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„Heuchelei und Populismus“ Spielerberater Struth über die gescheiterte Super League

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Kölns Spitzen-Spielerberater Volker Struth von der Agentur Sports360 äußerte sich zum Super-League-Vorhaben.

Köln – Das ging schnell. Keine 48 Stunden nach der Ankündigung von zwölf Vereinen, eine Super League gründen zu wollen, haben die meisten Klubs schon wieder einen Rückzieher gemacht. Die Pläne für die neue Eliteliga im europäischen Fußball werden zunächst verworfen.

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  • Das sagt der Kölner zum Super-League-Vorstoß
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Was bedeutet aber der Vorstoß der Top-Klubs für den Fußball-Markt und für die Spieler? EXPRESS sprach mit Kölns Spitzen-Spielerberater Volker Struth (54). Dessen Agentur Sports360 betreut Nationalspieler wie Toni Kroos (31), Niklas Süle (25) oder Dayot Upamecano (22) sowie Trainer Julian Nagelsmann (33), zudem ist Struth bestens in der Szene vernetzt.

Auch wenn die Super League in der angedachten Form Geschichte ist: Wie denken Sie über das Vorpreschen der Vereine, einen eigenen Wettbewerb zu gründen?

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Die Art und Weise, wie diese in einem Alleingang der Vereine forciert werden sollte, mit einer gehörigen Portion von Egoismus, ist mehr als befremdlich und schockiert mich. Das war eine Bombe, die da in der Fußball-Welt eingeschlagen ist. Ich bin ja grundsätzlich Realist. Ich weiß sehr wohl, dass die Romantik des Fußballs mehr und mehr verschwindet. Deshalb ist es mir auch bewusst, dass es in diesem sehr schnelllebigen Geschäft ständig sehr viele Veränderungen gibt. Die Fernsehgelder sind explodiert, die Gehälter und auch die Ablösen. Es ist eine ständige Bewegung im Markt. Dass es irgendwann eine Eliteliga geben wird, ist für mich daher nicht überraschend. Aber der Weg, wie man es versucht hat, war plump, falsch und eine Frechheit für jeden Fußballfan. Dementsprechend verstehe ich auch total die weltweiten Reaktionen auf diesen ungeheuerlichen Vorstoß. Moralisch bin ich total gegen eine solche Elite-Liga, insbesondere gegen eine geschlossene Liga, für die sich kein Verein qualifizieren kann. Aber mir stößt noch etwas aus den vergangenen Tagen rund um die Super League sauer auf.

Was denn?

Dass ausgerechnet UEFA und FIFA die kommerziellen Interessen hinter dieser Liga verurteilt haben, das ist doch pure Heuchelei. Die UEFA hat schließlich alle Wettbewerbe in der Vergangenheit künstlich aufgebläht, steht für Konstrukte wie Nations League oder Conference League. Die FIFA vergibt eine WM nach Katar. Und nun spielen sich diese Verbände als Retter der Fußball-Kultur auf? Das ist doch lachhaft.

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Weltmeister Toni Kroos (r.) vertraut schon seit Jahren auf das Urteil von Volker Struth. Hier sind beide bei der Film-Premiere von „Kroos“ am 4. Juli 2019 in München zu sehen.

Glauben Sie, dass die Super League eines Tages noch in abgewandelter Form kommt oder war das alles nur Säbelrasseln?

Das wird noch ein spannender Prozess. Global gesehen könnte solch ein Konstrukt – ganz nüchtern betrachtet – funktionieren, wobei ich dagegen bin, ebenso wie gegen das ständige Aufblähen der Champions League und weiterer Wettbewerbe. Wenn eines Tages in der aufgeblähten Champions League Hoffenheim gegen Wolverhampton spielt und zeitgleich Real Madrid gegen Manchester City in einer Art Super League: Wo wird dann wohl weltweit die Einschaltquote höher sein?

Was steckte Ihrer Meinung nach hinter dem Alleingang dieser Vereine?

Ich weiß wirklich nicht, wie der Weg zu dieser Entscheidung aussah. Die Gründe für diesen Entschluss kenne ich nicht, ich sehe nur das Resultat, dass sich aber aktuell täglich wieder verändert, weil die Fans zum Glück auf die Barrikaden gegangen sind. Ich kann mir natürlich vorstellen, dass die Vereine eine elitärere Champions League wollen. Dass Real Madrid nicht gerne in der Vorrunde gegen Midtjylland oder Krasnodar spielt, kann ich irgendwie sogar verstehen. Aber wenn dieses Format Super League eines Tages kommen sollte, dann bitte auch mit Wettbewerbscharakter. Dann muss auch die Chance bestehen, sich für diesen Kreis über die nationalen Ligen zu qualifizieren. Wenn Jahr für Jahr die gleichen Vereine teilnehmen, wird es nicht funktionieren.

Wie denken Ihre Spieler darüber? Real Madrid, und damit indirekt auch Toni Kroos, wurde ja zwischendurch angedroht, dass sie aus dem aktuellen Wettbewerb, dem Champions-League-Halbfinale, das kommende Woche gespielt wird, genommen werden. Zudem hieß es, dass Toni Kroos wegen der Super League nicht an der EM teilnehmen dürfe.

Zunächst einmal halte ich die Reaktion der UEFA für emotionalen Populismus. Ich glaube nicht, dass sie Real Madrid, Chelsea und Manchester City aus dem laufenden Champions-League-Wettbewerb hätten nehmen können, da ihr andernfalls die Rechteinhaber, also Sky und Co, auf die Füße gestiegen wären. Denn die haben bereits sehr viel Geld für die Übertragungsrechte der Halbfinals bezahlt – und würden ansonsten ja sehr viel Geld zurückfordern können. So einfach wäre es also nicht. Was Toni Kroos, Ilkay Gündogan, Timo Werner und Kai Havertz betrifft: Sie können doch nichts dafür, dass sich ihre Vereine einem anderen Wettbewerb anschließen wollten. Die Spieler waren doch nicht in den Entscheidungsprozess involviert. Sie sind Angestellte der Vereine und müssen als solche in dem Wettbewerb spielen, in dem ihre Vereine antreten. Das hätte aber keine Folgen für die Nationalmannschaft haben können. Denn Deutschland hat sich gemäß den UEFA-Vorgaben für die Europameisterschaft qualifiziert. Dementsprechend war ich zu jedem Zeitpunkt überzeugt, dass die Jungs dort auch spielen werden. Zumal es arbeitsrechtlich gegen eine Teilnahme meines Erachtens keine Grundlage gegeben hätte. Die UEFA hätte einem Land ja nicht vorschreiben können, welche Spieler es für ein Turnier, für das es sich ordnungsgemäß qualifiziert hat, nominiert hätte.

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