Kölner Radstar im Interview Herr Politt, fährt Froome bald in ihrem Team?

Nils Politt

Der Kölner Nils Politt ist einer der besten Klassiker-Jäger der Szene. Er fährt für das Team Israel Star Up Nation, hier ist er bei der Mallorca-Challenge am 31. Januar 2020 zu sehen.

Köln – Der Kölner Radprofi Nils Politt (26, wohnt in Hürth) hat im letzten Jahr mit Platz zwei beim Klassiker Paris-Roubaix ein Ausrufezeichen gesetzt und ist damit in der absoluten Weltspitze angelangt.

In dieser Saison ist aber alles anders, wegen Corona sind nahezu alle Rennen verschoben worden. Jetzt will Politt mit seinem neuen Team Israel Start Up Nation im Herbst durchstarten. Wir sprachen mit dem sympathischen Profi über die Situation und Gerüchte um Chris Froome.

Der Weltverband hat einen neuen Terminkalender präsentiert. Die Tour de France soll am 29. August starten und die Frühjahrsklassiker steigen im Oktober in Belgien – wie gehen Sie mit der neuen Situation um?

Ich konzentriere mich jetzt erstmal voll auf die Tour. Aber es stimmt, für mich ist es ein komplett anderer Ablauf, weil alles verdreht ist in dieser Saison. Ich muss die Topform für die Klassiker quasi am Ende der Saison haben, nicht wie sonst zu Beginn im März und April. Normalweise bin ich im Oktober ja im Urlaub.

Können Sie denn nach der dreiwöchigen Tour de France in Topform sein?

Ich bin da optimistisch, gut aus der Tour zu kommen. Aber es ist für alle eine spezielle Situation und ich muss abwarten, wie es sich dann wirklich anfühlen wird.

Haben Sie schon einen konkreten Plan, wie es mit den Rennen für Sie weitergeht?

Der Rennplan ist gerade vom Team in der Mache. Sie schauen, wen sie wann am besten einsetzen, wie sie das Team aufstellen. Aber es ist auch noch vieles ungewiss, ganz genau wissen wir noch nicht, welche Rennen tatsächlich stattfinden. Wir müssen uns dabei natürlich an die jeweils geltenden Regeln der ausrichtenden Länder im Kampf gegen Corona halten. Ich hoffe, dass ich die Tour fahren werde und mich vorher bei der Dauphine vorbereiten kann.

Nils Politt: Tour de France mit Rick Zabel und Andre Greipel wäre cool

Wie trainieren Sie derzeit?

In dieser Saison müssen wir alle, Teams und Fahrer, sehr flexibel sein und auf Änderungen reagieren. Momentan trainiere ich hauptsächlich Grundlagen. Und wenn dann das Go für Rennen kommt, dann wird es im Training schneller und intensiver.

Sind ihre Köln-Hürther Trainings- und Teampartner Andre Greipel und Rick Zabel auch für die Tour vorgesehen?

Ich hoffe, dass sie auch beide dabei sind. Das wäre schon wichtig und auch cool für uns. Sie bereiten sich jedenfalls voll auf die Tour vor. Aber wie das Team aufstellen wird, ist noch nicht zu hundert Prozent sicher.

Was erwarten Sie unter diesen Umständen für eine Tour?

Ich glaube, dass es ohne große Rennvorbereitung eine außergewöhnliche Tour wird. Die Frage ist, wie tief konnte jeder Fahrer im Training an seiner Form feilen. Ich denke, dass wir ganz große Leistungsunterschiede sehen werden.

Team Ineos wird wieder dominieren. Sie haben mit Egan Bernal, Geraint Thomas und Chris Froome gleich drei Toursieger der vergangenen Jahre in ihren Reihen…

Das wird ein offener Schlagabtausch mit dem Team Jumbo Visma, die mit Tom Dumoulin und Primoz Roglic auch sehr gut aufgestellt sind.

Chris Froome

Chris Froome könnte das Team Ineos im kommenden Jahr verlassen. Hier sieht man ihn bei der Einschreibung zur UAE-Tour im Februar 2020.

Es gab Gerüchte, dass Chris Froome zu Ihnen ins Team wechseln könnte. Was halten Sie davon?

Das habe ich auch gelesen. Ich glaube, es sind aber nur Spekulationen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Froome das Team Ineos verlässt, aber wir werden sehen.

In dieser Saison kommt es aufgrund der Corona-Pandemie im Rennkalender zu Überschneidungen. Während des Giro d’Italia finden auch alle Klassiker statt. Was glauben Sie: Sind dann einige Favoriten bei den Klassikern nicht am Start?

Die Klassikerfahrer werden alle die Tour de France fahren und dann die Klassiker. Es wird also nicht leichter für mich, einen Klassiker wie Paris-Roubaix zu gewinnen.

Haben Sie ein Ziel für die Saison?

(lacht) Nein, ich bin froh, wenn ich einfach nur wieder Rennen fahren kann. Und da ist mein oberstes Ziel, Spaß zu haben.

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Der neue Radsport-Kalender des Jahres 2020:

(ausgewählte größere Rennen)

1. August: Strade Bianchi (Italien)
8. August: Mailand- San Remo (Italien)
12. bis 16. August: Dauphine (Frankreich)
29. August bis 20. September: Tour de France
7. September bis 14. September: Tirreno-Adriatico (Italien)
20. bis 27. September:  Weltmeisterschaft (Schweiz)
30. September: Wallonischer Pfeil (Belgien)
3. bis 25. Oktober: Giro d’Italia
4. Oktober: Lüttich-Bastogne-Lüttich (Belgien)
10. Oktober: Amstel Gold Race (Belgien)
11. Oktober: Gent-Wevelgem (Belgien)
18. Oktober: Flandern-Rundfahrt (Belgien)
20. Oktober bis 8. November: Spanienrundfahrt
21. Oktober: Brügge – De Panne (Belgien)
25. Oktober: Paris – Roubaix (Frankreich)
31. Oktober: Lombardei-Rundfahrt (Italien)

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