18 Jahre nach der Rudi-Explosion„Waldi“: Darum laufen Löw die Zuschauer weg

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Das legendäre Streitgespräch 2003: Waldemar Hartmann mit Teamchef Rudi Völler nach dem Island-Spiel.

Leipzig – Zum Start in die WM-Qualifikation trifft Deutschland am Donnerstag (20.45 Uhr, RTL) in Duisburg auf Island. Bei der Paarung werden Erinnerungen wach. Am 6. September 2003 wurde in Reykjavik Fernseh-Geschichte geschrieben.

  • Interview mit Waldemar Hartmann vor dem Island-Spiel
  • 2003 erlebte er mit Rudi Völler eine TV-Sternstunde
  • So denkt der frühere ARD-Mann über Neu-Experte Uli Hoeneß

Nach dem 0:0 in der EM-Qualifikation kam Deutschlands Teamchef Rudi Völler (heute 60) zu ARD-Moderator Waldemar Hartmann (73) ins Mini-Studio.

Es folgte Völlers inzwischen legendärer Wutausbruch vor laufenden Kameras. „Sauerei, Scheißdreck, Mist, Käse“, wütete der damalige Trainer der Nationalmannschaft. Und schließlich Völlers Ausspruch Richtung Hartmann: „Du sitzt hier locker bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken und bist schön locker.“ Eine Attacke, die dem TV-Mann einen lukrativen Werbevertrag einbrachte. Zum Wiedersehen von Deutschland und Island sprach EXPRESS mit Hartmann – 18 Jahre nach dem Ausraster.

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War dieses Gespräch rückblickend Fluch oder Segen?

Wenn alle 18 Jahre danach immer noch von einem TV-Höhepunkt sprechen, kann es nicht so verkehrt gewesen sein. Mich stören auch die Fragen zu dem Thema nicht. Fragen Sie mal Mick Jagger, ob er immer noch „Satisfaction“ hören kann. Für mich war dieser Abend der Durchbruch – auch auf dem Konto. Viele Bürger haben eine Riester-Rente, ich habe eine Rudi-Rente. Zehn Jahre lang lief nach diesem Spiel ein sehr lukrativer Werbevertrag.

Und nun ist Weizen-Waldi Geschichte?

Es gab tatsächlich im Februar nochmals eine lukrative Anfrage. Ich sollte mit Rudi einen neuen TV-Sport für die EM drehen, in Anspielung an das damalige Duell. Aber er ließ sich nicht erweichen. Rudi will diese Episode am liebsten aus seinem Leben streichen. Dabei hat ihm das große Popularität eingebracht. Vier Tage später sangen die Fans in Dortmund „Es gibt nur ein‘ Rudi Völler“.

Können Sie sich Joachim Löw ähnlich emotional vorstellen?

Als er beim 0:6 in Sevilla so teilnahmslos da saß, dachte ich, das Thema mit ihm als Bundestrainer sei durch. Dass er nun seinen Rücktritt nach der EM angekündigt hat, werten viele ja als gutes Zeichen. Ich sage: Der Zeitpunkt wurde schon nach der WM 2018 verpasst. In der freien Wirtschaft wäre es längst zum Wechsel gekommen. Aber Jogi kann beim DFB die Gangart bestimmen, überhaupt hat er sich nach dem WM-Titel 2014 verselbstständigt. Seitdem hielt er sich für unantastbar.

Schauen Sie sich das Spiel am Donnerstag überhaupt an?

Ja, das schon. In der Pandemie bin ich froh, wenn überhaupt was los ist, und sei es nur ein Länderspiel. Ich schaue mir aber nicht mehr die TV-Vorläufe an. Ich habe vom Reden rund um den Fußball zwar ein Leben lang gelebt. Aber inzwischen braten alle in ihrem eigenen Saft und drehen sich im Kreis. Da werden Statistiken gewälzt, stundenlang über Handspiele diskutiert. Aus Fußball wird eine Wissenschaft gemacht, meist geht es nur um die Darstellung, nicht um das Produkt.

Liegt es daran, dass die TV-Quoten bei Länderspielen so zurückgegangen sind?

Da gibt es zahlreiche Gründe. Sicher hat die Identifikation mit den Spielern nachgelassen, der Mythos ist verschwunden. Das WM-Desaster 2018 war zudem ein Wendepunkt. Aber auch die ganzen Nebengeräusche wie Friseur-Einfliegen, Spielerfrauen, die sich bei Twitter über die Aufstellung des Trainers äußern oder irre Gehaltsforderungen selbst in Pandemie-Zeiten, sorgen für Verdruss. Der Fußball ist unwichtiger geworden, die Leute elektrisiert es nicht mehr. Früher war ein Länderspiel Lagerfeuer der Nation, heute nur noch Zirkus. Wo sind die Helden der Mannschaft? Manuel Neuer vielleicht oder Toni Kroos? Früher sind an der Entscheidung Netzer oder Overath Stammtische zerbrochen. Sollen die heute diskutieren, ob Brandt oder Reus ins Team gehören?

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Beim Island-Spiel gibt Uli Hoeneß sein Experten-Debüt. Was erwarten Sie vom früheren Leiter der „Abteilung Attacke“?

Ich kenne Uli schon mein ganzes Leben und war daher ziemlich erstaunt, dass er angekündigt hat, sich mit harter Kritik zurückzuhalten. Das hat in meinen Augen aber nur eine Halbwertzeit wie meine Silvestervorsätze, fünf Kilo abzunehmen. Uli bleibt Uli. Und das ist auch gut so. Diese Rolle bietet ihm eine wunderbare Bühne, beim DFB die zahlreichen Wunden aufzudecken. Der Fisch stinkt nämlich vom Kopf und das Zugpferd Nationalmannschaft lahmt. Da gibt es genug anzuprangern.