Veedel „blutet aus“Deutzer Freiheit: Anwohner rechnet mit Kölner Verkehrsversuch ab

Die Deutzer Freiheit ist autofrei.

Kein Durchkommen: Die Deutzer Freiheit ist seit Juni 2022 für den Autoverkehr gesperrt.

Die Deutzer Freiheit ist seit Juni 2022 autofrei. Der Verkehrsversuch steht in der Kritik – auch bei Anwohner Wilhelm Weiß.

von Niklas Brühl (nb)

Die autofreie Deutzer Freiheit – seitdem die Maßnahmen der Stadt im Juni 2022 umgesetzt wurden, herrschen im Veedel Diskussionen. Die Haupteinkaufsstraße in Deutz ist vom Autoverkehr befreit worden – klar, dass vor allem die Gewerbetreibenden mit dieser Entscheidung überhaupt nicht konform sind.

Es gab bereits Proteste, nun gibt es sogar eine Klage der Initiative Deutz gegen den Verkehrsversuch und damit gegen die Stadt Köln. In EXPRESS.de äußert sich Wilhelm Weiß, der seit seiner Geburt im Jahr 1965 im rechtsrheinischen Veedel lebt, als Ur-Deutzer zur aktuellen Situation. Auch er als Anwohner ist überhaupt nicht begeistert von den verkehrsberuhigenden Maßnahmen.

Verkehrsversuch auf der Deutzer Freiheit: Veedel „blutet aus“

Mit der Klage will die Initiative Deutz, in der sich Geschäftsleute und Anwohnende zusammengeschlossen haben, gerichtlich gegen das Auto-Verbot auf der Deutzer Freiheit vorgehen.

Das Ziel ist klar: Ein sofortiges Ende des Verkehrsversuchs, damit die Straße wieder für den allgemeinen Verkehr freigegeben wird. So seien Interessen der Gewerbetreibenden und Anwohnenden bei dem Verkehrsversuch von der Stadt nicht ausreichend berücksichtigt worden.

So sieht das auch Wilhelm Weiß, der in der Kasemattenstraße, einer Parallelstraße der Deutzer Freiheit, wohnt. Der Anwohner bezeichnet die aktuelle Situation in seinem Veedel als „verkorkst“ und erzählt EXPRESS.de seine persönliche Sichtweise als direkt betroffener Deutzer. „Zuerst einmal möchte ich Ihnen schildern, wie der Zustand der Deutzer Bevölkerung aussieht. Durch den Verkehrsversuch hat man einen regelrechten Graben durch Deutz gezogen, den es hier so noch nicht gab“, sagt der Anwohner.

Wilhelm Weiß schaut in die Kamera.

Anwohner Wilhelm Weiß beschwert sich über die autofreie Deutzer Freiheit.

Die Stadt und die Politik hätten in keiner Weise bedacht, dass es mit der Deutzer Freiheit im Stadtteil nur eine einzige Einkaufsstraße gibt. „Und wenn hier die wenigen Läden nach und nach schließen müssen, weil sie Umsatzeinbußen von bis zu 80 Prozent zu verkraften haben, wird das Herz von Deutz in nicht allzu langer Zeit ausgeblutet sein“, sagt Wilhelm Weiß gegenüber EXPRESS.de.

Deutzer Anwohner berichtet von vermüllten Sitzmöglichkeiten

Es seien nicht nur Menschen in Deutz gerne in der Straße einkaufen gegangen – auch von außerhalb habe es regen Publikumsverkehr gegeben. Dieser sei nun, durch die autofreie Deutzer Freiheit und die schlechten Parkmöglichkeiten rund herum, nahezu komplett weggefallen.

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Weiß sagt: „Man kann es vergleichen mit einem menschlichen Blutkreislauf. Das Herz muss immer durchblutet sein, wenn man aber die Blutzufuhr unterbricht, dann kommt es zu einem Infarkt. Und das passiert hier gerade mit der Deutzer Freiheit. Unsere Lebensader ist größtenteils vom lebensnotwendigen Autoverkehr abgeschnitten.“

Die Argumentation der Verantwortlichen, die Aufenthaltsqualität der Deutzer „Lebensader“ durch das Auto-Verbot mit beispielsweise Sitzmöglichkeiten oder Blumenkübeln zu verbessern, sei ebenfalls gescheitert.

Müll rundum eine Sitzbank auf der Deutzer Freiheit.

Vermüllte Sitzmöglichkeiten auf der Deutzer Freiheit laden nicht gerade zum Verweilen ein.

Wie der Anwohner beschreibt und mit Fotos immer wieder festhält, werden diese eher als Toiletten, Schlafmöglichkeiten oder Mülleimer benutzt. Schön ist anders – und zum längeren Verweilen laden die Sitzbänke in solchen Zuständen auch nicht ein.

Ein Obdachloser liegt auf einer Bank auf der Deutzer Freiheit.

Immer wieder nutzen obdachlose Menschen die Bänke auf der Deutzer Freiheit als Schlafmöglichkeit.

„Und umweltfreundlich ist es darüber hinaus auch überhaupt nicht, wenn auf der Deutzer Freiheit irgendwann keine Läden mehr zum Einkaufen sind, wenn es so weiter geht. Dann muss ich nämlich mit meinem Auto kilometerweit zum nächsten Laden fahren und wieder unnötig CO2 in die Umwelt blasen“, sagt Wilhelm Weiß.

In Deutz bleibt der Verkehrsversuch weiterhin ein viel diskutiertes Thema. Erst im April hatte die Stadt weitere Anpassungen vorgenommen und die Deutzer Freiheit teilweise wieder für den Autoverkehr geöffnet.