Minuten nach Pokal-Aus gegen Leipzig Werder-Bosse treffen Trainer-Entscheidung

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Werder-Trainer Florian Kohfeldt war nach dem Pokalaus gegen RB Leipzig am Freitag (30. April) enttäuscht, bleibt aber weiter Trainer.

Bremen – Der Pokaltraum für Julian Nagelsmann (33) und RB Leipzig lebt weiter. Leipzig steht im Finale von Berlin, nur einen Sieg ist der künftige Bayern-Trainer vom Abschied als Pokalsieger entfernt. Dem stark angeschlagenen Werder-Trainer Florian Kohfeldt (38) rettete der beherzte Auftritt seiner Mannschaft bei der 1:2-Niederlage nach Verlängerung immerhin den Job.

  • DFB-Pokal: RB Leipzig nach Sieg bei Werder Bremen im Finale
  • Leipzig jubelt erst nach Verlängerung
  • Florian Kohfeldt bleibt Trainer bei Werder Bremen

Vor dem Spiel am Freitag (30. April) hatte daher nicht die Paarung an sich, sondern die beiden Trainer im Blickpunkt gestanden. Für Nagelsmann war es das erste Spiel nach Verkündung seines Abgangs zum FC Bayern am Saisonende. „Er muss hier noch einen Titel abliefern, daher ist der Druck weiterhin groß“, sagte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff (45) nach Schlusspfiff über seinen Erfolgstrainer.

Werder Bremen vertraut auch weiter auf Florian Kohfeldt als Trainer

Bei Werder Bremen wackelte der Stuhl von Kohfeldt nach sieben Liga-Pleiten in Serie gehörig, von einem Ultimatum der Werder-Bosse war die Rede. Doch der starke Kampf über 120 Minuten und die Bekenntnisse mehrerer Spieler überzeugten: Kurz nach Abpfiff bekannten die Verantwortlichen sich zur weiteren Zusammenarbeit mit ihrem Trainer.

Die Begründung lieferte Sport-Geschäftsführer Frank Baumann (45) nach Spielschluss am Mikrofon der ARD: „Flo bleibt natürlich Trainer, das ist ganz klar. Wir haben eine Analyse vornehmen müssen, wie wir uns aus der Abwärtsspirale befreien können. Wir mussten sehen, dass wir das Auftreten der Mannschaft verändern und da haben wir heute ein ganz anderes Gesicht gesehen.“

Werder Bremen lässt Führung liegen, Leipzig nach Elfmeter-Pfiff im Glück

„Durchaus gibt es Wochen, die entspannter sind“, erklärte Nagelsmann nach für beide Trainer stressigen Tagen vor dem Spiel, das seine Mannschaft dann allerdings hoch konzentriert anging.

Während sich Bremen weit zurückzog und offensiv praktisch gar nicht in Erscheinung trat, dominierten die Gäste mit über 70 Prozent Ballbesitz das Geschehen im ersten Durchgang, fanden gegen die massive Werder-Verteidigung allerdings kaum ein Durchkommen.

Doch nach einer halben Stunde wurden die Norddeutschen plötzlich aktiver. Sargent schüttelte Verfolger Dayot Upamecano nach einem langen Ball einfach ab, zeigte dann aber Nerven und verzog knapp.

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Werder Bremens Jean-Manuel Mbom wird von seinen Teamkollegen im Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig am Freitag (30. April) für eine Rettungstat im eigenen Fünfmeterraum gefeiert.

Aufregung gab es kurz vor der Pause um einen Elfmeter-Pfiff für die Grün-Weißen. Doch weil Davie Selke den Kontakt mit Leipzigs Nordi Mukiele aktiv gesucht hatte, revidierte Schiri Manuel Gräfe (47) seine Entscheidung nach Studium der TV-Bilder. Der erfahrene Referee nahm den Strafstoß zurück, es ging ohne Tore in die Halbzeit.

