Pressestimmen zu Vettels Ferrari-Aus „Seine Zeit endet im Frust und unerfüllt“

Vettel_Sonnenbrille_Leclerc

Sebastian Vettel (r.) konnte sich in der letzten Saison nicht entscheidend gegen Charles Leclerc durchsetzen.

Maranello – Es sollte eigentlich eine Erfolgsgeschichte werden, gekrönt mit dem Weltmeistertitel. Doch Sebastian Vettel (32) und Ferrari fanden nie richtig zusammen. Auch wenn die Formel 1 in dieser Saison noch fahren sollte, sieht es nicht gut aus mit einem Titel im Ferrari für den viermaligen Weltmeister.

Ende des Jahres ist dann Schluss für den gebürtigen Heppenheimer bei der Scuderia (hier lesen Sie mehr). Die internationalen Pressestimmen zur Trennung:

Großbritannien

BBC Sport: „Als Sebastian Vettel Ende 2014 bei Ferrari als Nachfolger von Fernando Alonso unterschrieb, träumte er davon, seinem Kindheitshelden Michael Schumacher nachzueifern und mit dem italienischen Team die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Stattdessen endete seine Zeit in Maranello im Frust, unerfüllt. Vierzehn Siege, ja, aber Team und Fahrer haben ihre Ziele nicht erreicht und bis zu einem gewissen Grad liegt der Grund dafür bei Vettel. Im Verlauf seiner Ferrari-Karriere sah Vettel immer weniger wie der Fahrer aus, der von 2010 bis 2013 mit Red Bull vier Mal hintereinander den Weltmeistertitel holte.“

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Sky Sports News: „Obwohl Vettel die Meisterschaft sowohl in der Saison 2017 als auch in der Saison 2018 lange Zeit anführte, wurde er beide Male von Hamilton überholt und wurde für seine Fehler auf der Rennstrecke kritisiert. Ferrari hat es dann versäumt, den Schwung ins letzte Jahr mitzunehmen, stattdessen wurde die Saison durch den internen Kampf zwischen ihrem neuen und ihrem etablierten Star geprägt. Leclerc und Vettel hatten zahlreiche Krisenherde auf der Strecke und eine Kollision in Brasilien, die das Rennen beendet hat, obwohl die beiden betont haben, dass sie abseits der Rennstrecke gut miteinander auskommen.“

„The Independent“: „Beobachter hatten erwartet, dass er (Vettel) Michael Schumachers Rekord von sieben Formel-1-Titeln bricht. Das liegt nun in Reichweite von Weltmeister Lewis Hamilton, der sechs hat. Hamiltons Aufstieg mit Mercedes ging einher mit Vettels schrittweisem Abstieg bei Ferrari.“

„The Telegraph“: „Die Trennung ist der Höhepunkt der außergewöhnlichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen der Scuderia und ihrem Starfahrer. (...) Mit Blick auf die jüngsten Ergebnisse von Vettel ist es verständlich, dass Ferrari mit einem weiteren Dreijahresvertrag zögerte. In den Jahren 2017 und 2018 gab der Deutsche durch entscheidende Fehler den Meisterschaftsvorteil an Hamilton ab, und in 2019 wurde er vom jungen monegassischen Teamkollegen Charles Leclerc regelmäßig in den Schatten gestellt und landete in der Gesamtwertung auf einem entfernten fünften Platz.“

Österreich

„Der Standard“: „Die Saison in Corona-Zeiten ist Sebastian Vettels letzte bei Ferrari. Der viermalige Formel-1-Weltmeister kehrt der enttäuschten Scuderia frustriert den Rücken. Das baldige Karriereende des Deutschen ist nicht völlig auszuschließen. (...) So enthusiastisch die Zusammenarbeit vor mehr als fünf Jahren verkündet wurde, so unterkühlt wurde am Dienstag ihr baldiges Ende avisiert.“

„Kurier“: „Ferrari sucht die Erfolgsspur: Das Problem sitzt nicht im Cockpit (...) Sebastian Vettel und Ferrari trennen sich mit Jahresende nach dann sechs gemeinsamen Jahren. Damit folgt der Rennstall seiner jahrzehntelangen Strategie: Die Piloten sind austauschbar, sobald sie in der roten Göttin nicht mehr schnell genug über die Runden kommen.“

„Die Presse“: „Der große Traum des Deutschen, 32, es seinem Vorbild Michael Schumacher gleichzutun, scheint endgültig geplatzt. Nach vier WM-Titeln mit Red Bull Racing wollte er – wie „Schumi“ nach Erfolgen mit Benetton – bei den Italienern zur Ikone aufsteigen. Der Versuch, diese Ära zu wiederholen, ist jedoch kläglich gescheitert. Zerbrochen an den eigenen Nerven, der (motorischen) Übermacht von Mercedes und auch den Fahrkünsten von Lewis Hamilton, der Vettel in wichtigen Phasen stets im Rückspiegel sah und kontrollierte.“

Schweiz

„Blick“: „Das wochenlange Trauerspiel um einen neuen Ferrari-Vertrag für Sebastian Vettel (32) hat ein Ende. Vielleicht haben sich Daniel Ricciardo (30), der bei Renault nie glücklich wurde, und Carlos Sainz jr. (25), bei McLaren eigentlich gesetzt, in Maranello angeboten. Für ein Trinkgeld. Und auch Ferrari muss in Zukunft sparen, wenn die Budgetobergrenze auf rund 140 Millionen Dollar (und später noch weniger) limitiert wird. Oder hat der hochintelligente Vettel vielleicht gemerkt, dass ihm mit seiner Loyalität bei Ferrari hinter den Kulissen ein Gegenwind ins Gesicht blies?“

„Tages-Anzeiger“: „Vettel kam als Heilsbringer zu Ferrari - und geht als Gescheiterter“. (...) Am Anfang stand ein Traum. Er entwickelte sich zum Albtraum. (...) Ferrari verlor in der internen Zerreissprobe zwischen Jungtalent und vierfachem Weltmeister die Kontrolle. Deshalb ist Vettels Schritt, wenn auch zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt, nicht nur nachvollziehbar, sondern nötig.“

Hier lesen Sie mehr: Nach Vettel-Aus bei Ferrari: Jetzt kommt Mick Schumacher ins Spiel

„Neue Züricher Zeitung“: „Die Trennung von Vettel und Ferrari als Ende eines Irrtums. Vettel ist nicht nur an den vielen Fehlern gescheitert, die er mit einem meist unterlegenen Auto unter Druck gemacht hat, sondern auch am Schlingerkurs der Ferrari-Führung. So hatte Mattia Binotto in der zweiten Saisonhälfte 2018 das Rennauto in die falsche Richtung entwickelt – was Vettel seiner bisher besten Titelchance beraubte.“

Frankreich

L'Équipe: „Seit gestern gibt es keinen Zweifel mehr, wenn es für einige noch Zweifel gab, dass Leclerc in Maranello die Nummer eins geworden ist. In weniger als zwei F1-Saisons hat es der 22-jährige Monegasse geschafft, einen viermaligen Weltmeister (2010, 2011, 2012, 2013) auszuschalten, die interne Alchemie bei Ferrari umzukrempeln (...). Seit gestern ist es daher eine Selbstverständlichkeit, dass die Zukunft der Scuderia mit der von Leclerc verbunden ist. (...) In weniger als einem Kalenderjahr wurden die Messen gesungen, der Kaiser begraben und der neue König inthronisiert. Die Machtergreifung war bonapartistisch, schnell, chirurgisch und – fast – reibungslos.“ (dpa)

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