Nach langem Hickhack in der Justiz Krefelder Mörder ausgeliefert

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Fred W. wurde wegen Mordes an einem Krefelder Autohändler verurteilt. Jetzt soll er auch noch in Belgien vor Gericht gestellt werden - wegen eines weiteren Mordes.

Krefeld/Antwerpen – Fred W. (45), der zu lebenslänglich verurteilte Mörder des Krefelder Autohändlers Askin Uludag (27, erschossen am 19. Mai 2008), wird jetzt wegen eines weiteren Mordes an Belgien ausgeliefert. Das hat das zuständige Oberlandesgericht Hamm vor wenigen Tagen entschieden.

Es ist ein Horror-Fall, wie er eigentlich nur in Hollywood hätte erfunden werden können.

Auslieferung des Krefelder Mörders: Tat wäre beinahe übersehen worden

Doch der Horror begann ganz real in Krefeld: Der Raubmord an dem  Autohändler erschütterte  den Glauben an die Rechtsmedizin, denn die Mordkommission fand heraus, dass der 27-Jährige nicht erschlagen, sondern erschossen worden war. Im Kopf war eine Kugel übersehen worden.

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Der Autohändler Askin Uludag war das erste Opfer des Mörders Fred W.

Der Täter Fred W. war am 18. August 2009 in Krefeld zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Fall wurde auch noch zum Politikum, schafft es wegen der Auslieferungs-Posse sogar bis in den NRW-Landtag. Stefan Engstfeld (Grüne) hatte den Fall im Landtag eingebracht und damit Druck erzeugt, denn die  Justiz in Belgien und Deutschland stritt sich Jahre  um die Auslieferung  des Mörders.

Auslieferung des Krefelder Mörders: So lief der Justiz-Krieg zwischen Belgien und Deutschland

Im  deutsch/belgischen Justiz-Krieg, der mit einem sehr späten Auslieferungsantrag vom 15. August 2013 begann,  wurde jetzt erst seine Auslieferung  nach Belgien verfügt – zehn Jahre, nachdem die Krefelder Mordkommission Fred W. auch des Doppelmords überführt hatte.

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Der Krefelder Chefermittler Gerd Hoppmann und sein Team klären auch den zweiten Mord.

Die Streitfrage des zuständigen Oberlandesgerichts (OLG) Hamm war: Darf man einem Mörder noch mal lebenslänglich geben? Schicken ihn die Belgier zurück?

Das Problem liegt jetzt in Antwerpen, denn im Mai wird dort  gegen Fred W. verhandelt – es wird nach Dutroux  der spektakulärste Prozess der belgischen Justiz.

Auslieferung des Krefelder Mörders: So wurde er beim zweiten Mord überführt

Die Auslieferung wurde jetzt  vom OLG Hamm nach Klärungen internationaler Rechtsnormen genehmigt.
Herausgefunden hatten den Doppelmord die akribischen Krefelder Ermittler unter Leitung von Gerd Hoppmann.

Eine am Tatort in Krefeld gefundene Patronenhülse führte zu einem Schalldämpfer im Fluchtauto von Fred W. und  die Spuren wiederum zum Mord in Antwerpen. Uludag  war in der Türkei exhumiert und in eine türkische Gerichtsmedizin gebracht worden.

Auslieferung des Krefelder Mörders: Sohn des Opfers wurde zuerst verhaftet

Die Schande wurde aufgeklärt, die Kugel im Kopf gefunden.
In Antwerpen hatte die Polizei vorsorglich schon den Sohn des Mordopfers Steve Huypens als Vatermörder verhaftet, ehe Hoppmann die belgischen Kollegen mit dem wahren Mörder und der Tatwaffe überraschte.

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Sohn Kevin Huypens (heute 29)  kam nach monatelanger Haft sofort frei.

Doch diese Fälle fanden noch eine Steigerung, denn Fred W. hätte den zweiten Mordprozess in Antwerpen fast nicht erlebt, denn ein anderer Mörder, der Düsseldorfer Amokläufer Yanqing T. (53), wollte den Mörder Fred W. erstechen, rammte ihm eine Keramikscheibe in den Hals. W. überlebte.

Auslieferung des Krefelder Mörders: Täter wäre beinahe selbst ermordet worden

Die beiden Schwerverbrecher hatten sich auf einem Hofgang in der JVA Bielefeld getroffen, und Yanqing T. wollte sich an W. dafür rächen, dass er seinen Ausbruchsplan verraten hatte: T. wollte zwei Wärtern die Kehle durchbeißen und flüchten.

Der Chinese, der in Düsseldorf zwei Anwälte erstochen und eine Kanzleiangestellte erschossen hatte, kassierte für den Mordversuch unter Mördern zu seiner lebenslänglichen Strafe nochmals acht Jahre Gefängnis.

Auslieferung des Krefelder Mörders: Familie des Opfers wartet auf den Prozess

Jetzt warten mit Spannung die Angehörigen  des erschossenen Autohändlers aus Schilde (bei Antwerpen) auf den Mörder aus Deutschland. Sie hatten zwölf Jahre (!) nach dem Verbrechen schon die Hoffnung aufgeben.

Der Sohn des Opfers, Kevin Huypens, sagt: „Ich werde mir diesen Prozess nicht antun. Mein Vater ist tot und die Justiz  für mich auch. Ich habe bis heute keine Haftentschädigung und keine  Entschuldigung bekommen.“

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