Sportwetten-Boom bwin und Co.: So tickt die Generation Zocker

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So wirbt bwin derzeit. Mit sämtlichen Sportgrößen wie Diego Maradona.

Köln/Bremen – Auf den Ausgang von Sportevents Geld setzen  - ein harmloser Akt der Geselligkeit, ein unbedenkliches, kontrollierbares Hobby?!

Hartmut Görgen kann vor den Risiken des Booms aus seiner Erfahrung nur warnen.  Seit Jahren arbeitet er  für den „Fachverband Glücksspielsucht“, zu dem deutschlandweit 250 Selbsthilfegruppen - darunter auch in Troisdorf oder Köln - gehören.

Vom Gesetz her geduldet

Es sind Anlaufpunkte für Jene, die keinen Hobbytipp-Runden für kleines Geld angehören, sondern die Kontrolle verloren haben. 300 000 behandlungsbedürftige Zocker gebe es in Deutschland inzwischen, weitere 300 000 „Risikospieler“, rechnet er vor.

Und sie werden immer jünger. „Trend ist, dass die Sportwetten-Anbieter in Deutschland immer mehr wachsen, Spielhallen werden dagegen allmählich reduziert. Vom Gesetz her sind die Sportwetten Stand heute geduldet.“

Es ist ein Milliardengeschäft. Und die ,,klassischen" Lotteriegesellschaften verlieren massenhaft Kunden an die Online-Anbieter für Sportwetten .Immer mehr Mannschaften bei den Turnieren, immer aufgestocktere Ligen, Relegationen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt - ob auf die Eckenanzahl, oder welcher einzelne Spieler eine Gelbe Karte kriegt, alles tippbar.

Es gibt kaum einen großen Verein, der keinen Sponsor aus dem Sportwettenbereich hat. Durch die Digitalisierung spielt man „bequem“ und heimlich online, kann in Sekunden Tipps abgeben und „eskalieren“.

Hier lesen, wie ein Zocker Mega-Schwein hatte...

Görgen: „Das Gefährliche an den Sportwetten ist: Sie werden uns in der Werbung nicht als Glücksspiel verkauft, sondern im Rahmen des Sportmarketing.“ 

Goergen

Suchtexperte Hartmut Görgen

,,Ich kann nur den Kopf schütteln"

Beispiele dafür gibt es genug – wie auch Dr. Tobias Hayer von der Uni Bremen, der seit Jahren Glücksspielverhalten erforscht, weiß: „Immer mehr Prominente wie Oliver Kahn, Lukas Podolski, Franziska van Almsick oder Franco Foda machen Werbung für Sportwetten. Ich kann nur den Kopf schütteln. Das machen sie sicher nicht, weil sie bösartig wären. Vielmehr scheinen sie die möglichen Negativfolgen auszublenden.“

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Dr. Hayer forscht seit achtzehn Jahren zum Thema Spielsucht.

Ergebnis seiner Forschung: „Gewisse Personengruppen sind anfälliger. Junge Menschen in Sportvereinen zwischen 18 und 25 sind Hauptrisikogruppe.“

Hier lesen: Staatsanwaltschaft ermittelt - Versinkt Belgiens Liga im Wett-Sumpf?

Wie tickt die „Generation Zocker“?  „Triebfeder ist die Sportbegeisterung. Sie rauchen nicht, saufen aber mehr und zocken häufiger.“

Hausfrauen-Experiment verblüfft

„Es gibt einen Irrglauben, dass  Fachwissen zu Geld gemacht werden kann“, sagt der Experte, der selbst Fan von Werder Bremen ist. Der Irrglaube werde durch Werbung noch befeuert.

Auch der Steirer Psychologe und Sportmediziner Dr. Wolfgang Auer, bekennender Fan des 1.FC Köln, weiß: ,,Fussballwetten sind irrational."

Das belegt auch das von Hayer initiierte „Hausfrauen-Experiment“: „Wir haben 27 Bundesligaspieltage tippen lassen – mit eigenem Geld. Einmal die Gruppe der Sportreporter, die also Fachwissen hatten, dann eine Gruppe von Hausfrauen, die kein Interesse am Fußball haben. Wenn die auf Außenseiter setzten, gab es  Begründungen wie: »Der Trainer ist ja attraktiv«. Ergebnis war, dass beide anschließend auf Augenhöhe waren – und zwar beide im Minusbereich.“

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