Neue Chance Rica Reinischs zweites Leben

Entspannt im Hier und Jetzt: Rica Reinisch genießt ihr zweites Leben, wie hier vor dem Beethoven-Denkmal in Bonn.

Entspannt im Hier und Jetzt: Rica Reinisch genießt ihr zweites Leben, wie hier vor dem Beethoven-Denkmal in Bonn.

Bonn - Sie schüttelt die prächtige Haarmähne und lacht so laut, dass sich die Leute im Café „Midi“ am Münsterplatz nach ihr umdrehen:

Rica Reinisch (43), dreifache Goldmedaillen-Gewinnerin im Schwimmen, ist mit sich und der Welt zufrieden. Und sie sagt: „Ich habe einfach Glück gehabt, das Leben hat mir eine zweite Chance gegeben.“

Rückblick. Olympische Spiele in Moskau 1980. Gleich dreimal steht eine hübsche, schlanke 15-Jährige ganz oben auf dem Siegerpodest: Rica Reinisch gewinnt Gold in 100 Meter und 200 Meter Rücken sowie in der 4 x 100-Meter-Lagen-Staffel. Der Top-Star der DDR hält zu dem Zeitpunkt fünf Weltrekorde. Experten sagen: Diese Rica ist das größte deutsche Schwimm-Talent aller Zeiten.

Aber ein Jahr später macht sie Schluss mit dem Leistungssport. Rica Reinisch hat erfahren: „Ich wurde ohne mein Wissen systematisch gedopt, wie so viele in der DDR.“ Aber im Gegensatz zu den meisten Opfern macht sie den Mund auf, zieht später ihre Trainer und die Sport-Bonzen vors Gericht.

Die brutalen Folgen des Dopings zum Ruhm des sozialistischen Einheitsstaates: Rica Reinischs Stimme wird tiefer, sie bekommt chronische Eierstockentzündungen, Herzrhythmusstörungen, drei Entzündungen des Herzmuskels. Sie erleidet zwei Fehlgeburten.

„Aber die Ärzte haben später Großartiges geleistet“, sagt Rica Reinisch heute. Die Beschwerden sind fast ganz weg, sie hat sogar zwei Kinder bekommen: Marcel (24) und Nastasia (19). Heute lebt die Ex-Top-Schwimmerin, die die Großstadt über alles liebt, auf einer Wasserburg bei Eschweiler in der Provinz.

Der Grund: „Die Burg gehört meinem Mann.“ Und der ist Ricas große Liebe. Er heißt Harald Klein und ist einer der renommiertesten Innenarchitekten Europas. Zu seinen Arbeiten gehört die Einrichtung des Interconti-Hotels und des SAS Radisson in Köln.Für ihn hat die medienerfahrene Ex-Weltrekordlerin die PR-Arbeit übernommen und baut sich jetzt eine kleine, aber feine Agentur auf.

Was macht Rica Reinisch heute, wenn sie ein Schwimmbecken sieht? Die 1,80-Meter-Frau reckt sich: „Die meisten sind zu klein. Aber wenn‘s passt, schwimme ich meine Bahnen - nur so, ganz ohne Stress.“

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