RB Leipzig scheitert an der Latte, Yuya Osako sorgt für Belebung

Der zweite Durchgang war von noch mehr Emotion in einem klassischen Pokalfight geprägt. Beide Mannschaften zeigten zunächst immer weniger fußballerische Lösungen, stattdessen standen hohe Intensität und Leidenschaft im Vordergrund.

Erst nach gut einer Stunde ergaben sich wieder ernsthafte Torchancen. Willi Orban köpfte nach einer Ecke an die Latte, den Abstauber verhinderte Werders Jean-Manuel Mbom in letzter Sekunde. Auf der Gegenseite verpasste der eingewechselte Yuya Osako die Bremer Führung nur knapp.

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Schiedsrichter Manuel Gräfe schaut sich nach seinem Elfmeterpfiff am Spielfeldrand den Zweikampf zwischen Davie Selke und Nordi Mukiele an. Im Pokal-Halbfinale zwischen Werder Bremen und RB Leipzig gab es dafür letztlich keinen Strafstoß.

In der Schlussviertelstunde wirkte Leipzig deutlich spritziger. Christopher Nkunku setzte mit einem Pfostentreffer nach 78 Minuten ein erstes Zeichen, Yussuf Poulsen scheiterte in der Nachspielzeit zweimal per Kopfball. Werder wankte, fiel aber nicht. So ging es in die Verlängerung.

Verlängerung im Pokalkrimi: RB Leipzig behält die Nerven gegen Werder Bremen

Mit emotionalen Worten versuchte Kohfeldt, die letzten Kräfte seiner Spieler zu mobilisieren. „Wir haben uns das verdient und wir ziehen das durch, Leute“, feuerte er seine Mannschaft im Spielerkreis noch einmal an. Das zeigte kurz Wirkung: Schnörkellos ging es gleich nach dem Anstoß in den Leipziger Strafraum, nur mit Mühe klärten die Gäste.

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Der Bremer Spielerkreis rund um Trainer Florian Kohfeldt vor der Verlängerung im Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig.

Doch gleich im Gegenzug spielte der Brause-Klub seine Überlegenheit aus. Joker Hee-Chan Hwang schoss in der 93. Minute freistehend zur Gäste-Führung ein. Doch Werder gab nicht auf und jubelte ebenfalls über ein Joker-Tor: Der frühere Kölner Leonardo Bittencourt war in der Nachspielzeit des ersten Verlängerungs-Durchgangs nach grobem Schnitzer von Dayot Upamecano zur Stelle und schob eiskalt ein. Er positionierte sich nach Schlusspfiff für seinen Trainer: „Wir haben Interesse weiterzumachen, das hat man heute gesehen. Das ist unsere Antwort, die wir geben können.“

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RB Leipzig bejubelt den Sieg im Pokalfight bei Werder Bremen nach Verlängerung.

Doch kurz vor Schluss hatte Leipzig das letzte Wort erneut mit einem Jokertor. Emil Forsberg versenkte in der Nachspielzeit der Verlängerung aus kurzer Distanz zum entscheidenden 2:1, auf das Werder diesmal keine Antwort mehr hatte.

„Klar war es dann spannend. Die Jungs haben unglaublich gefightet. Am Ende waren wir der verdiente Sieger, auch wenn es immer ein bisschen glücklich ist in der Verlängerung“, sagte Nagelsmann nach Spielschluss bei der ARD. Über Kollege Florian Kohfeldt urteilte der RB-Coach: „Ich finde, dass die Jungs extrem für ihn gekämpft haben.“

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Julian Nagelsmann bejubelt nach dem Sieg bei Werder Bremen am Freitag (30. April) den Einzug ins Pokalfinale mit RB Leipzig.

Für Leipzig ist es die zweite Finalteilnahme nach 2019 (0:3 gegen Bayern München), im Endspiel im Berliner Olympiastadion geht es am 13. Mai gegen den Sieger des zweiten Halbfinals zwischen Borussia Dortmund und Holstein Kiel (Samstag, 1. Mai, 20.30 Uhr).

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