Exklusiv-InterviewMick über Papa Schumi: „Er hat gewaltigen Einfluss auf mich”

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von Oliver Reuter (reu)

  • Wie mich mein Vater zum Rennfahrer machte.
  • Wie ich in der Formel 3 noch die Kurve kriegte.
  • Wie ich vom Ferrari-Teamchef empfangen wurde.

Barcelona – Der rote Rennoverall, das rote Auto, der gleiche Speed und auch noch fast die gleiche Stimme: An Mick Schumacher (19) erinnert sehr viel an seinen Vater Michael Schumacher (50). Und auch der Sohn will eine Formel-1-Karriere schaffen. Doch noch fährt er eine Klasse tiefer, in der Formel 2, die am 30./31. März in Bahrain startet. Beim Test in Barcelona (hier mehr dazu lesen) gab uns Mick Schumacher ein Interview.

Vor 19 Jahren sagte uns Ihr Vater, Sie sollten nicht sein Nachfolger werden, lieber Fußball- oder Golfspieler. Jetzt sind Sie Ferrari-Junior. Wie ist Ihre Entscheidung gereift?

Mick Schumacher: Mein Vater oder besser meine Eltern haben mir als Kind alle Freiheiten gelassen. Ich habe viele andere Sportarten versucht, aber es gab bei keiner Sportart dieses Gefühl, dass ich das in Zukunft machen möchte. Beim Kartfahren war das anders. Da hatte ich das Gefühl, dass es mich reizt schnell zu sein und mich mit anderen zu messen. Dass ich Rennen fahren möchte, weil es mir einfach Spaß macht. Irgendwann hat mich mein Vater gefragt, ob ich das professionell machen möchte oder nur als Hobby. Und da habe ich gesagt: Ich will das professionell machen.

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Haben Sie damals schon dran geglaubt, Formel-1-Fahrer werden zu können?

Natürlich ist für jeden Rennfahrer das Ziel, einmal Formel-1-Fahrer zu werden. Das ist die Königsklasse, und da misst man sich mit den Besten. Ich möchte es voll ausgebildet in die Formel 1 schaffen und habe in der Ferrari Driver-Akademie gute Voraussetzungen.

Wie war das Gefühl, in Maranello als offizieller Ferrari-Fahrer empfangen zu werden?

Es ist offensichtlich, dass Ferrari seit meiner Geburt einen großen Platz in meinem Herzen und auch in den Herzen unserer Familie hat. Deshalb freue ich mich auch auf persönlicher Ebene über diesen Schritt. Das ist erneut ein Schritt in die richtige Richtung, und ich kann nur von dem immensen Know-how profitieren, das dort gebündelt ist. Ich werde alles dafür tun, meinen Traum von der Formel 1 zu verwirklichen. Aber zunächst mal sind wir auf die Formel 2 konzentriert, die ist eine große Herausforderung. Alles andere wird die Zukunft zeigen.

Sind Sie ein geduldiger Mensch oder denken Sie wie bei der langen Wartezeit nach dem Getriebeschaden beim Test, das muss doch alles schneller gehen?

Das kommt auf die Situation an. Natürlich ist man als Rennfahrer ungeduldig und will immer der Schnellste sein oder schnell am Vordermann vorbei. Aber ich weiß auch, dass gewisse Sachen ihre Zeit brauchen und die Crew ihr Programm abspulen muss, damit alles zusammenläuft. Ich denke das funktioniert ganz gut.

Sie haben in der Formel 3 mit einem Unfall in Pau begonnen, aber nach Ihrem ersten Sieg in Spa mit einer Siegesserie den Titel gewonnen. Wie haben Sie die Kurve noch gekriegt?

Ich glaube, dass da in Pau die Radaufhängung auf dem Randstein bricht,  war keine Ungeduld, sondern Pech. Bei einem um ein Grad anderen Lenkradwinkel bricht sie vielleicht nicht. Aber jeder Fehler ist auch eine neue Erfahrung.  Ich glaube das Wichtigste war, dass wir, das Team und ich, immer an uns geglaubt haben. Dass der erste Sieg ausgerechnet in Spa geklappt hat, war schon irgendwie magisch. Da haben wir Schumachers ja eine schöne Tradition. Und dann standen wir am Ende ganz vorne.  Da will ich in der Zukunft dran anknüpfen.

Die Formel 1 ist allen ein Begriff. Beschreiben Sie doch mal einem Laien den Unterschied zwischen einem Formel-3- und Formel-2-Auto.

Die viel höhere Leistung, das Gewicht und die Reifen  sind die größten Unterschiede im Vergleich zum Formel-3-Auto. Dort fuhren wir mit etwa 240 PS, jetzt mit über 600 PS. Und wir haben einen viel größeren Anpressdruck. Es ist unglaublich, wie viel schneller man auf den Geraden fährt und wie tief man in die Kurven hereinbremsen kann.

