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Bald wieder in Freiheit Franziska Beltracchi: Mein Vater, der Meisterfälscher

Franziska Beltracchi und ihr Vater, der sie im altmeisterlichen Stile des Renaissancemalers Botticelli porträtierte

Franziska Beltracchi und ihr Vater, der sie im altmeisterlichen Stile des Renaissancemalers Botticelli porträtierte

Bergisch Gladbach – Das ist der Stoff, aus dem Dramen sind. Franziska Beltracchi (21) hat das erlebt. Sie sah mit an, wie an einem Sommertag 2010 in Freiburg zwei Polizeibusse auftauchten. Die Familie wurde angehalten, Vater und Mutter wurden verhaftet und in Handschellen abgeführt.

Erstmals spricht Franziska über den Schock ihres Lebens. Auch ihr Bruder (26) wusste nichts von den Betrügereien, mit denen Wolfgang und seine Ehefrau und Komplizin Helene Beltracchi mindestens 20 Millionen Euro scheffelten.

In einer fünfteiligen, mit dem Schweizer Fernsehen produzierten Serie („Der Meisterfälscher“) widmete sich 3sat dem Jahrhundert-Thema – der Beltracchi-Story aus Kunst, Kommerz und Knast.

Zu sechs Jahren Haft hatte das Landgericht Köln den raffinierten Fälscher 2011 verurteilt. Aus dem Gefängnis heraus – Beltracchi büßt die Strafe im offenen Vollzug in der JVA Euskirchen ab – hat er ein neues, erfolgreiches Leben organisiert. In Bern lief seine erste eigene Ausstellung. Mit den Erlösen aus dem Verkauf (in Bern waren es 600 000 Euro) bedient der Künstler, der einst 300 perfekte Fälschungen in den Kunstmarkt einschleuste, die geprellten Abnehmer, die heute seine Gläubiger sind. Rund ein Viertel bleibt den Beltracchis.

Alles zum Thema Harald Schmidt

Und der Häftling pendelt zwischen Zelle und großer Freiheit. Er hat Stars getroffen, um sie im Stile alter Meister zu porträtieren, darunter Christoph Waltz (58), der neue Bond-Bösewicht. „Ein total netter Mensch“, sagt Beltracchi. Das Porträt konnte Waltz behalten, quasi als TV-Gage. So wie die anderen Prominenten (siehe auch rechts): Harald Schmidt, Gloria von Thurn und Taxis, Daniel Kehlmann.

Und er malte seine Tochter. Im Stile des Italieners Sandro Botticelli (1445-1510): „Weil Franziska etwas Renaissancehaftes hat“, meint Beltracchi, als EXPRESS ihn gestern morgen in seinem Atelier in Bergisch Gladbach erreicht. Etwas aus der Puste - die Nacht hatte er wie üblich in seiner Zelle verbracht und war am Morgen nach Hause gefahren.

Was dachte seine Tochter damals über ihn? „Sie fand das natürlich nicht positiv und hat mir Vorwürfe gemacht: Wie konntest du das tun?“ Am Tag der Festnahme habe er sie beruhigt, getröstet, seine Frau habe die Polizisten gebeten, die Waffen nicht auf die Kinder zu richten.

Vier Jahre danach hat die Familie ihren Frieden wieder. Heiligabend werden Beltracchis gemeinsam in Freiburg sein, wo der Sohn (er studiert u.a. Französisch) eine Wohnung hat, Franziska reist aus Montpellier/Frankreich an, wo sie Kunst studiert. Beltracchi sagt: „Ich habe 21 Tage im Jahr, die ich nicht in der Zelle verbringen muss. Da habe ich etwas für die Feiertage aufgespart“.

Und dann hat er noch eine frohe Botschaft: 2015 wird Beltracchi zu einem freien Mann. Freitag, der 9.Januar, ist sein letzter Tag in Haft. Dann bleibt er draußen, wenn auch auf Bewährung.

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