„Ich will nicht das Problem sein“ Toni Kroos wehrt sich gegen Kritik an seiner Person

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Toni Kroos beim Training der Nationalmannschaft in Österreich.

Seefeld – Toni Kroos (31) steht vor seinem sechsten großen Turnier. Joachim Löw (61) schätzt den Mittelfeldspieler von Real Madrid und verzichtet nun ungerne auf ihn. Trotzdem gibt es um den Stammplatz für den Weltmeister immer viele Debatten. EXPRESS sprach mit Kroos über die immer wieder aufflammende Kritik.

Zunächst die Frage nach Ihrer Gesundheit: Sind Sie nach überstandener Corona-Erkrankung am Montag wieder einsatzbereit?

Da gibt es keine Bedenken. Die letzten Trainingstage liefen problemlos ab, ich habe diese genutzt, um mich auf ein gewisses Level zu bringen. Ich fange ja auch nicht bei null an und komme nicht aus einer sechswöchigen Verletzung. Ich habe eine Woche wegen Corona nichts gemacht, danach habe ich zu Hause schon wieder ein wenig trainiert. Davor hatte ich einen guten Spielrhythmus. Es fühlt sich alles gut an.

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Joachim Löw diskutiert beim Training mit Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Toni Kroos und Florian Neuhaus.

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat gesagt, Löws größtes Problem heiße Toni Kroos. Wie kommt so etwas bei Ihnen an?

Ich will nicht das Problem sein. Wenn es ein Problem sein sollte, zu viele gute Spieler zu haben, dann ist das eher schön für Deutschland. Es gab ja auch Zeiten, da haben wir die guten Spieler gesucht. Im Endeffekt habe ich mich noch nie selbst aufgestellt. Das macht schon der Trainer und das geschieht aufgrund von Leistung. Ich komme aus einer für mich persönlich sehr guten Saison für Real Madrid. Ich werde auch hier wie immer meine Qualitäten anbieten. Dass dann einige Experten das anders sehen, ist für mich völlig in Ordnung. Entscheidend ist nur, wie der Trainer das sieht.

Wie beurteilen Sie sich denn selbst?

Ich sehe mich nie über der Mannschaft, bin aber nach wie vor sehr davon überzeugt, dass ich der Mannschaft mit meinen Qualitäten weiterhelfen kann. Dann sehen wir, was dabei herauskommt. Zu den Turnieren gibt es immer viele Meinungen und Experten. Das ist alles okay, davon lebt der Fußball ja auch. Aber ich kann mich nicht um jede Bemerkung kümmern.

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EXPRESS-Sportchef Marcel Schwamborn im EM-Trainingslager in Seefeld.

Diskutieren Sie im Spielerkreis auch so intensiv die Taktik, ob Vierer- oder Fünferkette besser sei?

Die Taktik ist immer ein Thema. Wir kommen aus vielen verschiedenen Vereinen mit verschiedenen Systemen. Wir müssen ein ideales für unsere Mannschaft und die Spielertypen finden. Die Interpretation und unsere Grundtugenden sind das alles Entscheidende. Ob du jetzt mit vier oder fünf Spielern verteidigst, ist nicht die Frage. Wichtig ist, dass wir uns klarmachen, was wir wollen. Jedem Spieler auf dem Feld muss systemunabhängig klar sein, was von ihm erwartet wird. Dann hat jedes System Vor- und Nachteile. Es darf keine Fragezeichen auf dem Feld geben, das erarbeiten wir.

Toni Kroos: Rückkehr von Karim Benzema hat mir nicht gefallen

Ihr Madrid-Kollege Karim Benzema wurde ja zurückgeholt: Wie denken Sie über Auftaktgegner Frankreich?

Karim Benzema bedeutet zweifelsfrei noch einmal einen Qualitätssprung für Frankreich. Da habe ich keine Zweifel, dafür kenne ich ihn zu gut. Das hat mir nicht unbedingt gefallen, dass er wieder nominiert wurde. Ich gönne es ihm natürlich persönlich, aber es hätte mir auch gereicht, wenn er erst im zweiten Spiel ins Turnier einsteigt.

Ist Deutschland in dem Spiel klarer Außenseiter?

Mir ist es nicht wichtig, ob wir Favorit sind oder nicht. Wir versuchen jedes einzelne Spiel für uns so anzugehen, dass wir es erfolgreich gestalten. Dass wir keine einfache Aufgabe zum Start haben, ist uns allen bewusst. Und dass Frankreich einer, wenn nicht sogar der Top-Favorit auf den EM-Sieg ist, ebenso. 

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