Wie groß ist die Freude auf den Saisonauftakt in Bahrain?

Da kribbelt es schon bei mir. Es hat lange genug gedauert, jetzt soll es los gehen.

Gehen Sie nach Ihrer Testbestzeit mit breiter Brust nach Bahrain und wollen gewinnen?

Ich glaube, es ist wichtig einen Schritt nach dem anderen zu machen. Dieses Jahr werde ich voll damit beschäftigt sein, zu lernen, mich als Fahrer weiter zu entwickeln. Und der Rest kommt irgendwann von selbst.

Aber nur Lernen ist ja nicht so befriedigend, Sie wollen doch an die Spitze oder?

Für mich zählt: Mein Bestes zu geben, mich in allen Bereichen zu verbessern und dran zu denken, dass es ums Lernen geht. Und natürlich soll sich das dann auch in Resultaten nieder schlagen.

Bei Ihrem Titelgewinn in Hockenheim jubelten Ihnen die Massen zu. Sie kennen ja die Bilder Ihres Vaters. Wie fühlt sich das an, plötzlich selbst so im Rampenlicht zu stehen?

Es war ungewohnt für mich, dass so viele Menschen wegen mir gekommen sind, aber es ist natürlich schön solche Unterstützung zu haben.

Glauben Sie, dass der Rummel belastend werden kann?

Das ist eben so, das war immer so. Wenn du jemanden nimmst, der das nicht so gewohnt ist, und ihn in meine Position versetzt, wäre es vielleicht etwas anders. Ich hatte die Zeit, da reinzuwachsen. Das hat mir sehr geholfen.

Jüngst besuchten Sie die Ferrari-Ausstellung zu Ehren des 50. Geburtstags Ihres Vaters. Was haben Sie da empfunden?

Die Fotos und Autos seiner Erfolge zu sehen, war sehr bewegend. Denn natürlich hat mein Vater einen gewaltigen Einfluss auf mich. Er ist der Beste und mein Idol. Ich studiere ganz genau, was er in seiner Karriere gemacht hat, damit ich mir das eine oder andere vielleicht abschauen kann. Er spielt eine große Rolle in meiner Entwicklung als Rennfahrer, und darüber bin ich sehr glücklich.

Wie war es bei der Enthüllung von Sebastian Vettels Formel-1-Ferrari? Würden Sie den nicht am liebsten direkt fahren?

Es war auf jeden Fall sehr spannend, weil ich noch nie bei einem Car-Launch dabei war. Es hat Spaß gemacht, das Auto als erstes zu sehen.

Ferrari-Teamchef Binotto und auch Vettel raten Ihnen, Ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht zu sehr mit Ihrem Vater zu vergleichen. Was bedeutet es Ihnen, solche Leute um Rat fragen zu können?

Sehr viel. Ich glaube, dass sie alle wichtige Erfahrungen gemacht haben und dadurch in ihre Positionen gekommen sind. Dass ich  mit so erfahrenen Menschen reden kann und die einem Tipps geben, ist das auf jeden Fall hilfreich. Dennoch bin ich sehr happy darüber, mit meinem Vater verglichen zu werden.

Wer sind Ihre wichtigsten Wegbereiter und Vertrauten?

Auf jeden Fall gibt es sehr viele hinter mir, die mir helfen in jedem Punkt, den ich brauche, um irgendwann ein kompletter Rennfahrer zu sein.

Sie leben in der Nähe von Genf, fahren nun Rennen in den Metropolen der Welt. Werden Sie schon auf der Straße erkannt?

Wenn ich in die Stadt gehe, erkennt mich niemand. Darüber freue ich mich ehrlich gesagt. Das bewahrt mir eine Menge Freiheit. Ich glaube, es ist uns ganz gut gelungen unser Privatleben einigermaßen geschützt zu halten.

Sie sind in der Schweiz geboren, aber sind Deutschland, das Rheinland und Kerpen doch noch ein Stück Heimat für Sie?

Ja, in Kerpen bin ich auf jeden Fall sehr gerne und drehe auf der Kartbahn meine Runden, wenn es die Zeit zulässt.

Ihr Vater hat das rheinische Lebensgefühl genossen, war beim Karneval und ist Fan des 1. FC Köln. Steckt das auch in Ihnen?

Ja, ich bin auch FC-Fan. Ich gucke zwar nicht so viel Fußball, weil ich nicht soviel Zeit habe. Aber wenn ich die Zeit habe, schaue ich den FC und wünsche ihm natürlich den Aufstieg.