An Kölner Uniklinik 1000. Gehör-OP – das Schicksal hinter der Zahl

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Michael Schmidt ist der 1000ste Kölner Uniklinik-Patient mit einem Cochlea-Implantat. Auch Mutter Gertrud hat eins. Beide können nun wieder richtig hören.

Köln – „Auf Veranstaltungen, bei Gesprächen im Restaurant, auf belebten Plätzen oder bei der Arbeit – wenn du nicht mehr hören kannst, isoliert dich das von den anderen Menschen“, sagt Michael Schmidt (50). Er hat eine Erbkrankheit,  ist schwerhörig. Genau wie seine Mutter Gertrud (75) und seine beiden Söhne.

Doch Dank der Ärzte und Dank des „Cochlea-Implantats“ (CI) ist die Zeit der Stille für die Familie vorbei. Schmidt ist der 1000. Patient, der nun in der Uniklinikmit dieser Technik austherapiert und wieder hörend nach Hause geschickt wurde.

Endlich hören können

Als Michael Schmidt am Dienstag die HNO-Abteilung der Uniklinik verließ, zählte er sich selbst wieder zur Gesellschaft dazu. „Es ist unglaublich, was dieses Cochlea-Implantat bewirkt hat. Ich kann wieder hören.

Aber es war ein  harter Weg für meine Mutter und mich. Und mein 14-jähriger Sohn hat diesen Weg gerade erst beschritten“, sagte er gegenüber Sonntag-EXPRESS.

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Hochkonzentriert setzt Prof. Dr. Karl-Bernd Hüttenbrink das Implantat ein. Die genaue Anpassung ist Millimeterarbeit.

Was Schmidt meint, ist das monatelange Hörtraining nach der OP. „Ich dachte das geht leichter: Machst du an, hörst du! So war es aber nicht. Ich musste viel üben, bis ich wieder richtig hören konnte.“ Am Anfang nahm er nur ein Rauschen und ein Klingeln wahr.

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Der Chip und die Elektroden im Kabel sind silikonummantelt und bleiben für immer im Kopf.

Der HNO-Klinikdirektor der Uniklinik, Prof. Dr. Karl-Bernd Hüttenbrink  sagt, dass es wie beim Erlernen einer neuen Fremdsprache sei. Das Gehirn müsse erst lernen, die neuen Reize zu verarbeiten. Dies gelinge aber sogar bei Menschen, die prälingual taub sind (also bei denen, die noch nie hören konnten).

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Mittels eines Laptops (links) wird das Gerät im Patienten noch während der OP justiert.

Ist der Hörnerv noch funktionstüchtig, können über das Implantat elektrische Impulse ans Gehirn weitergeleitet werden, die dann als Töne wahrgenommen werden. Die Elektroden liegen dabei auf einem Elektrodenleiter, einem Kabel mit Silikonummantelung, der operativ in die Hörschnecke eingeführt wird.

„Das Implantat im Kopf kann lebenslang verwendet werden. Es wird über die Batterie des Sprachprozessors von außen mit Strom versorgt und geht nur in seltenen Fällen kaputt“, so Hüttenbrink.

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Fein-Tuning: Mit moderster Technik wird das Cochlea-Implantat so eingestellt, dass die elektrischen Impulse über den Hörnerv zum Gehirn geleitet werden.

Gertrud Schmidt ist begeistert. Die Küsterin in einer Kölner Krankenhauskapelle war die erste in der Familie mit einem CI-System. „Ich pflege meinen kranken Mann und muss täglich viel abklären. Mit dem Implantat kann ich endlich wieder telefonieren. Das macht vieles leichter.“

Immer mehr Gehörlose und Schwerhörige entscheiden sich für diese OP – die von den Krankenkassen bezahlt wird – um so endlich wieder Teil unserer Gesellschaft zu sein.

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Hüttenbrink ist absoluter „Cochlea-Implantat“-Fachmann und führt diese Operationen in seiner Klinik sehr häufig durch.

In Köln operierte man als erstes „unter Wasser“

In der HNO-Klinik der Kölner Uniklinik wurde zum ersten Mal ein besonders schonendes Operationsverfahren angewandt. Es richtet sich an Patienten, die vorher noch ein bisschen was hören können.

Spezialist Prof. Dr. Karl-Bernd Hüttenbrink (65) erklärt das revolutionäre Prinzip so:  „Damit beim Setzen des Implantats im Innenohr die Haarzellen in der Hörschnecke nicht komplett zerstört werden, muss der Druck im geöffneten Gehörgang während der OP ausgeglichen werden.

Neue Methode entwickelt

Wir fluten den sensiblen Bereich mit 37 Grad warmer Flüssigkeit und können so die Elektrode ohne Druckschwankungen einführen. Bei 50 Patienten konnten wir dadurch bereits das Resthören und den Gleichgewichtssinn deutlich schonen.“

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Der magnetische Sprachprozessor hinter dem Ohr. Er versorgt das Implantat auch mit Strom.

Die wichtigsten Zahlen

29.000 Euro kostet die Implantation des Systems mit dazugehörigem Sprachprozessor (zahlt die Krankenkasse).

12 Monate  Training nach der OP sind nötig.

12-22 Elektroden leiten die Töne weiter zum Gehirn.

100 Patienten werden im Schnitt in der Uniklinik Köln jedes Jahr mit dieser Technik ausgestattet und in der Reha behandelt, bis sie wieder richtig  hören können.

(exfo)

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