Olympia-WirbelPositiv getestete Schwimm-Stars in Paris dabei – „als schlechten Witz wahrgenommen“

Die chinesische Schwimmerin Zhang Yufei während eines 100m Schmetterling-Rennens.

Die chinesische Schwimmerin Zhang Yufei ist eine der 23 Schwimm-Stars, deren Doping-Test 2021 positiv war.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele in Paris gibt es Unruhen wegen eines Doping-Falls von mehreren chinesischen Schwimm-Stars. China kritisiert nun die USA, sie würde chinesische Sportlerinnen und Sportler diffamieren wollen.

Doping-Skandal vor Olympia? Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) geriet im Fall positiver Dopingproben von chinesischen Schwimmerinnen und Schwimmern in die Kritik. Eine im April veröffentlichte gemeinsame Recherche der ARD-Dopingredaktion und der „New York Times“ hatte die Glaubwürdigkeit von Chinas Anti-Doping-System und die Wächterfunktion der Welt-Anti-Doping-Agentur infrage gestellt.

Besonders brisant: Elf der positiv getesteten Schwimm-Stars gehen auch bei den diesjährigen Olympischen Spielen in Paris (26. Juli bis 11. August) an den Start. Demnach wurden die betroffenen Schwimmerinnen und Schwimmer vor den Sommerspielen 2021 in Tokio positiv auf das verbotene Herzmittel Trimetazidin getestet, allerdings nicht sanktioniert.

China begrüßt Ergebnis in Doping-Affäre seines Schwimmteams

China reagiert nun auf einen Zwischenbericht und übt Kritik an einem bestimmten Land. Die Wada glaubt der Anti-Doping-Agentur Chinada und den chinesischen Behörden, deren Untersuchung eine Kontaminierung in einer Hotelküche mit dem Herzmittel ergeben haben will.

Außenamtssprecher Lin Jian (47) kritisiert, die USA nähmen internationale Organisationen ins Visier, um chinesische Athletinnen und Athleten zu diffamieren und deren Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris zu beeinflussen. Wegen Vertuschungsvorwürfen hatte das US-Justizministerium den Fall aus dem Jahr 2021 ebenfalls untersucht.

Weiter hieß es, die USA hätten kein Recht, sich in das System der Wada und die chinesische Arbeit gegen Doping einzumischen und sollten künstlich erzeugte „Falschbehauptungen“ unterlassen.

Laut dem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Staatsanwalts Eric Cottier habe sich die Wada korrekt verhalten. Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur Usada, hatte das Vorgehen jedoch kritisiert, „da die Wada selbst den Ermittler ausgewählt“ habe.

Auch Schwimm-Olympiasieger Florian Wellbrock (26) hat sich kritisch zum Umgang mit der Doping-Affäre geäußert: „Also, ich erwarte da tatsächlich nicht mehr wirklich viel zu, weil ich jetzt schon das Gefühl habe, dass es gar keinen mehr interessiert, weder in den Verbänden noch in den Medien“, sagte der Magdeburger in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Als Sportler hat man das natürlich als schlechten Witz wahrgenommen.“

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Auf die Frage, ob er den Eindruck habe, dass für alle die gleichen Regeln gelten, sagte Wellbrock: „Na ja, offensichtlich nicht.“ Prinzipiell schaue er auf die Athleten aber „ganz neutral und souverän“, erklärte der 26-Jährige angesprochen auf mögliche Begegnungen im olympischen Dorf: „Ich habe mich nicht damit beschäftigt, wer da Teil von diesem Trainingslager war, das abgehalten wurde.“

Außerdem müsse man „auch ganz klar sagen, dass von gewissen Nationen auch nicht alle schwarze Schafe sind, wie ihnen vielleicht auf den ersten Blick erst mal unterstellt wird“, betonte Wellbrock: „Zuerst gilt die Unschuldsvermutung. Und so behandle ich die Leute auch.“ (sid/dpa)