Kölner Bodyguard-Boss Auftragstäter, Psychopathen und Co.: Diese sechs Attentäter-Typen gibt es

Der Kölner Securityprofi Stefan Bisanz bei Gericht.

Der Kölner Stefan Bisanz ist Experte in Sachen Personenschutz.

„Taxi driver“. „In the line of fire“. „JFK“. „Bodyguard“. Das Thema Personenschutz fasziniert nicht nur Kinobesucher. Gerade im Wahlkampf ist es ein heißes Thema: Politiker begegnen ihnen unbekannten Menschen auf der Straße, werden daher von Profis begleitet.

Köln. In Erfurt vor wenigen Tagen kam ein Mann Kanzlerkandidat Armin Laschet auf dem Podium einer Wahlkampfveranstaltung ungewohnt nahe. Es entbrannte eine öffentliche Diskussion über die Bilder des Auftritts: Hat die Security versagt? War Laschet leichtsinnig? 

Stefan Bisanz (59) hat dazu eine klare Meinung. Der Kölner Sicherheitsexperte weiß, wovon er spricht. Seit mehr als 25 Jahren ist der frühere Feldjäger als Chef einer Sicherheitsfirma mit mehr als 60 festangestellten Mitarbeitern mit seinem Geschäftspartner selbständig. Und vor allem ist er, im deutschsprachigen Raum einzigartig, seit 2010 vereidigter Sachverständiger für Personenschutz bei Gericht.

Wie sieht er die Entwicklung der Szenen im Wahlkampf? Leben Politiker tatsächlich immer gefährlicher? Das Interview mit dem Experten.

Herr Bisanz, was für Leute beschützen unsere Politiker?

Bisanz: Der Politikerschutz läuft über das Bundeskriminalamt (BKA), das geht dann auf die Landesebene runter. Es gibt manchmal Maßnahmen, bei denen Personenschutzdienstleistungen im erweiterten Bereich der Aufklärung und des Innenschutzes eingesetzt werden, aber das ist ganz selten. Ein normaler Abgeordneter hat auch gar keinen Personenschutz, weil das kräftemäßig nicht zu leisten ist. Das ist schade, weil man weiß, was ja in Wahlkämpfen los sein kann.

Kölner Sicherheitsprofi: „Die Zündschnur ist kürzer geworden“

Leben Politiker tatsächlich im Vergleich zu früher heute gefährlicher?

Bisanz: Ja. Die Gesellschaft hat sich mehr dahin entwickelt, mehr Informationen über die sozialen Medien zu erhalten und sich schneller aufzuregen. Die Leute sind gereizter und dünnhäutiger. Die Zündschnur ist kürzer geworden, auch durch die Pandemie hat sich das erheblich verstärkt.

Armin Laschet, CDU-Kanzlerkandidat, spricht während einer Wahlkampfveranstaltung der CDU Thüringen mit einem Mann, der auf das Podium gekommen ist.

In Erfurt kam am 3. September ein Mann dem Kanzlerkandidaten Armin Laschet auf dem Podium sehr nahe.

Inwiefern?

Bisanz: Querdenker, Impfgegner, da mischt sich anderes Potenzial von Gruppierungen ein, das die Leute aufhetzt. Politiker, die die Bürgernähe suchen, sind mehr gefährdet als in vorherigen Wahlkämpfen.

Wie kann man dem entgegenwirken?

Bisanz: Weiterbildung ist wichtig! Aber: Die wird leider vernachlässigt. Sowohl privat als auch behördlich. Nicht jeder Personenschützer muss ein Schwarzgurtträger sein. Doch was in Sachen Tätertypen die Analyse und das sogenannte Vortat-Verhalten angeht, das sind ganz wichtige Themen, da hat sich eine Menge getan, das muss weitergebildet werden.

Was für Merkmale gibt es bei Attentätern?

Bisanz: Ich definiere sechs Tätertypen: Den Kriminellen, den Auftragstäter, den Psychopathen, den Terroristen, den persönlichen Feind und den verzweifelt Gescheiterten. Sie alle haben eine andere Motivation diese Tat durchzführen.

Welche gibt es zum Beispiel?

Bisanz: Der Kriminelle etwa sucht nach Geld, dem ist das Opfer egal. Der persönliche Feind aber, der will dagegen nur Sie. Der Kriminelle muss das Opfer observieren, den können wir Personenschützer daher viel besser entdecken. Der persönliche Feind aber weiß genau, wann und wo das Opfer zum Beispiel Tennis spielen geht. Die Täter sind grundsätzlich feige. Bis auf den Psychopathen abgesehen, wollen sie nicht gefasst oder verletzt werden.

Wie haben Sie aktuell die Szene mit Ministerpräsident Armin Laschet gesehen, der auf einer Bühne im direkten Kontakt zu einer Person stand?

Bisanz: Es gibt Leute, die Laschets souveräne Art bejubeln. Aus meiner Sicht war das Ganze katastrophal. Der Mann hätte Säure, ein Messer zücken können. Das ging mit der Absprerrung los, da gab es nur eine Kordel. Über ein Gitter rüberzuspringen, ist da ein ganz anderer Aufwand, der Personenschützer braucht ja eine halbe Sekunde zur Wahrnehnumg. So hart das klingt: Wäre es ein Attentäter gewesen, gäbe es jetzt einen Kandidaten für das Kanzleramt weniger.

Was sagen Sie zu Laschets Verhalten?

Bisanz: Sinnbild für Vertrauensverlust. Wenn man die Bilder sieht, kann man denken: Der lässt sich gar nicht schützen. Es steht ihm auch gar nicht zu, die Personenschützer wegzuschicken. Das kann er gar nicht entscheiden, das geht nur in der freien Wirtschaft. Da kann mich meine Schutzperson meiner Aufgabe entbinden. Aber ein Staatsdiener kann das nicht.
Wen begleiteten Sie selbst und wen begleiten Ihre Leute?

Stefan Bisanz auf dem Weg ins Gericht.

Der 59-Jährige ist vereidigter Sachverständiger für Personenschutz bei Gericht.

Bisanz: Aus Diskretionsgründen darf ich das nicht nennen. Nur so viel: Wir sind in ganz Deutschland tätig. Wir haben keinen Vertrieb, werben nicht. Die Erfahrung aus 25 Jahren spricht sich herum,

Sind Sie selbst schon verwundet oder schwer bedroht worden?

Bisanz: Wir sprechen auch nicht über Verletzungen oder den Einsatz der Schusswaffe. Aber natürlich war ich in der Zeit, ich bin fast 60, in die ein oder andere Auseinandersetzung verwickelt. Man soll sich in diesem Job auch mit der Angst beschäftigen. Er macht nur Sinn, wenn man bereit ist sein Leben einzusetzen für die Schutzperson. Angst macht vorsichtiger, sie darf natürlich nicht in Panik münden.

Was machen Sie bei Gericht?

Bisanz: Ich bin vereidigter Sachverständiger für Personenschutz, der einzige seit Februar 2010 im deutschsprachigen Raum. Ich sehe durch die Prozessbeobachtung viele Täter, spüre das Böse, das in diesen Menschen steckt. Oft wollen Opfer von mir wissen, warum gerade sie entführt worden sind. In Deutschland bilden Krininelle das größte Täterprofil, weltweit Terroristen.

Gibt es das perfekte Attentat?

Bisanz: Denken Sie an die RAF-Morde. Wir Personenschützer müssen alles dafür tun, dem Attentäter auf dem Weg zur Tat entgegen zu kommen. Das ist der Optimalfall.

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