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„Deutsches Panikorchester“ Löw trotz Gegentor-Flut mit mutigem EM-Ziel

Rüdiger-Wut

Antonio Rüdiger versucht seine Nebenleute beim Spiel gegen die Schweiz zu dirigieren.

Köln – Am Ende einer intensiven Länderspiel-Woche mit drei Spielen, in denen sein Team insgesamt sieben Gegentore schlucken musste, wurde Joachim Löw (60) abermals mit einem Kritiker konfrontiert. Weltmeister Olaf Thon (54) hatte den Rücktritt des Bundestrainers spätestens nach der EM 2021 gefordert. Schließlich, so die Schalke-Legende, gehe es mit der Nationalmannschaft „seit 2016 immer weiter bergab“.

Joachim Löw: „Mir egal, was der Olaf Thon sagt“

Löw atmete einmal tief durch, seine Augen wanderten durch den menschenleeren Pressekonferenz-Raum des Rhein-Energie-Stadions, seine Finger umklammerten eine Wasserflasche. „Das habe ich nicht gelesen. Sie konfrontieren mich jetzt mit etwas nach dem Spiel, was ich nicht gehört habe. Das ist mir egal, was der Olaf Thon sagt“, presste er angefressen heraus.

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Dennoch bleibt das Thema präsent, dass die Arbeit des Bundestrainers derzeit von vielen Seiten kritisch gesehen wird. Löw versuchte, ein wenig Verständnis dafür zu zeigen. „Kritik kann immer mal inspirierend sein. Kritik ist gut, jeder darf sich äußern. Als Trainer schließt man aber mal irgendwie die Türe und sagt: Was haben wir für eine Vision? Was wollen wir? Und auf das konzentriert man sich dann. Wir haben ja unsere Vorstellungen.“

Joachim Löw wird weiter mit viel Kritik konfrontiert

Die Alt-Internationalen, die sich derzeit aus allen Ecken melden, will der Bundestrainer aber weniger als Ratgeber nutzen. „Für mich ist wichtig, was wir intern besprechen. Wenn ich immer auf alles hören und alles lesen würde, dann hätte ich ja keine Zeit mehr, meine Arbeit mit der Mannschaft zu machen. Kritik stört mich nicht. Dafür sind die Leute auch da, dass sie kritisch die Spiele beobachten. Wir machen ja auch unsere eigene Kritik intern. Es ist nicht so, dass wir über die Spiele einfach so hinweggehen.“

Abwehr-Chaos

Chaos und Frust in der deutschen Abwehr nach dem Treffer zum 0:2 gegen die Schweiz.

Das sollte er auch nicht, denn die Probleme, die seine Mannschaft aufweist, sind vielzählig. Vor allem die mitunter vogelwilde Defensive ist ein Haupt-Ansatzpunkt. Und da drängt sich die Frage auf: Wer gibt in der deutschen Abwehr eigentlich den Ton an? Gegen die Türkei hatte Robin Koch (24) die Rolle des Dirigenten in der Dreierkette. In der Ukraine gab Niklas Süle (25) die Kommandos. Gegen die Schweiz schauten sich Matthias Ginter (26) und Antonio Rüdiger (27) oft fragend an.

Darum spielte Niklas Süle nicht gegen die Schweiz

„Niklas Süle habe ich noch mal geschont. Bei ihm muss man vorsichtig sein. Er hat gerade einen Kreuzbandriss auskuriert. Niklas Süle ist ein Spieler, der zuletzt in unserer Abwehr immer gesetzt war. Wenn er gesund ist, ist der Niklas natürlich ein sehr wichtiger Spieler“, sagt Löw. Aber nachdem Jerome Boateng (32) und Mats Hummels (31) aussortiert wurden, fehlt der klare Leader in der Defensive.

„Wir haben keine ganz so erfahrenen Spieler in unserer Abwehr“, räumt Löw ein. „Matze Ginter ist schon länger dabei, Tony Rüdiger noch nicht ganz so lange. Das sind schon Spieler, die im Verbund gut verteidigen können. Wir haben aber ein paar Fehler gemacht. Verteidigen können wir als Mannschaft insgesamt besser. Das müssen wir optimieren.“

Die Schweizer Zeitung „Blick“ schrieb am Mittwoch von einem „deutschen Panikorchester in der Abwehr“ und befand: „Das Team von Jogi Löw steckt in einer monumentalen Schaffenskrise.“ Die drei eher dürftigen Auftritte verunsichern den Bundestrainer allerdings noch nicht. „Wir konzentrieren uns auf unseren Plan, den verfolgen wir konsequent und springen nicht immer hin und her“, sagte er und kündigte vollmundig sein EM-Ziel an: „Das Halbfinale ist das Minimalziel“. Wie er seinen Laden dafür allerdings dicht bekommen will, bleibt sein großes Geheimnis.

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