„Wort nicht gehalten“ Deutscher Top-Sprinter attackiert Teamchef für Tour-Absage

Der deutsche Rad-Profi Pascal Ackermann im Sprint-Finale bei der Belgien-Rundfahrt.

Pascal Ackermann (m.), hier beim letzten Rennen der Belgien-Rundfahrt am 11. Juni, fehlt im Aufgebot von Bora-hansgrohe für die Tour de France 2021.

Köln. Ärger im deutschen Radsport-Team Bora-hansgrohe: Während es der deutsche Hoffnungsträger Emanuel Buchmann (28) kurzfristig doch noch ins Aufgebot für die Tour de France geschafft hat, wenn auch zunächst nur als Edel-Helfer, fehlt mit Pascal Ackermann (27) ein deutscher Top-Sprinter überraschend – zumindest aus seiner Perspektive.

Der Rad-Profi hat seiner Enttäuschung jetzt freie Luft gelassen und macht auch Team-Chef Ralph Denk (47) deutlich Vorwürfe.

Tour de France 2021: Pascal Ackermann nicht im Aufgebot von Bora-hansgrohe

Am Dienstag (15. Juni) veröffentliche das deutsche Team Bora-hansgrohe sein Aufgebot für die am 26. Juni beginnende Tour de France. Nicht mit dabei: Der deutsche Top-Sprinter Pascal Ackermann. Für den Pfälzer eine unschöne Überraschung, ging er noch bis Dienstagvormittag fest davon aus bei der Tour am Start zu stehen.

„Ich wollte gerade zum Motortraining los und mir den letzten Feinschliff für die Tour holen, als Ralph (Ralph Denk, Team-Chef Bora-hansgrohe) mich angerufen hat. Bis dahin bin ich davon ausgegangen, dass ich die Tour fahre. Aber dann habe ich erstmal angehalten, und den Rest kann man sich denken.“

Der deutsche Top-Sprinter Pascal Ackermann vor einem Rennen mit Maske im Gesicht.

Der deutsche Top-Sprinter Pascal Ackermann, hier vor einem Rennen am 24. März, darf bei der Tour de France 2021 wieder nicht an den Start.

Der 28-Jährige entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem der besten deutschen Sprinter und sorgte mit seinen zwei Etappensiegen beim Giro d'Italia 2019 und ebenfalls zwei Tagessiegen bei der Vuelta 2020 für Aufsehen. Bei der Tour de France durfte der Radprofi bisher trotzdem noch nie an den Start – das Team hatte stets andere Pläne.

Tour de France: Pascal Ackermann enttäuscht von Bora-hansgrohe-Chef Ralph Denk

Besonders sauer stößt Ackermann auf, dass Team-Chef Ralph Denk ihm vor knapp drei Jahren noch versprochen hatte ihm sein Tour-Debüt zu ermöglichen. Nun ist Ackermann in seinem dritten Jahr bei Bora-hansgrohe, sein Vertrag läuft Ende des Jahres aus und er durfte immer noch nicht bei der Tour de France an den Start.

„Ich bin mehr als enttäuscht, muss ich sagen. Ralph war immer ein Mann, der sein Wort gehalten hat. Aber diesmal hat er es definitiv nicht getan. Es hieß, dass ich in den drei Jahren die Tour fahre. Und es hieß auch immer, dass ich mir keine Sorgen darum machen soll“, wird Ackermann gegenüber „radsport-news.com“ deutlich.

„Ohne dieses Versprechen hätte ich den Vertrag damals nicht unterschrieben. Das muss man eben auch sehen. Deshalb bin ich extrem enttäuscht“, erklärt der Sprinter weiter.

Tour de France: Ralph Denk erklärt Nicht-Nominierung von Pascal Ackermann

Im vergangenen Winter hatte Denk noch erklärt, dass die Zusage eines Tour-Startplatzes natürlich leistungsabhängig sei. So begründete der Team-Chef in der Pressemitteilung zur Kadernominierung auch die Entscheidung gegen Ackermann: „Am Ende haben wir uns gegen Pascal entschieden, denn wir denken, dass er im Moment einfach nicht in der Form ist, eine erfolgreiche Tour-Premiere zu geben.“

Ralph Denk, Team-Chef von Bora-Hansgrohe, stellt sich de Fragen der Journalisten.

Ralph Denk ist Team-Chef von der deutschen Radsport-Mannschaft Bora-hansgrohe. (hier im Dezember 2019)

Auch wenn dem Pfälzer 2021 noch kein Sieg gelang, sieht er das selbstredend etwas anders. „Klar war jetzt kein Sieg da, aber das ist für mich kein Grund, nicht mitfahren zu dürfen, wenn die Form stimmt. Und die hat gestimmt“, ist sich der Sprinter sicher. Seine besten Ergebnisse in diesem Jahr waren fünf dritte Plätze, jeweils im Massensprint.

„Wenn ich wüsste, dass ich nicht in Form bin, würde ich es verstehen. Aber jeder weiß, und das kann man an den Daten auch sehen, dass es definitiv nicht an der Form liegt. Diese Begründung kann ich nicht verstehen. Das weiß er (Ralph Denk) auch und das weiß auch das Team. Deshalb bin ich so enttäuscht“, erklärt Ackermann seine Frustration.

Tour de France: Bora-hansgrohe setzt auf Peter Sagan, Emanuel Buchmann und Wilco Kelderman

Das Team habe lange überlegt mit zwei Sprintern in die Tour zu gehen, sich aber am Ende doch nur für Superstar Peter Sagan (31) entschieden. Der Slowake gewann bei der Frankreich-Rundfahrt bereits siebenmal die Punktewertung für den besten Sprinter und ist damit Rekordsieger des Grünen Trikots – vor einem gewissen Erik Zabel (50), der in dieser Kategorie sechsmal triumphierte.

Der Niederländer Wilco Kelderman (30) soll für das deutsche Team auf das Gesamtklassement fahren, während der deutsche Hoffnungsträger Emanuel Buchmann nach seinem schlimmen Sturz beim Giro d'Italia kurzfristig doch bei der Tour am Start steht und zunächst den Edel-Helfer geben soll.

Ebenfalls im Team von Bora-hansgrohe sind der Hürther Nils Politt (27), Patrick Konrad (29), Daniel Oss (34), Lukas Pöstlberger (29), und Ide Schelling (23).

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