Platz der Kinderrechte: Ex-Heimkinder sind glücklich über Umbenennung

Ehemalige des Kinderheims sind nun glücklich über die Umbenennung. Peter Halberkann erklärt gegenüber EXPRESS: „Für mich bedeutet dieser Entschluss die Vollendung des Gesamtprojekts 'Erinnerungsorte.' Wir wollten kein Betroffenheitsmahnmal schaffen. Von diesem Ort, wo in fast 100 Jahren seiner Geschichte so viele Dinge passiert sind, sehr schlimme, aber auch gute, sollte eine aktive, positive Wirkung ausgehen. Als Platz der Kinderrechte ist dies nun gelungen!“

Kölner Platz: „Lebensgeschichten sind mit diesem Ort verbunden”

Monika Huth (55), die 1968 als Dreijährige ins Kinderheim kam und bis zum 18. Lebensjahr dort lebte, sagt: „Die Lebensgeschichten von 22.000 Kindern sind mit diesem Ort verbunden. Ich habe hier gute Jahre erlebt, es war mein Zuhause. Andere gingen durch die Hölle und sind daran zerbrochen.“

Als EXPRESS sie jetzt auf dem Heimgelände trifft, setzt sie sich auf einen der drei Findlinge, die zur Erinnerungsstätte gehören. In den Stein gemeißelt lauten die jeweiligen Inschriften: „Für alle Kinder, die früher hier lebten. Für alle Kinder, die heute hier leben. Für alle Kinder, die künftig hier leben werden.“