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US-Shootingstar in KölnEigenwilliges Verhalten, große Gefühle und strahlende Fans

Sombr singt während der Grammy-Awards auf der Bühne.

Copyright: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

US-Sänger Sombr während der Verleihung der Grammy-Awards. Bei seinem Auftritt in Köln hat er den Zutritt für Fotografinnen und Fotografen untersagt.

Millionen Streams und Begeisterung bei TikTok. Der US-Sänger Sombr ist einer der gefragtesten Newcomer der Popwelt. In Köln spielte er vor 4000 Fans. Eine Berichterstattung darüber wollte er aber nicht.

Der amerikanische Singer-Songwriter Shane Michael Boose, der sich Sombr nennt, ist aktuell eine der heißesten Aktien auf dem Musikmarkt und ein großes Idol für die Gen Z.

Vor fünf Jahren hat der 20-Jährige angefangen, vereinzelt Songs zu veröffentlichen. Mit der Single „Caroline“ ging er 2022 gewissermaßen über Nacht viral. Es folgten weitere Hits wie „Back to Friends“ und „Undressed“, die ihn in die Charts katapultierten.

Sombr: 4000 Fans beim Konzert im Kölner Palladium

60 Millionen Menschen hören seine Musik monatlich allein bei Spotify – Tendenz rasant steigend. Sombr steht für melancholischen und mal rockigen Indie-Pop, transportiert über eine markante Stimme, die bis hoch ins Falsett kommt.

Für den Grammy war er als „Best New Artist“ nominiert. Bei den Brit-Awards hat sein Auftritt jüngst für Irritationen gesorgt. Der Amerikaner war als „International Artist of the Year“ sowie mit seiner Single „Undressed“ als „International Song of the Year“ im Rennen.

Während er den Titel sang, rannte plötzlich ein Mann auf die Bühne und stieß ihn heftig vom Podest. Sicherheitskräfte führten den vermeintlichen Angreifer ab, während Sombr unbeeindruckt weitersang. Der vermeintliche Störer trug bei seiner Attacke ein T-Shirt mit der Aufschrift „Sombr is a homewrecker“ – als Anspielung auf seine aktuelle Single.

Das Management gab nachher zu, dass der Vorfall inszeniert war. Kritik gab es dennoch, denn die Verleihung fand in Manchester statt. Die Stadt ist seit dem Anschlag auf ein Ariana-Grande-Konzert im Jahr 2017 ein sensibler Ort, wenn es um Sicherheit bei Live-Events geht. Damals kamen 22 Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Sombr wird beim Auftritt von der Bühne gestoßen.

Copyright: AFP

Der vermeintliche Skandal bei den Brit-Awards: Ein Mann stößt Sombr mitten im Auftritt von der Bühne.

Am Donnerstagabend (5. März 2026) spielte der Shootingstar in Köln und zeigte auch dort seltsame Verhaltensweisen. Erst verweigerte sein Management Fotografen den Zutritt zur Show, obwohl im ausverkauften Palladium stellenweise fast 4000 Smartphones in der Luft waren. Kurzfristig wurde auch der Eintritt für die Presse untersagt. EXPRESS.de war trotzdem dabei und schaute sich das Phänomen an.

Mit „I Barely Know Her“ hat der Indie-Pop-Künstler im Vorjahr sein Debüt-Album auf den Markt gebracht. Die zehn Songs davon gab es alle zu hören, dazu sieben weitere. Natürlich umgibt den spindeldürren Sänger eine melancholische und gefühlvolle Aura. Wenn er das lange Mikrokabel hinter sich herzieht und zwischenzeitlich zur Gitarre greift, sieht er ein wenig wie der junge Richard Ashcroft aus.

Dank seiner fünfköpfigen Band, allen voran Gitarrist Sal Suriano, entwickelten einige Titel aber auch richtig Druck und sorgten für ordentlich Bewegung im Saal. Schon bei „We never dated“ hatte der ganz in Schwarz gekleidete Frontmann sein Publikum im Griff. „Ich liebe euch. Lasst uns unfassbar viel Spaß zusammen haben“, lautete eine seiner (belanglosen) Botschaften. Die Menge kreischte, sie war einfach glücklich, dem Idol so nah zu sein.

Sombr setzt einen starken Stimmeffekt ein und verzerrt den Gesang bewusst, um eine besondere emotionale Tiefe zu erzeugen. Dabei würde die sanfte und gefühlvolle Stimme ohne Verzerrung viel eindringlicher klingen. Inhaltlich geht es oft um Beziehungen, Gefühle und Selbstzweifel, weshalb er den Ruf eines „Sad Boy“ hat.

Sombr steht mit seiner Band auf der Bühne.

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US-Singer-Songwriter Sombr mit seiner Band beim Auftritt bei den Brit-Awards.

Durch die starke Präsenz bei TikTok hat Sombr zu seinen Fans eine besondere Beziehung aufgebaut. Dass bei „Homewrecker“ Dutzende Plüsch-Capybaras auf die Bühne geflogen kamen, ist aus einem Social-Media-Trend entstanden.

„Ich liebe euch, ich liebe Köln, ich komme zurück“, lautete die Abschiedsbotschaft. Beim Schlusssong „12 to 12“ wandelte Sombr die Textzeile „We met in The Paris Café“ in ein Kölner Café um. Nach 80 überzeugenden Minuten war das Spektakel wieder vorbei.

Doch die treue Fangemeinde wurde noch belohnt. Nach der Show ließ sich der Sänger vor dem Palladium blicken, um Autogramme zu geben und für Selfies zu posieren. So merkwürdig sein Verhalten mitunter sein mag, für seine Anhängerinnen und Anhänger gibt der 20-Jährige alles.

Ein Wirrwarr von Weichen auf denen ein Zug sich nähert.

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